Sachsen-Anhalt Hängepartie um EU-Fördergelder für Schulsozialarbeiter

Schulsozialarbeiter sind zur Stelle, wenn Schüler gemobbt werden. Sie machen Anti-Rassismus-Projekte und organisieren Spiele-AGs für den Nachmittag. Neben den Lehrern sind sie ein wichtiger Bestandteil an den Schulen. Doch ihre Finanzierung steht immer wieder auf wackligen Füßen. Derzeit ist das in Sachsen-Anhalt der Fall.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

In Sachsen-Anhalt hängen 400 Schulsozialarbeiter-Stellen davon ab, dass Fördergelder aus der Europäischen Union fließen. Doch momentan fließt noch nichts. Bedeutet: Die Schulsozialarbeiter haben seit drei Monaten nur Übergangsverträge bis Ende Oktober.

MDR AKTUELL hat mit mehreren Schulsozialarbeitern gesprochen. Öffentlich äußern möchte sich keiner – aus Angst davor, keinen neuen Vertrag zu bekommen.

Kein Geld, keine Verträge

Dafür redet Schulleiter Henrik Amende. In seiner Sekundarschule in Leuna bangt er derzeit um seine einzige Schulsozialarbeiterin.

Da wir personell unterbesetzt sind, können wir diese Arbeit über Lehrer nicht abfangen. Das geht gar nicht.

Henrik Amende, Schulleiter

Die Mittel für die Schulsozialarbeiter seien wohl bereitgestellt, aber die Träger hätten noch keine entsprechenden Bescheide, sagt Amende. "Und die Träger können und wollen keine Arbeitsverträge ausstellen, wenn sie die Mittel nicht haben."

Diese Träger wiederum sind nicht die Schulen, sondern soziale Einrichtungen wie die Arbeiterwohlfahrt oder die Volkssolidarität. Sie sind die Arbeitgeber der Schulsozialarbeiter. Beide sind abhängig vom Geld der EU.

Hängepartie um die Fördergelder

Das Paradoxe: Die EU hat das Geld zwar bewilligt, aber seit Monaten noch nicht ausgezahlt. Die EU-Verwaltungsbehörde hat im Sommer die Förderrichtlinien verändert. In der Folge musste der Verteil-Schlüssel neuberechnet werden. Und das hieß: Auszahlungs-Stopp.

Stefan Thurmann, Sprecher im Bildungsministerium von Sachsen-Anhalt, erklärt: "Wir mussten warten, bis alle Probleme ausgeräumt sind, damit wir es an die Träger ausreichen können. Wir rechnen damit, dass die Träger bis Ende Oktober auf die Mittel zugreifen können."

Befristete Arbeitsverträge sind unattraktiv

Bangen um Projektgelder – das ist die Konsequenz, wenn Schulsozialarbeiter befristet für jeweils zwei Jahre an einer Schule arbeiten. Das hält nicht jeder aus. Sylke Hartmann leitet eine Grundschule in Landsberg. Im Schnitt muss sie wegen der Befristungspraxis alle zwei Jahre nach einer neuen Schulsoziarbeiterin suchen, weil anderswo unbefristete Stellen warten. Ein Teufelskreis.

Momentan hofft Sylke Hartmann, dass ihre aktuelle Schulsozialarbeiterin die Hängepartie aushält. Neue zu finden, sei nämlich schwierig. "Da gehört ganz viel Vorarbeit dazu, weil gerade Grundschüler lange brauchen, um Vertrauen zu fassen und sich zu öffnen. All das, was in einem Jahr aufgebaut wurde, würde mit einem mal wieder wegfallen."

Lehrer fordern dauerhafte Finanzierung

Schulleiter Henrik Amende und Sylke Hartmann haben daher einen Wunsch: Eine dauerhafte Finanzierung der Schulsozialarbeit durch das Land. Das würde 28 Millionen Euro pro Jahr kosten. Für Sachsen-Anhalt sei das nicht mal eben so zu stemmen, heißt es dazu aus dem Bildungsministerium. Bis 2020 wird jetzt also erstmal EU-Geld fließen. Danach geht die Hängepartie um die Fördergelder wieder von vorne los.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Oktober 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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15 Kommentare

21.10.2018 03:36 CDU Wählerin 15

Der parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, Robert Farle, hat einen Mitarbeiter der Identitären Bewegung (IB) eingestellt. Der Rechtsextremist schreibt Pressetexte für AfD

