Kürzung der Stundentafel Mathe- und Deutsch-Stunden werden in Sachsen-Anhalt reduziert

Weniger Mathe, weniger Deutsch, weniger Englisch. An Sachsen-Anhalts Sekundarschulen kann das ab dem kommenden Schuljahr Wirklichkeit werden. Schülerinnen und Schüler, die den Haupt- oder Realschulabschluss machen wollen, haben dann unter Umständen in der neunten und zehnten Klasse je eine Wochenstunde Mathe und Deutsch weniger, in den Klassen sechs bis acht zwei Stunden weniger Englisch. Am Mittwoch war die Änderung der sogenannten Stundentafel Thema im Landtag.

Ein Lehrer unterrichtet Deutsch in einer Klasse, die wegen Corona geteilt wurde
Was steckt hinter der Änderung der Stundentafel? Bildrechte: imago images/Mattias Christ

Die Kritik an der Änderung der Stundentafel ist harsch. Der Minister mache aus der Sekundarschule eine Resterampe, fahre die Schulform an die Wand, heißt es. Über alle Fraktionen hinweg kommt Kritik am Vorgehen des Ministers, nur aus seiner CDU-Fraktion gibt es Unterstützung.

Warum gekürzt werden soll

Notwendig wird die Kürzung der sogenannten Stundentafel, weil es an Lehrerinnen und Lehrern fehlt. Trotz Dauerausschreibung, Senkung der Anforderungen an Bewerber und bezahlte Mehrarbeit sind es einfach zu wenige. Bildungsminister Marco Tullner von der CDU: "Wir müssen uns diesen Realitäten stellen." Man müsse die Phase, bis neue Lehrer von der Ausbildung in die Schulen kommen, so überbrücken, dass der Bildungserfolg gesichert sei und dass die Anforderungen der Unternehmen an Qualität und Inhalte des Unterrichts erfüllt werden können.

Das sei keine Maßnahme, die ihm leicht falle, aber eine notwendige und verantwortbare, sagt der Minister weiter. Immerhin halte sich Sachsen-Anhalt weiter an die Stundenvorgaben der Kultusministerkonferenz, liege sogar leicht darüber. Entwickelt wurde die Änderung der Stundentafel unter anderem zusammen mit der Schulaufsicht, Schulleiterinnen und -leitern. Die Praxisnähe sei ihm wichtig gewesen, unterstreicht der Minister.

Lob aus der Praxis

Aus der Praxis kommt auch Enno Kayser. Er leitet die Sekundarschule "am Petersberg" in Wallwitz bei Halle. Rund 500 Schülerinnen und Schüler gehen hier zur Schule.

Der Erlass sei hilfreich, weil er Flexibilität bringe, so Kayser: "Es ist nicht mehr ganz starr vorgeschrieben, in welcher Klassenstufe welche Menge an Stunden unterrichtet werden muss." Es sei nunmal so, dass die Lehrerzahl nicht ausreiche. Kayser erklärt: "Ich kann mir das jetzt selber besser organisieren und gucken, welche Lehrer habe ich und welche Lehrer kann ich demzufolge auch einsetzen."

Kritik von der Gewerkschaft

Eva Gerth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schüttelt dagegen den Kopf. Eine Bankrotterklärung sei das. Zumal es aus ihrer Sicht noch einige Möglichkeiten gäbe, um den Lehrermangel zu mildern.

Der Minister zeige sich aber beratungsresistent: "Wir schlagen als GEW schon sehr lange Arbeitszeitkonten vor. Dass Arbeitskräfte jetzt mehr arbeiten – aber die Zeit für sich selbst bunkern können und vielleicht ein bisschen eher in den Ruhestand gehen." Man müsse sich gemeinsam an einen Tisch setzen, mahnt die Gewerkschafterin. Das sei bisher viel zu selten passiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2020 | 07:38 Uhr

80 Kommentare

Erichs Rache vor 16 Wochen

"Weniger Mathe, weniger Deutsch, weniger Englisch"

Ich würde Mathe, Deutsch und Englisch ganz abschaffen. Wozu sollen Kinder in diesem Staat noch etwas lernen. Es reicht doch, wenn sie nachplappern was Politiker und Medien ihnen "vorsagen" und wenn sie Merkel-Jubel-Fähnchen schwenken.

maheba vor 16 Wochen

Es gibt Studien die besagen "je religiöser, desto weniger gebildet". Im Umkehrschluss bedeutet dies - eine wenig gebildete Bevölkerung ist emfänglicher für Religion.
Man sagt auch " ein dummes Volk regiert sich besser".!
Mal sehen wo es hin geht.
Fakt ist, wer es sich leisten kann, wird seine Kinder privat unterrichten lassen. Ich meine privat Einrichtungen, nicht solche, die wie Pilze aus dem Boden wachsen um die Lücken zu schließen die durch Schließung staatlicher Einrichtungen aufgerissen wurden. Also das elitäre Bildungssystem wird gestärkt. Gute Nacht für die Allgemeinheit, gute Nacht Deutschland.

Hans Frieder leistner vor 16 Wochen

Die Parteien mögen heißen wie sie wollen. Sie sind alle verantwortlich für die Zukunft unserer Jugend. Wir ,die Bundesrepublik, finanzieren die halbe Welt. Aber für die eigene Jugend reicht das Geld nicht.