Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Jens Strackeljan, Rektor an der Universität Magdeburg. Bildrechte: dpa

Finanzen Sachsen-Anhalts Hochschulen geben mehr Geld aus

Von den Universitäten und Fachhochschulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen häufig alarmierende Nachrichten: Zu wenig Personal, zu schlecht bezahlt, Studiengänge und Fachbereiche müssen abgeschafft werden. In Sachsen-Anhalt geht es den Hochschulen aber scheinbar blendend. Zwischen 2007 und 2017 haben sie 40 Prozent mehr ausgegeben.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Jens Strackeljan, Rektor an der Universität Magdeburg. Bildrechte: dpa

Jens Strackeljan ist der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Als er in sein Büro kommt, hat er einen schmalen Stoß Papier unter den Arm geklemmt. Über Geld redet der Rektor bewaffnet mit sieben Schaubildern.

Auch an seiner Universität seien die Ausgaben gestiegen - innerhalb von zehn Jahren von gut 107 Millionen auf  fast 168 Millionen Euro. Doch das heiße nicht, dass man immer und immer mehr Geld vom Land bekommen habe, erklärt der Rektor. Der Anteil von Landesgeldern im Budget sei sogar gesunken. Mittlerweile liege er bei 58 Prozent.

"Das heißt natürlich, dass der größte Teil, oder ein großer Teil, den wir benötigen aus anderen Quellen kommt. Und damit wettbewerblich eingeworben werden muss, abhängig ist von Entscheidungen anderer", erklärt Strackeljan.

Aber im Großen und Ganzen stützt das natürlich das eigene Agieren und auch ein Stück weit die Eigenverantwortung, und das befürworten wir.

Jens Strackeljan, Rektor Universität Magdeburg

Strackeljan meint hier die sogenannten Drittmittel, die für Forschungsprojekte eingeworben und ausgegeben werden.

Löhne um 25 Prozent gestiegen

Schaut man sich alle Ausgaben der Unis an, fallen vor allem die Personalkosten auf. Sie betragen 60 Prozent des Budgets. Und hier gab es zuletzt deutliche Steigerungen, erklärt Wissenschaftsminister Armin Willingmann von der SPD:

Armin Willingmann
Armin Willingmann (SPD) Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt, das ja ohnehin bei den Löhnen deutlich hinterherhängt im Schnitt, hat sich von etwa 1.950 Euro Monatseinkommen auf über 2.400 Euro entwickelt.

Armin Willingmann, Wissenschaftsminister Sachsen-Anhalt

Dort allein habe es also eine Steigerung um 25 Prozent gegeben. Und Hochschulen haben, laut Willingmann, zu 80, 85 Prozent Personalhaushalte. Denn Bildung und Wissen würden durch Menschen vermittelt.

Der Anstieg der Ausgaben ist für den Minister generell ein gutes Zeichen. Nicht nur, weil sie bessere Bezahlung bedeuten. Mehr Förder- und Drittmittel heißen auch, die Hochschulen hätten sich beim Wettbewerb mit ihrer Forschung durchsetzen können.

StuRa Halle bemerkt Ausgaben nicht

An der Martin-Luther Universität in Halle wundern sich die Studierenden über die Zahlen des Statistischen Landesamtes. 40 Prozent mehr ausgegeben? Nicht gemerkt. Lukas Wanke ist Sprecher des Studierendenrates (StuRa). Er teilt schriftlich mit:

Gerade in Bezug darauf, dass wir von 2012 - 2015 hier viele Kürzungsproteste hatten, erscheint spontan sogar ein Stück weit kontrafaktisch. Und auch wenn die großen Kürzungen vorbei sind, gab es im Jahr 2018 aus haushälterischen Gründen ja das Ende von drei Fächern: Vorislamischer Orient, Japanologie und Instrumental- und Gesangspädagogik.

Lukas Wanke, StuRa-Sprecher Universität Halle

Abschwung in den kommenden Jahren erwartet

Trotzdem haben die Hochschulen im Land in den vergangenen zehn Jahren jedes Jahr mehr Geld ausgegeben. Die florierende Wirtschaft und sprudelnde Steuereinnahmen machten es möglich. Für die kommenden Jahre sagen Finanzexperten aber einen Abschwung voraus.

Steht die nächste Sparrunde an den Hochschulen bevor? Der finanzpolitische Sprecher der CDU, Daniel Szarata, beruhigt: "Die fetten Jahre sind vorbei. Das sehe ich ähnlich. Wir haben ja zurzeit im Land einen Doppelhaushalt vor der Brust und jetzt auch einen Einzelhaushalt beschlossen. Und schon in diesem Haushalt haben wir diverse Verpflichtungsermächtigungen auch für die nächsten Jahre für die Hochschulen verankert."

Deshalb müssten sich die Hochschulen in Sachsen-Anhalt, was die Finanzierung angeht, überhaupt keine Gedanken machen. Auch wenn die fetten Jahre vorbei seien. Ein Satz, den Jens Strackeljan in seinem Rektorenbüro sicher gern hören dürfte. Mittlerweile hat er seine Schaubilder wieder zusammengeräumt und ist in den nächsten Termin verschwunden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Februar 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 05:00 Uhr

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