20.10.2018 06:12 Frührentner 14

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit in der Schule, das ist ein Arbeitsfeld innerhalb eines weitgefassten Konzepts lebensweltorientierter Sozialer Arbeit. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ist das allgemeine Programm einer Sozialen Arbeit, die sich in vielfältigen Modellen und Ansätzen in den letzten Jahren entwickelt hat. Lebensweltorientierung als Programm trifft, so scheint es, einen breit- und vielgliedrigen Strom neuerer, progressiver Entwicklungen in der Umgestaltung von Lern-, Unterstützungs- und Hilfsangeboten in unserer Gesellschaft. Vorrangig nämlich muß man vom Lebensraum Schule, von den vielfältigen, unterschiedlichen und eigensinnigen Möglichkeiten des Lebens reden, auch von den Gefahren der Missverständnisse und Unterstellungen, vor allem auch der pädagogisierenden Unterstellungen, die in unserer Gesellschaft gegeben sind. Trotz dieser Missverständnisse gibt es notwendige Aufgaben einer Sozialen Arbeit mit den Menschen, die in Schwierigkeiten und in Nöten sind.

19.10.2018 15:28 Fragender Rentner 13

@Batisto zu 9

Natürlich war damals auch nicht alles nur schön nur was heute so los ist, diesen Mist hatten wir nicht.

Wie es scheint wird es überhaupt nicht besser eher schlechter in der nächsten Zeit !!!

Gab es solche Worte überhaupt zu der Zeit im Duden und wenn ja, dann brauchte man die nicht.

19.10.2018 14:54 Achneeee 12

Sozialarbeiter sind künftig Elternersatz für Schüler. Im Kindergarten und Krippe ( ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich etwas benenne) sind es die Erzieher. Es gibt für alles Ersatz, wenn es die Eltern nicht mehr hinkriegen und , oder entmündigt werden.
Profis müssen her, die dann die Eltern natürlich auch bezahlen, oder bezahlen müssen.

19.10.2018 13:38 Atheist aus Mangel an Beweisen 11

Oje, ist es nicht möglich zu sagen das man früher mit einer Lehrerin und einer ebenso gut ausgebildeten Hortnerin für Hausaufgaben,ausgekommen ist?
Ist es nicht möglich, zu fragen warum man Sozialarbeiter und sonstige in der Schule braucht?
Ist es nicht mal mehr möglich zu sagen das für die Erziehung nicht Sozialarbeiter sondern die Eltern verantwortlich sind?
Ich bereue immer und immer wieder 89 auf die Straße gegangen zu sein.
Meinen Enkel hätte ich das heutige Schulsystem gerne erspart!

19.10.2018 12:53 HERBERT WALLASCH, Pirna 10

Warum muß dies die EU bezahlen, alles im EU-Maßstab denken und planen, so vermeidet man die läßtigen Detailfragen, auf die es im Endeffekt ja ankommt. Der größte Teil der Altbundesbürger wollen ja auch keine Deutschen sein, sondern nur z.Bsp. Hessen und Europäer. Typisch Bundesdeutsch, öffentlich höchste moralische Ansprüche stellen und fordern, aber nicht die Handlungsweisen den Gegebenheite anpassen wollen. Ausführungsbestimmungen und Gesetzesvorlagen bundesweit einheitlich gestalten, würde Kompetenzrangeleien geben, festgefahrene Strukturen aufbrechen und den eigenen Posten gefährten. Der Staat ist unfähig zu reagieren, agiert nur und man soll dieses noch als absoluten, einzigen Fortschritt wahrnehmen.

19.10.2018 12:38 Batisto 9

@Fragender Rentner

Sie hätten sich nicht gewünscht, dass ein Mensch sich für Sie Zeit nimmt, Ihnen zuhört und Sie in schulischen oder privaten Dingen unterstützt? Bei Ihnen war immer alles "Tip top" u sie brauchten nie Hilfe? Soziale Arbeit gibt es wirklich in vielen unterschiedlichen Ausprägungen, aber "Mist" ist es garantiert nicht!

19.10.2018 11:34 Atheist aus Mangel an Beweisen 8

Früher reichte eine Lehrerin und eine ebenso gut ausgebildete Hortnerin für die Hausaufgaben.
Heute müssen es Sozialarbeiter, Mobbingberater, Demokratieberater und sonst noch was sein.
Erziehen sollten die Eltern und nicht der Staat!

19.10.2018 10:37 Fragender Rentner 7

So einen Mist hatten wir früher nicht gebraucht in der Schule und anderswo !!!

Wo haben die Deutschland nur hingebracht ???

19.10.2018 09:48 Jakob 6

Soviel auch zum Thema "befristete Beschäftigungsverhältnisse". Einer der großen Befrister ist der Staat selbst - und er schämt sich nicht einmal, die Verantwortung dafür der EU in die Schuhe zu schieben. Im Ergebnis wäre das ein hervorragendes Thema für den nächsten Wahlkampf: Welche Regierung bekommt es hin, das Schulwesen dauerhaft und auskömmlich zu finanzieren. Wer das nicht schafft, sollte abgewählt werden.