Geld liegt auf einem Hausplan
Auch in Markkleeberg steigen die Bodenpreise bereits seit Jahren. Bildrechte: Colourbox.de

Markkleeberg Wer verdient an steigenden Bodenpreisen?

Bezahlbares Wohnen – das ist eines der großen Themen für die Politik. Immobilien- und Mietpreise sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Gerade in den großen Städten sind die Preise mittlerweile astronomisch. Ein Grund dafür sind die steigenden Bodenpreise. Noch nie war Boden in Deutschland so teuer wie heute. So mancher Experte macht dafür auch die Städte und Kommunen mit verantwortlich. Wir haben dazu am Beispiel von Markkleeberg recherchiert.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Geld liegt auf einem Hausplan
Auch in Markkleeberg steigen die Bodenpreise bereits seit Jahren. Bildrechte: Colourbox.de

Markkleeberg ist eine Stadt mit 25.000 Einwohnern bei Leipzig. Zwei Seen hat die Region zu bieten, die Zahl der Arbeitslosen sinkt nach Angaben des Statistischen Bundesamts kontinuierlich.

Attraktives Bauland

Die Region hat also vieles, was sie bei Hausbauern beliebt macht. Das zeige sich auch an den Preisen für Bauland, sagt Thomas Scheithauer, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Bodenpreise beim Landkreis Leipzig. Die Preise für Bauland in Markkleeberg haben sich von 2010 bis zum Jahr 2016 um etwa 50 Prozent erhöht.

Als Beispiel dafür nennt Scheithauer den Cospudener See: Hier habe der Quadratmeter Bauplatz im Jahr 2010 noch 240 Euro gekostet, im Jahr 2016 dann schon 350 Euro. Zum Vergleich: Bundesweit lag der Anstieg bei 27 Prozent.

Mitschuld von Städten und Kommunen

André Schollbach, Sprecher für Kommunalpolitik in der Landtagsfraktion der Linken, sagt, an dieser Preissteigerung würden unter anderem Städte und Kommunen, die ihre Grundstücke an Höchstbietende verkaufen, eine Mitschuld tragen. Nach seinen Worten sind die Grundstücke das "Tafelsilber der Kommunen" und dürfen nicht einfach aus der Hand gegeben werden.

"Ein zweites, ganz schwerwiegendes Problem ergibt sich daraus, dass die Kommunen ihre Grundstücke zu Höchstpreisen verkaufen und somit selbst auch einen Beitrag zum Anheizen des Wohnungsmarktes leisten und damit zu steigenden Mieten beitragen", meint Schollbach, "und das ist keinesfalls im Interesse der Mieterinnen und Mieter."

Die Kommunen tragen zu steigenden Mieten bei.

André Schollbach, Landtagsfraktion Die Linke

Markkleeberg verteidigt sich

Daniel Kreusch hingegen, Sprecher der Stadt Markkleeberg, verteidigt das Vorgehen der Stadt. Hier wurden in den vergangenen drei Jahren 17 Grundstücke aus dem Besitz der Stadt an Höchstbietende verkauft.

Die Stadt müsse verantwortungsvoll mit Eigentum und Steuermitteln umgehen, sagt Kreusch. Deshalb sehe er keinen Grund, nicht an den Höchstbietenden zu verkaufen.

Keine rechtlichen Einwände

Damit folgt die Stadt der Verwaltungsvorschrift zur kommunalen Grundstücksveräußerung. Dort steht:

Gehen Kaufangebote ein, die den ermittelten Verkehrswert übersteigen, so ist der Zuschlag in der Regel dem meistbietenden Bewerber zu erteilen.

Verwaltungsvorschrift zur kommunalen Grundstücksveräußerung

Rechtlich ist man also auf der sicheren Seite. Und für die Preissteigerungen bei Bauland würden neben diesen Versteigerungen auch günstige Kredite sorgen und der Zuzug von Menschen in die Region Leipzig und Markkleeberg, heißt es aus dem Gutachterausschuss der Stadt Leipzig.  

Die Stadt Markkleeberg hat im vergangenen Jahr übrigens beschlossen, Grundstücke nur noch über das Erbbaurecht zu verpachten. Dabei pachten Interessenten das Grundstück für 90 Jahre, danach geht das Grundstück zurück an die Stadt. So habe man mehr Kontrolle über die Nutzung der Grundstücke, sagt Stadtsprecher Kreusch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

04.01.2019 20:30 Peter 8

@7: Der Letzte muss in Markkleeberg kein Grundstück kaufen. Es ist seine freie Entscheidung.
Wenn der Letzte in einem Eigenheim leben will, kann er ein paar Kilometer weiter draußen bauen. Da zahlt er zwei Drittel weniger als in Markkleeberg.

