Das Karl-Marx-Denkmal des russischen Bildhauers Lew Kerbel, aufgenommen in Chemnitz
Wir wollten wissen, wie ansprechbar die vier Bundestagsabgeordneten bein einem spontanen Besuch sind. Bildrechte: imago/epd

Chemnitz Wie gut sind Bundespolitiker für ihre Wähler vor Ort erreichbar?

Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz hat nun endlich auch die Kanzlerin die Stadt besucht. Ihr Auftritt am Freitag wurde deutschlandweit beachtet. Aber wie nehmen die Bundestagsabgeordneten ihre Verantwortung für die Kommunikation mit den Bürgern wahr? Immerhin haben vier Parlamentarier ihre Büros in Chemnitz. Unsere Autorin hat ihnen einen unangekündigten Besuch abgestattet.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Das Karl-Marx-Denkmal des russischen Bildhauers Lew Kerbel, aufgenommen in Chemnitz
Wir wollten wissen, wie ansprechbar die vier Bundestagsabgeordneten bein einem spontanen Besuch sind. Bildrechte: imago/epd

Büro von Frank Müller-Rosentritt (FDP)

Mitten in der Chemnitzer Innenstadt, in der Rathauspassage ist es, das Büro des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Müller-Rosentritt. Zwischen Cafés und Reisebüros ist die Glastür mit Bundestagslogo. Dahinter sitzt Büroleiterin Julia Kieselstein. "Der Abgeordnete ist tatsächlich in wenigen Minuten da. Uns ist gerade ein Termin abgesagt worden. Wenn Sie möchten, können Sie dann nochmal mit ihm sprechen."

Feste Sprechstunden gibt es nicht. Wer spontan vorbeikommt, dem versucht Kieselstein zu helfen oder einen Termin mit dem Abgeordneten zu machen. Die Nachfrage ist groß. Die Planung reicht bis in den März.

Frank Müller-Rosentritt, FDP, und Büroleiterin Julia Kieselstein
Frank Müller-Rosentritt und Büroleiterin Julia Kieselstein Bildrechte: MDR/Constanze Hertel

Frank Müller-Rosentritt ist gerade angekommen. Er erklärt, worüber die Chemnitzer mit ihm sprechen wollen. Im Termin und auf der Straße. "Wie wir zum Thema Migrationspakt stehen, was wir für die Rente tun, was wir tun fürs schnelle Internet. Man wird quasi ständig angesprochen, weil natürlich jeder, der mich sieht, das Bedürfnis hat mir mitzuteilen, was verändert werden muss in diesem Land."

Das sei gut, setzt Müller-Rosentritt nach, weil er so immer auch erfahre, welche Themen er mit nach Berlin nehmen könnte.

Zufalls-Test unter Passanten

In der Innenstadt nachgefragt, scheint ihn aber kaum jemand auf Bildern zu erkennen. Allerdings auch fast keinen seiner Kollegen. "Den kenn ich ja, vom sehen her. Ich komm nicht auf den Namen." - Wissen Sie, wer dieser Mann ist? - "Nein. nein." - Ist das der Herr Heinrich? Bei der Heilsarmee war der immer mit." - "Ja, kenne ich, aber mehr weiß ich auch nicht."

Büro von Frank Heinrich (CDU)

Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten in Chemnitz
Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten in Chemnitz Bildrechte: MDR/Constanze Hertel

Frank Heinrichs Büro ist direkt am Markt. Heute ist der CDU-Abgeordnete allerdings nicht da. Zu seiner Arbeit in Berlin kommen häufig Dienstreisen hinzu.

Dennoch nehme sich Heinrich Zeit für die Chemnitzer, sagt Büroleiter Stefan Willi. "Zum Beispiel in einer Sitzungswoche, dass wir den Montagmorgen noch in Chemnitzer Terminen belegen, dann den Freitagabend bevorzugt mit größeren Foren, wo Herr Heinrich spricht oder mit Bürgern diskutiert. Auch das Wochenende ist nicht frei von Terminen."

Einmal im Monat gibt es außerdem eine Bürgersprechstunde im City Pub, zu der im Schnitt etwa sieben Chemnitzer kommen. Aktuell das wichtigste Thema: Migration. Auch in der monatlichen Telefonsprechstunde. Persönliche Termine zu vereinbaren sei kein Problem, meint Willi. Die Nachfrage aber eher gering.

Büro von Detlef Müller (SPD)

Detlef Müller, Bundestagsabgeordneter Chemnitz
Detlef Müller Bildrechte: MDR/Constanze Hertel

Anders ist das im Regionalbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Detlef Müller. 15 Anfragen pro Woche sind normal. Persönliche Gespräche klappen aber nicht immer.

"Man hat ja nur zwei Wochen im Monat normalerweise, die man im Wahlkreis ist. Da gibt es natürlich tausende Termine. Also wenn man mich gezielt antreffen will im Büro, sollte man einen Termin ausmachen. Und dann machen wir zwei Tage im Monat richtige Sprechtage, wo ich dann wirklich von früh um neun im Stundentag hier Bürger habe."

