Schacht Konrad Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll

Ein junger Mann macht mit dem Smartphone ein Selbstporträt und wird dabei fotografiert.
Bildrechte: MDR / Florian Zinner

Kommenden Montag wird es einen ersten Bericht geben über mögliche Standorte für ein Endlager mit hochradioaktivem Müll. Für schwach- und mittelradioaktiven Müll entsteht seit Jahrzehnten ein solches Lager in Salzgitter. Zeit für eine Besichtigung.

Olaf Lies (SPD), niedersächsischer Umweltminister, steht im Atomendlager Schacht Konrad im Schacht 2
Kritiker fordern eine Neubewertung von "Schacht Konrad". Bildrechte: dpa

850 Meter tief unter der Erde bohren sich die Bergleute der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) durch das Eisenerz. Alles ist voll mit rotem Eisenstaub, große Belüftungsrohre sorgen permanent für die notwendige kühle und saubere Luft.

Die Bergleute verbinden gerade die waagerechten Tunnel mit dem senkrechten Einfüllschacht. "Über diesen Schacht kommt der Abfall runter bis hierhin", zeigt Christian Islinger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der BGE im Team der Infostelle des Schachts Konrad. Vor Corona hat er fünf Tage die Woche Besucher durch das 30 Kilometer lange Tunnelsystem gefahren.

Müll aus konventioneller Nutzung von Kernenergie

"Hier fehlt jetzt noch unter uns der Ringschluss. Der statisch optimale Ausbau ist kreisrund. Wenn die im Schacht mit der Erweiterung fertig sind, dann wird hier der Ringschluss erzeugt", erzählt Islinger.

Der Übergang vom Einfüllschacht zu den Tunneln wird als kugelförmiger Raum gestaltet. Nach den Bohrungen kleiden die Arbeiter das alte Gestein mit zwei Schichten Beton aus. Ein Meter Streckenausbau hier unten kostet eine Million Euro. Die Baukosten des Endlagers liegen aktuell bei 4,2 Milliarden Euro.

Genehmigt wurde Konrad im Jahr 2002, Baubeginn war 2009 und fertig werden soll das Endlager 2027.

Der Müll wartet schon jetzt schon: "Etwa zwei Drittel der Abfälle, die hier eingelagert werden, stammen aus der konventionellen Nutzung der Kernergie: Arbeitskleidung, Filter, Werkzeuge, alles was während des Betriebs kontaminiert wurde. Es hat nichts mit den abgebrannten Brennelementen zu tun", betont Islinger. Es handle sich um alles, was beim Rückbau der Kernkraftwerke und bei den Landessammelstellen anfalle. Dazu komme, was Firmen und Medizin anlieferten.

Hunderttausende Jahre Stabilität durch Tongestein

Um die Außenwelt vor der radioaktiven Strahlung zu schützen, seien mehrere Schutzschichten geplant, erklärt Christian Islinger. Der Abfall sei in einem Fass, das Fass wiederum komme in einen Container. Der Container werde mit Beton ausgegossen, bevor er im Schacht Konrad in der Strecke gestapelt und die Strecke komplett mit Beton ausgegossen werde. Der dafür benötigte Beton werde vor Ort hergestellt, sagt Islinger.

Neben diesen technischen Blockaden soll die Geologie ihr übriges tun. Über der Erzschicht liegt wasserabweisendes Tongestein, dass hunderttausende Jahre Stabilität garantieren kann. Der Begriff Endlager sei wörtlich zu nehmen, sagt Islinger vor einem schwach beleuchteten Tunneleingang:

Wir sind hier an der letzten Ruhestätte für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall. An solchen Strecken endet die ganze Geschichte.

Christian Islinger, Bundesgesellschaft für Endlagerung

Kritiker fordern Neubewertung des Standorts

Übertage, außerhalb des Geländes, sehen Kritiker das anders. Sie fordern eine Neubewertung des Standortes, erzählt Carsten Kawka von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, einem Bündnis aus Bauern, Anwohnern- und Gewerkschaftern aus der Region.

Würde man den Standort noch mal nach dem heutigen Stand der Wissenschaft untersuchen, wäre Konrad nicht genehmigungsfähig. Die erste Inbetriebnahme sollte Ende der 80er Jahre stattfinden, jetzt wird es frühestens 2027."

Carsten Kawka, Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad

Unabhängig davon, wann der Müll eingelagert wird, sei jetzt schon klar, dass ein Lager nicht ausreiche, sagt Michael Lohse von der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Man brauche irgendwann ein weiteres Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Das könne man so deutlich sagen, betont Lohse.

2022 geht das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz. Das strahlende Vermächtnis wird uns noch eine Weile länger beschäftigen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2020 | 06:21 Uhr

4 Kommentare

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Also ich denke den Atommüll muss man schon national Endsorgen. Man kann das Zeug ja nicht um die halbe Welt transportieren. Das wären ja unkalkulierbar hohe Risiken.
Und dann kommt da noch die Frage.
Wer bezahlt das alles eigentlich?
Von den Kraftwerksbetreibern wird da nur ein symbolischer Betrag kommen. So viel an Rückstellungen haben die doch gar nicht. Darum muss man generell bei der Entsorgung des Atommülls darauf achten das da nicht billig vor sicher das Motto wird. Man sollte nicht vergessen das wir in Deutschland, und übrigens nicht nur in Deutschland, im Umkreis sämtlicher Atomanlagen einen signifikanten Anstieg der Krebsrate.

Rychlik vor 4 Wochen

geht bei Atommüll leider nicht - nur ganz wenige Lagerstätten können die gefährliche Strahlung absorbieren und ja man hätte vor Nutzung an Entsorgung denken müssen
wurde aber nicht und die damals Verantwortlichen leben nicht mehr; heute geht es um Schadensbegrenzung
die Sache könnten einzelne Staaten nicht mehr bewältigen, die UNO sollte mehr Kompetenz bekommen und weltweit nach geeigneten Orten forschen - ähnlich dem Saatgut in Norwegens Tiefkühlzone
nahe Murmansk sollen sowjetische Atom-U-Boote vor sich hin rosten, vllt. tickende Zeitbomben mit Langzeitschäden für Weltklima

Anni22 vor 4 Wochen

Das sehe ich anders, jedes Land sollte allen! Müll den es verursacht auch im Land entsorgen. Das wäre wirklich hilfreich!