Streit um 20 Jahre altes Biologie-Heft Kultusministerium Sachsen: Rassistische Inhalte "bedauerlicher Einzelfall"

Eltern von Kindern an einer sächsischen Oberschule südlich von Dresden hatten sich bereits im vergangenen Jahr beschwert: Sie hatten in einem Schulheft rassistische Inhalte gefunden. Sie machten Fotos von dem Lehrmaterial und schickten es an die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Zais. Das sächsische Kultusministerium wiegelte zunächst ab und spricht nun von einem "bedauerlichen Einzelfall".

In Sachsen gibt es weiter Wirbel um ein 20 Jahre altes Themenheft aus dem Verlag "Volk & Wissen" für Schüler der 10. Klasse. Das Heft widmet sich dem Thema "Farben" aus naturwissenschaftlicher Perspektive und bezieht sich dabei auf Inhalte der Rassenlehre.

Das sächsische Kultusministerium wies nun Vorwürfe wegen der Verwendung rassistischen Lehrmaterials erneut zurück. Auf Anfrage sagte eine Sprecherin: "Bei 1.400 Schulen, über 20.000 Klassen und noch viel mehr Schulbüchern handelt es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall." Die Inhalte würden vom Ministerium nicht unterstützt. Zudem gebe es inzwischen ein überarbeitetes Themenheft, das die entsprechenden Passagen nicht mehr enthalte.

Grüne dringen auf Aufklärung

Die Grünen im Sächsischen Landtag hatten in einer Kleinen Anfrage kritisiert, dass im Biologie-Unterricht an einer Oberschule im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die "Rassenlehre des Menschen" Thema war und Aufklärung verlangt. Eltern hatten sich zuvor an die Grünen-Abgeordnete Petra Zais gewandt.

In dem umstrittenen Heft für die 10. Klasse ist nach Angaben der Grünen von "negriden, mongoloiden und europäischen Rassenkreisen" die Rede. Schüler hätten etwa typische Hautfarben, Nasen- und Gesichtsformen zuordnen müssen.

Sachsen prüft Lehrmaterial nur eingeschränkt

Das Kultusministerium verweist weiter auf die Eigenverantwortung der Schulen. Nur Schulbücher für Religion und Ethik müssten in Sachsen zugelassen werden. Bei allen anderen Materialen wählten die Schulen nach eigenem Ermessen aus den Angeboten der Verlage aus. Der Schulleiter habe das betreffende Heft bereits entfernt. Auf Anfrage der "Leipziger Volkszeitung" wollte sich der Direktor nicht zu dem Fall äußern.

"Menschenrassen" bis 2004 im Lehrplan

Bis ins Jahr 2004 war im sächsischen Lehrplan für den Bio-Unterricht der 10. Klasse von "Menschenrassen" die Rede. Danach wurde der Begriff gestrichen. Seither wird das Thema "Evolution des Menschen" behandelt. Der Fokus liegt seitdem auf den genetischen Gemeinsamkeiten aller Menschen.

Erst im vergangenen Jahr widmete sich das Dresdner Hygiene-Museum dem Thema Rassismus. In der Ausstellung wird Rassismus als "menschenfeindliche Ideologie und alltägliche Praxis, durch die viele Menschen mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert sind" beschrieben. Kuratorin Susanne Wernsing stellte von Anfang an klar: "Es gibt keine Rassen. Rassen sind eine Erfindung des Menschen." Und die habe immer mit Ausgrenzung zu tun.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2019 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 18:36 Uhr

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132 Kommentare

24.01.2019 18:43 Wenzel 132

Bei Pferden wird ganz selbstverständlich zwischen Warm- und Kaltblütern differenziert. Niemand schickt einen schweren Ackergaul auf die Rennbahn, niemand lässt ein zartes Shetland-Pony schwerste Lasten ziehen. Aha: Rassismus! Bei Hunden ist allgemein anerkannter Konsens, dass ein Bullterrier anders ausieht als ein Pekinese und sich auch anders verhält. Rassismus, ekelhaft! Selbst politisch korrekteste Katzenfreund/Innen geben in schwachen Augenblicken zu, dass sich eine Britisch Kurzhaar ganz minimal anders darstellt als etwa ein Perser oder ein Löwe. Igitt, Rassismus! Doch nun die Erlösung: Wir Menschen unterscheiden uns voneinander in keinerlei Hinsicht! Und das weltweit, vom Pol bis zum Äquator! Die evolutionäre Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen, bei Tieren völlig unbestritten, ist zum Glück spurlos an uns vorübergegangen. Fürwahr ein biologisches Wunder und eine wirklich gute Nachricht. Sehr beeindruckend, wie die exakte Wissenschaft dem Kreationismus überlegen ist!