Büro von Michael Leutert (Linke)

Bundestagsabgeordneten-Büro die Linke, Chemnitz
Bundestagsabgeordneten-Büro "Die Linke" in Chemnitz Bildrechte: MDR/Constanze Hertel

Vierter Bundestagsabgeordneter aus Chemnitz ist Michael Leutert von der Linken. Mehrmals im Monat ist er im Chemnitzer Büro, regelmäßig lädt er auch zum sogenannten Linxxtreff.

Persönliche Gespräche gibt es aber nur über einen Termin. Dann nehme er sich auch mal zwei Stunden für einen Bürger Zeit, erklärt das Büro. Heute ist er selbst nicht da. Der Grund: Leutert ist wieder Vater geworden. Vorbeikommen geht trotzdem, die Wahlkreismitarbeiter sind für die Bürger da. Wer den Abgeordneten aber spontan erwischen möchte, für den gilt, wie in allen anderen Büros, das klappt nur mit viel Glück.

So erreichen Sie die Abgeordneten: Detlef Müller, MdB (SPD)
Bahnhofstraße 5, 09111 Chemnitz
Fon: 0371-66 60 54 40
Mail: detlef.mueller.wk@bundestag.de

Frank Heinrich, MdB (CDU)
Markt 4
09111 Chemnitz
Tel.: 0371-4952694
E-Mail: frank.heinrich.wk@bundestag.de
Sprechzeiten:
Happy Hour, ein Donnerstag im Monat im City Pub

Frank-Müller Rosentritt, MdB (FDP)
Jakobikirchplatz 2
09111 Chemnitz
Tel. 0371-66656944
E-Mail frank.mueller-rosentritt.wk@bundestag.de

Michael Leutert, MdB (Linke)
Wahlkreisbüro Chemnitz
Rosenplatz 4
09126 Chemnitz
Tel. 0371/4330116
Michael.leutert.ma01@bundestag.de

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2018 | 13:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 15:27 Uhr

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9 Kommentare

20.11.2018 11:21 Hans Frieder Leistner 9

Wenn man die Aussage der Frau, die das Video aufnahm, liest, ist es unfaßbar wie die Chemnitzer von den Medien - besonders TV - und Politikern aller Parteien in einen schlechten Ruf gebracht werden bzw. wurden. Wann kommt endlich die Wahrheit auf den Tisch?

20.11.2018 08:13 Gerhard 8

Unsere Abgeortneten sieht man nur in Aktion bei der Bevölkerung wenn wieder Wahlen anstehen , sonst sind sie in der Bevölkerung nicht zu sehen.
Die Meinungen der Bürger interessiert sie dann nicht mehr.

20.11.2018 06:45 Jacky 7

Afd Büro vergessen?

19.11.2018 22:12 Ellli 6

Wenn Seehofer recht hat ist die gestellte Frage bedeutungslos!

„Diejenigen, die entscheiden sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.“
Horst Seehofer

19.11.2018 21:39 Hans-Georg Schmidt 5

Frau Merkel hat doch nicht Chemnitz besucht,sondern eine Sportveranstaltung und dann eine Diskussionsrunde von ausgewählten Personen....das ist nicht Chemnitz! Vor den Bürgern
von Chemnitz wurde sie abgeschirmt!Was ist nur hier in diesem Land los,das ist ein Lacher,Frau Merkel!Wie stehen Sie nun zu dem Video ,in dem eine" Hetzjagd " stattgefunden haben soll,damals in Chemnitz?Nicht einmal haben Sie gefragt,welche wirklichen Hintergründe dieser Vorgang hatte!

19.11.2018 20:05 Montana 4

19.11.201816:53 Spottdrossel
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Sie sagen es.
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Überhaupt nicht. Punkt

19.11.2018 19:09 Klara Morgenrot 3

Wohl dem Menschen, der gerecht ist und keinen Götzen hat!
Der wird nicht zu Spott.
Verlachen läßt sich nur das Göttliche, Spottdrossel!

19.11.2018 18:40 Wolfgang Nawalny 2

Es ist schon seltsam, dass Frau Merkel erst jetzt in die Stadt kam.

Was verspricht sich die SPD eigentlich mit der Aktion in Chemnitz? Wie viele Mitglieder hat diese Partei hier noch?

Noch eine Frage zu dem einen allen bekannten Video auf dem eine Hetzjagd zu sehen gewesen sein soll. Wie ist der aktuelle Stand zur Glaubwürdigkeit dieser Quelle und der wahrhaftigen Aufnahmegründe dieser Sekundensequenz?

19.11.2018 16:53 Spottdrossel 1

Politiker kosten dem Steuerzahler eine ganze Menge Geld und sind meistens zu Nichts zu gebrauchen.