Stempel "Wegen Lehrermangels nicht unterrichtet" in einem Zeugnis
Obwohl mehr Lehrer – darunter zahlreiche Seiteneinsteiger – eingestellt wurden, bleibt das Problem des Lehrermangels bestehen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Schulsystem in Schwierigkeiten Mehr Lehrer in Mitteldeutschland – aber nicht genug

Im deutschen Bildungssystem fehlen die Lehrer. Das zeigt sich auch in Mitteldeutschland. Zwar können Seiteneinsteiger die Lücke kleiner machen, doch schließen können sie sie bisher nicht.

von Raja Kraus und Danny Voigtländer

Stempel "Wegen Lehrermangels nicht unterrichtet" in einem Zeugnis
Obwohl mehr Lehrer – darunter zahlreiche Seiteneinsteiger – eingestellt wurden, bleibt das Problem des Lehrermangels bestehen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Die Zahl der Lehrer-Einstellungen in Mitteldeutschland ist im laufenden Jahr 2019 deutlich gestiegen. Das zeigen die Zahlen der Kultusministerien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die das MDR-Magazin "Umschau" abgefragt hat. In Thüringen etwa gab es bis einschließlich Oktober 1.053 neu besetzte Vollzeit-Stellen. Gegenüber 2016 ist das eine Steigerung um 111 Prozent. Sachsen-Anhalt konnte im laufenden Jahr 823 Vollzeit-Stellen neu besetzen und steigert sich somit gegenüber 2016 um 27 Prozent. Sachsen kommt bisher auf 1.610 neue Vollzeit-Stellen, was einer Steigerung gegenüber 2016 von 15 Prozent entspricht. Teilzeitstellen wurden dabei in Vollzeit-Äquivalente umgerechnet. Trotz des Anstiegs an Neueinstellungen sind in Mitteldeutschland nach wie vor hunderte ausgeschriebene Lehrerstellen unbesetzt.

Viele Seiteneinsteiger

Grundschullehrerin unterrichtet eine Klasse
Bildrechte: imago images / Sven Simon

Eingestellt wurden nicht nur ausgebildete Lehrkräfte, sondern auch viele Seiteneinsteiger. In Thüringen betrug der Anteil von Seiteneinsteigern von Januar bis Juli 2019 sechs Prozent, in Sachsen-Anhalt zum Schuljahresbeginn 39 Prozent. In Sachsen beträgt der Seiteneinsteigeranteil nach Angaben des hiesigen Kultusministeriums etwa zwanzig Prozent und sei damit gesunken.

"Keine vorausschauende Politik gemacht "

"Wenn man sich die Daten der letzten Jahre anguckt, dann wird ganz deutlich, dass der Lehrerbedarf nur dadurch gedeckt werden kann, dass Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden, die zunächst erstmal keine Ausbildung als Lehrerinnen und Lehrer mitbringen", sagte Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen, der "Umschau". Die Zahl der Seiteneinsteiger sei ein Beleg dafür, dass man in früheren Jahren keine vorausschauende Politik gemacht habe. Der hohe Anteil an Seiteneinsteigern bedeute zudem eine zusätzliche Belastung für ältere Lehrkräfte, die die Neuen einlernen und ihre Stunden vertreten müssen, wenn diese an der Uni seien. Dass sich die Situation in diesem Jahr insgesamt etwas verbessert, liegt nach Ansicht von Kruse nicht nur an diversen Programmen, die aufgelegt wurden: "Es liegt vor allem auch daran, dass man die Stundentafel kräftig gekürzt hat."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 12. November 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 13:45 Uhr