Integration Sachsen: Schwimmunterricht nur mit Deutschkenntnissen

Wegen mangelhafter Deutsch-Kenntnisse durfte ein Görlitzer Grundschulkind nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Das berichtete die Sächsische Zeitung. Beim Kultusministerium kann man die Aufregung nicht verstehen. Doch Schwimmlehrer und Ausländervertreter kritisieren die Handhabung in Sachsen. Ein Blick nach Sachsen-Anhalt zeigt zudem: Es geht auch anders.

Drittklässler einer Grundschule erhalten Schwimmuntericht.
Sachsen-Anhalt setzt auf Sichtkarten im Schwimmunterricht. Bildrechte: dpa

Können Kinder, die kein oder kaum Deutsch sprechen, am Schwimmunterricht teilnehmen? Das ist hier die Frage. Aus Sicht von Dirk Reelfs, Sprecher des sächsischen Kultusministeriums, ist diese leicht zu beantworten. Und zwar mit Nein: "Für die Teilnahme an jeglichem Unterricht – das gilt nicht nur für das Schwimmen, hier kommen noch Sicherheitsfragen hinzu, sondern auch für den Mathematikunterricht, für den Biologieunterricht oder für alle anderen Fächer – ist es zwingend Voraussetzung, dass sie über Deutschkenntnisse verfügen."

Deutsch lernen in Etappen

Kinder ohne Deutschkenntnisse lernen an sächsischen Schulen in Vorbereitungsklassen Deutsch. Dort sind sie in der ersten von drei Etappen ganz für sich. Schritt für Schritt nehmen sie dann in der zweiten Etappe am regulären Unterricht teil. Meist starten sie mit Fächern wie Musik oder Kunst. So kommt ein Fach nach dem anderen hinzu, bis die Kinder in der dritten Etappe komplett in einer Klasse intergiert sind.

Erst in dieser letzten Phase sollten sie auch am Schwimmunterricht teilnehmen, sagt Dirk Reelfs. Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sicherheit stehe jedenfalls im Vordergrund: Man müsse sich vorstellen, dass Schwimmunterricht in der Halle stattfinde. Da sei es laut. Das Wasser mache Geräusche, aber auch die Kinder. Gerade hier sei es zwingend Voraussetzung, dass Kinder dann auch den Anweisungen des Schwimmlehrers Folge leisten könnten. Und dafür seien gewisse Deutschkenntnisse eben Voraussetzung, erläutert Reelfs.

Frühe Stigmatisierung

Eter Hachmann, Vorsitzende des Ausländerrats Dresden, hält das für einen vorgeschobenen Grund. In solchen Fällen Schwimmunterricht zu ermöglichen, sei ein leichter Weg für die Lehrer und das Bildungssystem. Die Kinder würden sonst in frühem Alter bereits stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt, betont Hachmann.

Ein Risiko für Kinder ohne Deutschkenntnisse sieht Hachmann beim Schwimmunterricht nicht: "Und ich glaube, tatsächlich hilft der sensible Umgang, ein Lächeln und der richtige Ton." Kinder seien sehr sensible Wesen und verstünden mehr, als Erwachsene im Stande seien zu verstehen.

 "Gemeinsame Sprache ist erstrebenswert"

Und was sagen die Schwimmlehrer? Eine gemeinsame Sprache im Schwimmunterricht hält der Geschäftsführer der DLRG Sachsen, Sebastian Knabe, für erstrebenswert, aber nicht für eine Grundvoraussetzung. Auch er ist der Meinung, dass alle Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen sollten, unabhängig von der Sprache – allerdings nicht ohne Vorbereitung. Dazu gehöre, dass man die Kinder etwa auf Grundbefehle konditioniere, erklärt Knabe.

Es sei ein Mehraufwand, der sich lohne, sagt Knabe. Damit alle schwimmen lernen, aber auch aus gesellschaftlichen Gründen: "Auf alle Fälle nicht ausgrenzen. Denn wer ausgrenzt, wird auch abgegrenzt."

Sachsen-Anhalt: Verständigung per Sichtkarte

Wie ist es in anderen Bundesländern? Auch in Thüringen nehmen Kinder ohne Deutschkenntnisse nicht am Schwimmunterricht teil. Laut einer Sprecherin des Bildungsministeriums werden sie "zurückgestellt", bis die wichtigsten Kommandos verstanden werden. Anders im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt. Dort können zugewanderte Schülerinnen und Schüler sofort mit ins Wasser. Auch ohne Deutschkenntnisse. Die Verständigung funktioniert einem Sprecher des Bildungsministeriums zufolge mit Hilfe von Sichtkarten. Entwickelt wurden diese übrigens gemeinsam mit der Uni Leipzig in Sachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2020 | 06:53 Uhr

49 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Der von Ihnen genannte Artikel belegt rein gar nichts von dem was Sie oben behauptet haben. Wir gehen als davon aus, dass Sie keine Belege für Ihre Aussagen haben.

Les joueurs d echecs vor 4 Wochen

Im Integrationskurs die "verbundenen Buchstaben", neudeutsch für "Schreibschrift", lernen? Wozu? Druckbuchstaben, neuerdings "Internetbuchstaben" genannt, reichen doch. So manche kleine "Bio-Deutsche" findet das inzwischen auch. Wie bringt man Menschen Deutsch bei, wenn sie selber den Nutzwert nicht erkennen, obwohl dessen Beherrschung ihr Fortkommen exponentiell verbessern kann?

Dreibeiner vor 4 Wochen

Liebe MDR.de-Redaktion, sehr gerne hier die Quelle aus der ich den LINK entfernte:
www morgenpost de vermischtes article226171453 Gericht kippt Burkini Verbot fuer staedtische Schwimmbaeder.html#:~:text=Burkinis%20–%20also%20eine%20Burka%20zum,so%20auch%20Stadträte%20und%20Gerichte.&text=In%20Koblenz%20hatte%20es%20eine,den%20städtischen%20Schwimmbädern%20sehen%20wollte
Wenn Sie Behauptungen aufstellen, möchten ich Sie bitten, diese auch zu belegen. Nur auf der Grundlage der Fakten ist eine sachliche Diskussion gewährleistet.
LG vom Dreibeiner