[Sehr geehrter Nutzer, dass es im Tierreich Rassen gibt, stellt doch niemand in Frage. Es gilt mittlerweile als wissenschaftlich erwiesen, dass die These von unterschiedlichen Menschenrassen überholt ist, da es zwar äußerliche Unterschiede gibt, diese aber zu gering sind, um Menschen aufgrund dessen in homogene Gruppen einzuteilen.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 17:52 Ichich 131

Bald werden uns die Wissenschaftsexperten des mdr erklären, warum "race" ... obwohl die Wissenschaft behauptet, daß es eine solche nicht gibt ... in allen polit. und statist. Aussagen in den USA verwendet wird: "Race and ethnicity" im US Zensus, "racial mixup", etc. . :-)

[Sehr geehrter Nutzer,
im Gegensatz zum sich ausschließlich auf biologische Aspekte konzentrierenden Begriff der Rasse umfasst der im US-amerikanischen Zensus erfasste Begriff der "race" auch kulturelle Aspekte und schließt darüberhinaus auch eine Selbsteinschätzung der Betroffenen mit ein. Es geht somit zwar um die Eingrenzung von Bevölkerungsgruppen, aber eben nicht nur anhand von äußerer und vorgeblich genetischer Ähnlichkeit.
Herzliche Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 15:45 Gerd Müller 130

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat vor einer zunehmenden Geschichtsvergessenheit in Deutschland und Europa gewarnt. Vor allem bei den nachwachsenden Generationen seien sowohl ein mangelndes historisches Wissen als auch eine fehlende Empathie mit den Opfern der Shoah festzustellen, erklärte Schuster aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar. Dies führe zu Gleichgültigkeit. Der Zentralrat beobachte mit großer Sorge, wie Rechtspopulisten diese Situation ausnutzten. Schuster sprach sich dafür aus, vor allem Schülern einen emotionalen Zugang zum historischen Geschehen zu ermöglichen. Am 27. Januar 1945 war das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden.

24.01.2019 15:06 Dieter 129

Es gibt klar erkennbare äußere Unterschiede bei durchschnittlichen Menschen aus China, Jamaica, Schweden, Monoglei etc. Zur Bezeichung der entsprechenden Gruppen von Menschen war früher das Wort "Rasse" oder "Menschentypos" gebräuchlch. Also nochmal meine Frage: Was ist die korrekte Bezeichnung heute?
Die heutigen Veränderungen von sprachlich eingebürgerten Worten ist in der Mehrzahl der Fälle sinnlos, weil diese Worte nichts an Sachverhalten und den entsprechenden Charakteristika der Menschen ändern.

[Sehr geehrter Nutzer,
die Frage ist, warum man diese Menschen gruppieren und zusammenfassen sollte, und damit eine größere Ähnlichkeit suggeriert, als tatsächlich vorhanden ist.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 13:53 Uwe 128

Die Geschichte mit diesem Heft ist ein sehr gutes Beispiel dafür das es für die politisch Korrekten inzwischen vollkommen egal ist was an Fakten gesagt wird. Es ist nur noch wichtig wie etwas gesagt wird und welche Worte genutzt werden. So braucht sich niemand mit Fakten oder Wahrheiten abgeben und es können die größten Schweinereien "durchgesetzt" werden. Auf Fakten braucht ja nicht mehr eingegangen werden und wird bereits seit langem nicht mehr eingegangen. Kritiker werden so perfekt mundtot gemacht.

[In diesem Fall sind die Fakten im Lehrbuch aus heutiger Sicht allerdings wissenschaftlich falsch. Die Einteilung der Menschen in biologische Rassen entspricht bereits seit einigen Jahren nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Und nur darum geht es hier. Und Sie pauschalisieren und gehen nicht auf Fakten ein, weil "Auf Fakten braucht ja nicht mehr eingegangen werden"?

