Für Artenvielfalt und Klimaschutz im Vorgarten Mitteldeutsche Kommunen machen gegen Schottergärten mobil

Schottergärten sollen künftig nicht mehr erlaubt sein. Möglich werden soll das durch die Änderung kommunaler Satzungen. Dies fordern Kommunalpolitiker mitteldeutscher Städte. Bisher mit unterschiedlichem Erfolg.

Mehrere kleine Bäume und Sträucher wachsen in einem Schottergarten.
Schottergärten: Von Eigenheimbesitzern geschätzt, von Umweltschützern angeprangert als ökologischer Totalausfall. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Was bringt ein Verbot?

Jürgen Kasek ist umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Leipziger Stadtrat. Was gegen Schottergärten spricht, liegt für ihn auf der Hand: "Punkt eins: Wir brauchen mehr Grün für Insekten. Punkt zwei: Steine erhitzen sich deutlich stärker als Grün. Das führt dazu, dass sich Siedlungen mit Schottergärten deutlich stärker erhitzen. Punkt drei ist das Wasserproblem: Die Steine sind versiegelt. Wenn Wasser kommt, kann es nicht in den Boden einsickern, sondern wird in die Kanalisation geführt. Damit geht es dem Ökosystem verloren."

Jürgen Kasek
Jürgen Kasek ist umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Leipziger Stadtrat. Er ist für ein Verbot von Schottergärten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leipzig: Stadtverwaltung gegen neue Vorgartensatzung

Zwar könnten Kommunen in Bebauungsplänen Schottergärten ausschließen. B-Pläne werden allerdings nicht überall aufgestellt. Daher haben die Grünen einen Antrag im Stadtrat eingebracht. Ihr Ziel: die Vorgartensatzung ändern und Schottergärten künftig prinzipiell verbieten. Eine neue Satzung lehnt die Stadtverwaltung jedoch ab. Begründung: Die bisherige Reglung schließe Schotterflächen bereits aus. Dort heißt es nämlich unter Paragraph 2: Vorgärten sind gärtnerisch anzulegen und zu unterhalten.

Gesetzliche Reglungen zu ungenau

Die Begründung der Verwaltung will Jürgen Kasek so nicht gelten lassen: "Die Verwaltung sagt, es ist ja schon geregelt und damit eigentlich verboten. Obwohl sie das so sagt, gibt es aber die Schottergärten. Das Problem besteht darin, dass die gesetzlichen Grundlagen zu schwammig sind." Er setzt auf das Gespräch mit den anderen Fraktionen, bevor er den Antrag zur Abstimmung bringen will.

Bisher haben sich nur drei Fraktionen aus dem Leipziger Stadtrat geäußert. Michael Neuhaus, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion, erklärt dazu: "Zielführender wäre es, geltende Regelungen endlich konsequent umzusetzen. Eine eigenständige Kontrolle und Ahndung erfolgten aktuell nämlich nicht." Ähnlich äußert sich die Fraktion Freibeuter. Die CDU-Fraktion befindet sich nach eigenen Angaben noch in der Diskussion.

Schottergarten
Platz für viel Grün ist hier nicht mehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erfurt: Zukünftiges Verbot wahrscheinlich

Laut Wählervereinigung "Mehrwertstadt" stehen in Erfurt die Zeichen für ein Verbot von Schottergärten gut. Auch ihre Stadtratsfraktion hat eine Änderung der Begrünungsatzung beantragt. Dazu Jana Rötsch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende: "Wir rechnen Ende September mit der Entscheidung, dass die Begrünungsatzung geändert wird. Im Vorfeld gab es konstruktive Gespräche mit anderen Fraktionen und auch der Stadtverwaltung. Da ist uns durchaus Goodwill signalisiert worden, so dass wir wirklich sehr hoffnungsvoll sind."

Finanzielle Anreize zum Rückbau

Klar ist allerdings auch: Bisherige Schottergärten genießen weiterhin Bestandsschutz. "Die zukünftige Begrünungsatzung wird es nicht hergeben, dass ein Rückbau gefordert wird", versichert Jana Rötsch. Zwar befürworte sie prinzipiell den Rückbau alter Schotterflächen, sehe dabei jedoch die Stadt Erfurt in der Pflicht. Hier müssten den Bürgerinnen und Bürgern finanzielle Anreize oder beispielsweise Kurse angeboten werden.

Jana Rötsch
Jana Rötsch ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Wählervereinigung "Mehrwertstadt" Erfurt. Auch sie zieht eine negative Bilanz für Schottergärten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Magdeburg: Weniger Schotter in Neubaugebieten

Bereits abgestimmt zur Vermeidung von Schottergärten hat der Stadtrat in Magdeburg. In der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt setzt man allerdings auf die kleinere Lösung. Versiegelte Schottergärten sollen zunächst nur in neuen Bebauungsplänen für Wohngebiete eingeschränkt werden. Künftig soll gelten, dass nicht überbaubare Grundstücksflächen und insbesondere Vorgärten zu mindestens 80 Prozent aus unversiegelter Vegetationsfläche bestehen müssen.

Landesbauordnung kann neue Satzung ermöglichen

Weitere Möglichkeiten erhofft man sich durch die geplante Novellierung der Landesbauordnung. In ihr soll eine neue Reglung zur Begrünung von baulichen Anlagen eingefügt werden. Kommt dieser neue Punkt, könnte auch Magdeburg mit einer neuen Vorgartensatzung nachziehen. Pluspunkt: Die Satzung würde dann auch im unbeplanten Innenbereich greifen.

Schottergarten an modernem Wohnhaus. 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umschau Di 01.09.2020 20:15Uhr 09:33 min

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Baden-Württemberg hat es vorgemacht

Als erstes Bundesland hatte Baden-Württemberg Schottergärten für die Zukunft verboten. Eine Änderung des Landesnaturschutzgesetzes machte dies möglich. Aktuell ist noch offen, ob auch bestehende Flächen zurückgebaut werden müssen.

Was sind Schottergärten? Im allgemeinen Sprachgebrauch meint Schottergarten eine Gartenfläche, die mit vielen Steinen und eher wenig Pflanzen gestaltet ist. Damit hebt sie sich ab vom klassischen Stein- oder Kiesgarten, der auf eine eher üppige Vegetation setzt. Die Steine werden auf einem Unkrautvlies oder einer Folie aufgeschüttet, die auf dem Boden ausgelegt werden. So bleiben Erde und Gestein getrennt. Durch ihre Lichtundurchlässigkeit lassen Vlies oder Folie von unten keinen Bewuchs zu.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 01. September 2020 | 20:15 Uhr