Weniger Testzentren Hausärzte sollen Corona-Tests übernehmen

An der A4 und der A17 sowie an den Flughäfen Dresden und Leipzig/Halle gibt es Corona-Testzentren für Einreisende. Dafür wurden die meisten "temporären Anlaufpraxen" in Sachsen dicht gemacht. Auch die Uniklinik Leipzig schließt ihre Corona-Ambulanz, weil die Nachfrage zu gering sei. Patienten sollen sich stattdessen an ihre Hausärzte wenden, wenn sie sich testen lassen wollen.

Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest.
Sind Hausarztpraxen in der Lage, Corona-Tests durchzuführen? Bildrechte: dpa

Weniger zentrale Anlaufstellen für Corona-Tests, mehr Tests dezentral bei den Hausärzten. Das ist die neue Strategie der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Viele Praxen zu klein

Hausarzt Thomas Lipp findet es sinnvoll, nicht alle Testzentren am Laufen zu halten. Schließlich kommen kaum noch Leute. Wenig Verständnis hat er dafür, dass er in seiner Hausarztpraxis auf das Coronavirus testen soll.

Ich muss die Patienten, die möglicherweise infiziert sind, von den anderen trennen. Wie soll ich das logistisch machen? Die wenigsten Praxen sind räumlich dafür vorgesehen.

Dr. med. Thomas Lipp, Allgemeinmediziner

Lipp führt mit sechs Kolleginnen und Kollegen die Gemeinschaftspraxis Lipp und Amm in Leipzig. Als Betreiber hat er noch ein weiteres Problem mit dem Corona-Test: "Das ist wirtschaftlich hoch defizitär. Ein Arzt zahlt bei jedem Patienten deutlich drauf." Seine Praxis testet daher nur Stammpatienten. Andere Hausärzte würden selbst das ablehnen und gar keine Tests anbieten.

Geänderte Abläufe ermöglichen Tests

Dieses Verhalten kritisiert Sachsens Ärztepräsident Erik Bodendieck:

Es ist Aufgabe der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Patienten nicht nur zu behandeln, sondern sie auch zu diagnostizieren. Da gehört ein Test dazu.

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer
Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer
Ärztepräsident Erik Bodendieck sieht Hausärzte in der Pflicht, Corona-Tests durchzuführen. Bildrechte: Slaek

Die meisten Praxen müssten aus seiner Sicht durchaus in der Lage sein, die Tests zu machen – ohne das eigene Personal und andere Patienten zu gefährden. Das ginge zum Beispiel, indem Patientinnen und Patienten feste Termine bekommen, ohne im Wartezimmer zu sitzen. "Wenn ich den Praxisablauf so gestalte, wie das die meisten gemacht haben, [...] dann kann man da Vorsorge betreiben." Auch seien die Praxen inzwischen alle ausreichend mit Schutzkleidung versorgt. Anders als zum Beginn der Pandemie.

Ärzte müssen unterstützt werden

Doch auch Ärztepräsident Bodendieck findet, dass bei den Tests noch nicht alles so läuft, wie es laufen müsste. Wie schon der Leipziger Kollege sagte: Die Praxen bekämen für die Tests zu wenig Geld – 15 Euro nämlich. "Da man den Praxisablauf umsortierten muss, hat man möglicherweise andere Defizite. Da kann ich nicht einfach eine Milchmädchenrechnung aufmachen und sagen: Die drei Minuten, die ich für den Test brauche, werden mit so und so viel Euro abgegolten." Außerdem fordert Bodendieck, der selbst eine Hausarztpraxis in Wurzen betreibt, kostenlose Tests für Praxismitarbeiter.

Sein Fazit: Coronatests in Hausarztpraxen? Sollte zu schaffen sein. Doch die Rahmenbedingungen findet er ausbaufähig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. August 2020 | 06:08 Uhr

6 Kommentare

Peter vor 20 Wochen

Ach Gottchen Sonnenseite, wie billig.
Es würde Sie überraschen, wieviele Ärzte und medizinisches Personal zu meinem Verwandten- und Freundeskreis gehören.
Mein Hausarzt hat mir jüngst in einem Gespräch gesagt: "Peter, was glaubst Du, was passiert, wenn meine Praxis zum Corona-Hotspot würde".
Meine liebe Sonnenseite: Die Ärzte haben den Praxenalltag längst verantwortungsvoll auf Corona-Bedingungen umgestellt. Herr Bodendieck weiss das ganz genau. Herr Dr. Lipp mag eine Ausnahme sein. Aber das ist seine Sache, oder besser gesagt, sein Versäumnis.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 20 Wochen

"Am Anfang ein wenig über Mehrarbeit und wenig Geld jammern, gehört nicht nur dort zum Geschäft."

ihre Meinung zum Personal ist ja schon unterirdisch, zu den Ärzten nicht besser.

Was ist nur mit den SPD Mitgliedern los?

Peter vor 20 Wochen

Ich denke, unsere Hausärzte werden eventuelle Widrigkeiten meistern und für gute und sichere Tests sorgen.
Am Anfang ein wenig über Mehrarbeit und wenig Geld jammern, gehört nicht nur dort zum Geschäft.