Handy in einer Schulfedertasche
Für das Versenden von schülerbezogenen Daten ist neue Software nötig, meint Datenschützer Hasse. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Alternative zu WhatsApp Datenschützer fordert Schul-App zur Kommunikation von Lehrern

WhatsApp wird auch an Schulen genutzt, auch Lehrer kommunizieren mit dem Messenger. Doch unter Umständen ist es rechtswidrig, über WhatsApp schülerbezogene Daten zu verschicken. Deswegen fordert Thüringens Top-Datenschützer eine eigene Schul-App. Für eine sichere Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. Das Bildungsministerium hat aber erst einmal andere Pläne: Zunächst sollen alle Lehrer an staatlichen Schulen Dienst-E-Mail-Adressen bekommen.

von Lily Meyer, Landeskorrespondent Thüringen MDR AKTUELL

Handy in einer Schulfedertasche
Für das Versenden von schülerbezogenen Daten ist neue Software nötig, meint Datenschützer Hasse. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Eine Weile sei WhatsApp auch an ihrer Schule genutzt worden, erzählt Cornelia Schäfer. Sie ist die Schulleiterin der evangelischen Grundschule in Erfurt. Dass sich Eltern und Lehrer nicht mehr über den Messenger-Dienst austauschen, hängt auch, aber nicht nur mit dem Datenschutz zusammen.

Facebook und WhatsApp Verknüpfungen
Klassische Messenger sind für die Kommunikation in der Schule bedenklich. Bildrechte: dpa

WhatsApp lasse Kommunikation ohne Denken zu, sagt Schäfer. "Es gibt da Äußerungen in den unterschiedlichen Gruppen, die würde ich nicht tätigen, wenn ich mit einem anderem vis-à-vis kommuniziere oder wenn ich mir die Mühe machen müsste, ihm eine E-Mail zu schreiben." Deswegen sei das Bewusstsein gereift, dass WhatsApp einfach kein sicheres Medium sei.

Datenschutz bei WhatsApp bedenklich

Dem kann Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse nur zustimmen:

Mann mit Hemd hält einen Vortrag gestikuliert dabei mit seinen Armen und Händen.
Lutz Hasse Bildrechte: MDR/Sascha Richter

WhatsApp liest die Telefonlisten aus, auch von Nicht-WhatsAppern, und übermittelt sie an Server in den USA. Und diejenigen, deren Daten da aus der Telefonliste ausgelesen werden, haben dazu nicht ihre Einwilligung erteilt. Und mangels Einwilligung ist das dann rechtswidrig.

Lutz Hasse Datenschutzbeauftragter Thüringen

Der Besitzer des Smartphones, der die Telefonlisten ausliest, sei verantwortlich für die Datenübertragung, fügt der Datenschützer hinzu. Hasse befürchtet, dass ein Großteil der Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern trotzdem über WhatsApp läuft.

Schul-App könnte Datenschutz gewährleisten

Der Bedarf auch auf digitalem Wege miteinander zu kommunizieren ist da, aber die Alternativen fehlen. Denkbar, aber nicht so einfach, wäre eine Schul-App, die sich Lehrer und Lehrerinnen auf ihrem Smartphone installieren könnten, meint Hasse.

"Die interagiert ja möglicherweise mit den bereits vorhandenen Apps auf dem Smartphone." Auch da würden Daten möglicherweise hin und her und aus dem Smartphone fließen. Deswegen brauche man Software, die so geschützt sei, dass diese Interaktion eben nicht stattfinde, meint Hasse. Und das sei kompliziert.

Datenschützer fordert TÜV für Apps

Das Problem: Die Datenschützer können eine App erst unter die Lupe nehmen, wenn sie bereits auf dem Markt ist. "Ich fänd‘s gut, dass ein Hersteller sich die App zertifizieren lassen muss, dass sie datenschutzrechtskonform arbeitet, bevor er sie auf den Markt bringt", meint Hasse. Ihm schwebt eine Art TÜV für Apps vor.

So etwas gibt es im Moment nicht, erstaunlicherweise. Alles andere in Deutschland muss ja genehmigt und zertifiziert sein. Bei Apps ist das leider nicht so.

Lutz Hasse Datenschützer

Bildungsministerium führt E-Mail-Adressen für Lehrer ein

Helmut Holter, Präsident der Kultusministerkonferenz, spricht bei der Vorstellung des  OECD-Berichts ''Bildung auf einen Blick 2018''.
"Erstmal E-Mail-Adressen für Lehrer." - Bildungsminister Helmut Holter. Bildrechte: dpa

Einfacher und unkomplizierter wäre es, wenn jeder Lehrer sein eigenes Diensttelefon bekommen würde, auf dem eine mögliche Schul-App nicht auf andere Daten zugreifen könnte. Das sei im Moment nicht geplant, sagt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Auch ein eigener Messenger-Dienst sei seitens des Bildungsministeriums nicht vorgesehen. Stattdessen soll es noch in diesem Jahr E-Mail-Adressen für Lehrer geben.

Doch diese Dienst-E-Mail-Adressen seien ausschließlich für staatliche Schulen vorgesehen, erklärt Holter. Es gehe um einen Account auf einem Server, der an das Datensystem des Freistaats angeschlossen sei. "Das geht wirklich nur innerhalb unseres eigenen Datenraums, den der Freistaat da anbietet", erklärt Holter.

Die evangelische Grundschule in Erfurt hätte also nichts davon. Kein Problem für Schulleiterin Schäfer und ihre Kollegen – sie haben bereits jeweils eine eigene Dienst-E-Mail-Adresse.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2019 | 06:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

09.07.2019 12:22 Anton 4

Extra App für Lehrer. Noch eine für Polizei. Dann noch eine für Tischler.... Und für Becker eine... Und für alles wird natürlich Bürger zahlen... Komisch: Lehrer gab es immer, und bis heute lebten sie ohne App. Trotzdem gab es Unterricht... Kaum zu glauben?

09.07.2019 11:52 Atze 3

Komisch, in den NL klappt das alles schon eine gefühlte Ewigkeit und die verbalen Einschätzungen sind dort viel viel umfangreicher und für einzelne Fächer!!!!!!! Wir sind hinterm Mond, Herr Piwartz .MfG

09.07.2019 10:36 Leepzscher 2

Die sichere Anwendung heißt LERNSAX. Wird in Sachsen gwnutzt5

09.07.2019 10:20 Saraswati 1

Es gibt keine Alternativen ? Warum das Fahrrad nochmal erfinden ? Es gibt Threema - sicher und genau so gut wie WhatsApp. Ja, es kostet wahnsinnige 2,99 € - einmalig ! Aber da kommt wieder die Trägheit zu Wechseln - lieber wird jahrelang an einer neuen (sicheren ?) App gearbeitet ...