Ein Gast der Wahlparty der SPD hält am 24.09.2017 in Berlin nach der Veröffentlichung der ersten Prognosen zum Ausgang der Bundestagswahl 2017 ein Schild mit der Aufschrift "No more Groko"
Soll die SPD wieder in eine GroKo gehen oder doch lieber nicht? Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt Wie tickt die SPD-Basis vor dem Landesparteitag?

Am Freitagabend beginnt in Wernigerode der SPD-Landesparteitag. Neben den obligatorischen Vorstandswahlen und Anträgen wird das Treffen auch von der Bundespolitik überschattet: GroKo oder No Groko? Diese Frage steht angesichts der Sondierungsgespräche für alle SPD-Mitglieder im Raum. Aber wie steht die Basis in Sachsen-Anhalt dazu? Und was bewegt sie außerdem?

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Ein Gast der Wahlparty der SPD hält am 24.09.2017 in Berlin nach der Veröffentlichung der ersten Prognosen zum Ausgang der Bundestagswahl 2017 ein Schild mit der Aufschrift "No more Groko"
Soll die SPD wieder in eine GroKo gehen oder doch lieber nicht? Bildrechte: dpa

Roger Stöcker steht vor dem SPD-Büro in Staßfurt-Nord und raucht eine Zigarette. Er ist 33, trägt Lederschuhe, Hemd und Hornbrille. Zu DDR-Zeiten habe das Rundfunkkombinat hier Fernseher und Radios hergestellt, erzählt der SPD-Kreisvorsitzende: "Das war ein Riesenhochhaus, das stand da vorne. 3.500 Menschen haben hier gearbeitet. Nach der Wende wurde es, von heute auf morgen, treuhändisch verwaltet. Ich glaube, erst hatte Nokia den Zugriff drauf und heute sitzt Techni-Sat da. Aber können Sie sich ja vorstellen, dass in dem Gebäude da keine 3.500 Leute mehr arbeiten? Das ist extrem zurückgefahren. Das war für die Region der zweite Schlag ins Kontor." Der erste sei im Salzlandkreis der zurückgehende Handel mit dem Salz gewesen. Bis heute liegt die Arbeitslosenquote über dem Landesdurchschnitt.

Einige stehen zu GroKo im Bund

Stöcker macht sich auf den Weg zum Staßfurter Rathaus. Dort sitzt der erste SPD-Oberbürgermeister seit 85 Jahren, Sven Wagner. Der wünscht sich die SPD als Volkspartei zurück: "Da muss man eben zuhören und entsprechend natürlich sein Programm, ja, seine Entscheidungen danach ausrichten." Er bezeichnet sich selbst als GroKo-Verfechter. Auch Stöcker ist offen für eine Neuauflage, allerdings sehe die Mehrheit seiner Genossen im Kreis das anders.

SPD mitten im Erneuerungsprozess

Dass der Landesparteitag von der Diskussion überlagert wird, bezeichnet er als Katastrophe: "Das ist ein bundespolitisches Thema, was ohne Frage wichtig ist. Aber wir haben in Sachsen-Anhalt seit der verlorenen Landtagswahl und auch seit der Bundestagswahl, die nicht sonderlich gut war, einen enormen Bedarf eines Erneuerungsprozesses. Der ist in vollem Gange. Da wäre dieser Landesparteitag ein ganz wichtiges Element, um diese viele guten Ideen, die es gibt, auszudiskutieren."

Hohe Verluste bei Wählern

Bei den letzten Landtagswahlen verlor die SPD in Sachsen-Anhalt rund die Hälfte ihrer Stimmen, sie liegt bei 10,6 Prozent. Im Salzlandkreis sind es bei der Bundestagswahl zwar rund fünf Prozentpunkte mehr gewesen, aber das Direktmandat ging an die AfD. Bitter für Stöcker: "Ich fand den Wahlkampf viel zu abstrakt. Nicht konkret genug. Wir sind in der Ansprache nicht klar genug. Also, es braucht mehr Klartext." Nur von Gerechtigkeit zu reden, das reiche für die SPD nicht.