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 12:58 Querdenker 127

Ein guter Artikel über das Thema „Menschenrassen“ ist finde:

siehe „spektrum Menschenrassen - Lexikon der Biologie - Spektrum der Wissenschaft“

Und auch die weiterführenden Links auf der Seite, die Begriffe näher erläutern.

Es gibt keine Menschenrassen, wir sind alles Trockennasenprimaten und durch den genetischen Flaschenhals gegangen und waren fast ausgerottet.

siehe „wiki Genetischer Flaschenhals“

Zitat: „Seinerzeit hätten demnach nur etwa 1000 bis 10.000 Individuen von Homo sapiens, größtenteils in Afrika, gelebt.“

Danach haben dann alle miteinander rumgemacht und wir sind alles Brüder und Schwestern. Unterschiedlich ist nicht die Hardware, sondern die Software.

24.01.2019 12:39 Ekki 126

Nr. 6 erinnere an gruene Marsmaennchen und unsere Verfassung das Grundgesetz Artikel 3 Absatz 3: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

24.01.2019 12:25 na so was 125

Bei noch keinen anderen Thema haben Sie, MDR.DE-Redaktion, so viele Kommentare mit Ihrer Meinung ergänzt. Meine Frage, warum haben Sie meinen Kommentar vom 23.01.2019 vergessen, zu veröffentlichen ? Aus Versehen oder mit Absicht ? Das hatten wir alles schon einmal in Deutschland, dass gewisse Fragen nicht beantwortet wurden. Sind wir in Deutschland schon wieder so weit? Da es bei mir nicht das erste Mal passiert ist, kann ich diese Frage nur mit "ja" beantworten. Es gibt unter Garantie noch mehrere Kommentatoren, die gleiches erlebt haben.

[Lieber na so was,
die Kommentare auf die geantwortet haben, hatten alle etwas mit dem Thema des Artikels zu tun. Ihr angesprochener Kommentar, und auch dieser, dagegen gar nicht. Stattdessen unterstellen Sie uns Zensur. Damit verstoßen Sie gegen die Netiquette. Gelöscht wird, was gegen unsere Netiquette verstößt, nicht mehr und nicht weniger. Wenn Ihnen das öfter passiert, können wir Ihnen nur empfehlen, sich nochmals mit den Kommentarregeln vertraut zu machen: https://www.mdr.de/service/rechtliche-hinweise/artikel124572.html

Wenn Sie allgemeine Fragen haben, Kritik, Lob oder Vorschläge äußern möchten, haben Sie zahlreiche Möglichkeiten uns zu kontaktieren: https://www.mdr.de/unternehmen/organisation/kontakt/kontakt104.html
Die Kommentarspalte ist dabei nicht als Kommunikationsmöglichkeit vorgesehen. Deswegen beantworten wir auch nicht Ihre Fragen abseits des eigentlichen Themas.

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 12:13 INFO 124

Handbuch der Olympischen Spiele:
dass jede Farbe einen Kontinent repräsentiere: Blau für Europa, Gelb für Asien, Schwarz für Afrika, Grün für Australien sowie Rot für Amerika.

ist das2019 noch korrekt

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 11:55 Querdenker 123

Zitat: „... "Menschenrassen" bis 2004 im Lehrplan“

Wie kann das sein, wenn doch mindestens bis 2013 entsprechende Schulbücher für ganz Deutschland gedruckt wurden?

siehe „sueddeutsche Verlagsgruppe Westermann: Rassismus-Vorwürfe gegen Schulbuch“

Zitat: „Begriffe wie "Negrid", "Mulatte" und "Rasse" werden ganz unbefangen benutzt.“

Zitat: „In ganz Deutschland greifen Lehrer im Fach Geografie zu den Büchern des Verlages und lassen ihre Schüler Aufgaben aus diesen bearbeiten. … … dennoch in Schulbüchern des Jahres 2013 ihren Platz gefunden haben.“

Bedeutet das am Ende, dass Sachsen eigentlich sehr fortschrittlich war? Wenn die das schon 2004 nicht mehr im Lehrplan hatten?