04.01.2019 13:20 kleinerfrontkaempfer 7

Fast alle verdienen daran: Steuern + Abgaben + Kredite + Baupreise. Schlecht wenn man der Letzte in der Kette ist. Aber so ist das halt marktwirtschaftlich so.
Wobei der Markt gerne vorgeschoben wird. Aber der macht gar nix. Menschen machen den Markt. Meist nach ihren Vorstellungen und Verlangen.

03.01.2019 20:06 konstanze 6

Anderes Thema ! Das es einen Anschlag auf den Bundesgerichtshof in Leipzig gegeben hat, ist dem mdr bekannt ?

[Sehr geehrte Nutzerin,
darüber berichteten wir hier: https://www.mdr.de/sachsen/silvesternacht-sachsen-randale-bgh-leipzig-explosion-pizzeria-100.html
Bitte bleiben Sie beim Thema, themenferne Kommentare schalten wir nicht frei.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

03.01.2019 18:05 augu 5

Wenn etwas rar wird, wie Bauland in oder am Rand von großen Städten, dann steigt sein Preis; bei jedem anderen verkauften Gut ( Nahrungsmittel nach Missernte, Antiquitäten etc.... ) eine akzeptierte Selbstverständlichkeit. Würden Kommunen für das von ihnen verkaufte Bauland eine Preisobergrenze festlegen, die beträchtlich unter dem aktuellen Marktpreis liegt, würde dies Korruption und Beziehungswirtschaft fördern. Will man einer bestimmten Bevölkerungsgruppe Vergünstigungen beim Bauen gewähren, so kann dies über staatliche Zuschüsse zum Baulanderwerb erfolgen(klar gesetzlich definiert, wer sie bekommen kann und wie hoch sie sind) ; Erbbaurecht ist eine weitere Möglichkeit, Bauland bezahlbar zu erwerben (Bodenspekulanten werden davon nicht Gebrauch machen.

03.01.2019 13:31 Zeitgeist 4

Die Bodenpreise sind aus meiner Sicht in bestimmten Regionen ohne jede Realität. Interessant wird es besonders bei der neuen Seenlandschaft, so wenn dann das steigende Grundwasser in die Häuser drückt. Es dauert noch eine Weile. Kommt das aber zeitgleich mit den Knall zur Immo - Blase dann wird es echt lustig.

03.01.2019 12:54 Part 3

Ein weiterer Aspekt sind die Mietspiegel in bundesdeutschen Städten, die sich nur nach den Preisen bei Neuvermietungen orientieren aber die Bestandsmieten, die sich seit Jahren nicht verändert haben, nicht berücksichtigen. Sozusagen eine politische gesteuerte Bestandserhebung zum Spekulieren beim Wohnraum, der sich natürlich auch auf Gebäudewerte und Bodenwerte auswirkt. Als vermeintlich sicheres Anlageobjekt könnten auch hier bei uns die Spekulationblase auf Immobilien bald platzen im zyklischen System der Geldentwertung.

03.01.2019 10:25 No Branding 2

Ist doch klar. Wenn es keine Zinsen gibt wird das Geld in Immobilien und Boden gepumpt. Dazu kommt noch die Urbanisierung. Ich glaube nicht dass dieses Problem auch den ländlichen Raum betrifft (mit Ausnahme von Ackerland!).

Interessant wird es erst wenn die ganze Blase platzt und es eine Regression zu Mitte gibt.

03.01.2019 09:16 Jakob 1

Welche seltsame Unlogik verbreitet dieser Herr von der Linken? Wenn jemand etwas zum Marktpreis verkauft, dann sorgt er damit dafür, dass der Marktpreis steigt? Es darf auf grundlegende Marktmechanismen verwiesen werden: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das knappe Angebot jedoch, das zu den "Höchstpreisen" führt, bestand schon vorher. Wenn eine Kommune Grundstücke veräußert, dann erhöht sie das Angebot und vermindert damit höchstens die Knappheit und die hohen Preise. Aber gut, wer den Markt für die Ausgeburt des Bösen hält, der will solche einfache Mathematik wahrscheinlich gar nicht hören. Und mich würde mal interessieren, was die Linke sagt, wenn Kommunen künftig unter Wert verkaufen und damit zu Lasten des Bürgers auf Einnahmen verzichten ...