Ost-Fokus und mehr Abgrenzung

Stöcker wünscht sich Sozialdemokraten, die sich stärker abgrenzen. Im Fall Sachsen-Anhalt hieße das für ihn auch, auf Bundesebene mehr Aufmerksamkeit für den gesamten Osten zu bekommen: "Wir diskutieren gerade in eine falsche Richtung. Wir versuchen, die letzten Ost-Mittel zu streichen und den Soli abzuschaffen. Das ist völlig falsch. Ich glaube, es braucht weitere Aufbauprogramme für den Osten, um nachhaltige Strukturen zu schaffen."

Er wolle wieder mehr junge und gut ausgebildete Menschen in die Region holen, dafür müsse die Politik stärker lenken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2018 | 06:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 10:25 Uhr

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7 Kommentare

13.01.2018 11:01 Fragender Rentner 7

Wenn dies erst die Sondierung war, was soll da erst bei einem Koalitionsvertrag für die Bürger raus kommen? ;-(

Das hatten sie doch schon vorher geschrieben und was haben sie die ganze Zeit gemacht, Karten gespielt? :-(

Die sahen ja alle sehr "angespannt" aus nach 24 Std.?

Erwarte von den SPD-Mitgliedern eine Ablehnung.

12.01.2018 15:59 Fragender Rentner 6

Kann den Jusos und anderen aus der SPD-Basis nur zustimmen, wenn sie sich gegen diesen faulen Kompromis aussprechen und nicht für eine neue GroKo stimmen!

Laßt euch nicht einlullen!

Für dieses "Papier" haben sie sich tagelang hingesetzt! :-(

12.01.2018 12:20 Hor Es Te 5

Doch , doch die "Basis " wird schon wie bei der letzten BT Wahl einknicken.Es sind so viele die ihnen das begreiflich machen werden.So viele Bundesminister und andere die mit Merkel so lange gutes Geld verdient haben und an MACHT teilhaben durften.Und irgendwie wünsche ich mir das auch.Nochmal für vier Jahre GroKo ist auszuhalten und dann verschwindet die SPD mit unter 5 % und die CDU unter 20 % so das dann politisch endlich was NEUES entstehen muss.Vielleicht sogar etwas was politisch auf Deutschland und dann erst auf Europa,später auf die "Welt " gesteuert werden kann.Wenn ich meine Familie nehme , muß diese erst in Ordnung,finanziert,gelebt,geliebt werden damit ich meinem Nachbarn gut helfen kann.Und wenn ich meinen Nachbarn gut helfen kann , kann ich überlegen ob ich sogar im Nachbardorf/Stadt jemanden helfen kan ohne meine Familie ( Nachbarn ) zu gefährden.PUNKT

12.01.2018 09:38 sven 4

Warum kann der mutmaßliche Delegierte im Bild seine Botschaft nicht in arabisch aufschreiben?

12.01.2018 08:58 Mike 3

Man mag ja eine funktionsfähige Regierung beschwören - aber ich denke, wenn die Sozis das noch mal durchziehen, dann habne Sie das Ende einer großen Partei eingeläutet. Ihre Wählerbasis wird es nicht akzeptieren und die Zukunft zielt in Richtung FDP. Leider fördet man dadaurch auch die Rolle der Al...f...Du... Auch eine Minderheitsregierung kann funktionieren, wenn vernünftige Politik, für alle nachvollziehbar, gemacht wird. Aber wer will das schon insbesondere bei den sogenannten christlichen Parteien. Es geht um politische Posten, bekommt man sie nicht, ist alles nur Schall und Rauch - siehe Grüne.

12.01.2018 07:49 REXt-Merkel ist am Ende, Rücktritt! 2

Es ist zu hoffen, das wenigstens die Basis der SPD diese Groko noch verhindert, um der SPD wieder ein wenig Glaubwürdigkeit zurück zu bringen! Somit wäre Merkel endgültig erledigt, eine Neuauflage der CDU könnte beginnen!

12.01.2018 07:46 Axel 1

No Groko ist total lustig!

Man sollte eigentlich darauf wetten, in wieviel Tagen sich die SPD in eine neue GroKo drängen läßt. :-)