Volker Gilga geht im nordhessischen Fritzlar an einer toten Kuh vorbei, die er zuvor angeliefert hat.
Bauern in Sachsen-Anhalt bekommen einen Zuschuss, wenn sie verendete Tiere in spezielle Beseitigungsanlagen bringen. Bildrechte: dpa

Verendete Tiere Streit um Förderung für Kadaverbeseitigung

Nicht jedes Nutztier landet beim Schlachter. Manche sterben schon vorher an Krankheiten. Die toten Tiere dürfen dann nicht mehr verarbeitet werden, sondern gehen an Tierkörperbeseitigungsanstalten. Bringt ein Bauer eine verendete Kuh, ein Schwein oder ein Pferd dorthin, erhält er in Sachsen-Anhalt einen Zuschuss. Doch die Grünen im Land wollen diese Förderung abschaffen. Das sorgt erneut für Streit in Sachsen-Anhalts Kenia-Koalition.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Volker Gilga geht im nordhessischen Fritzlar an einer toten Kuh vorbei, die er zuvor angeliefert hat.
Bauern in Sachsen-Anhalt bekommen einen Zuschuss, wenn sie verendete Tiere in spezielle Beseitigungsanlagen bringen. Bildrechte: dpa

Abdecker standen viele Jahrhunderte im Ansehen noch unter Huren und Henkern. Sie weideten verendete Tiere aus, verhökerten Haut und Knochen und wurden vom Volk gemieden. Heute ist Tierkörperbeseitigung eine Industrie. Mit modernen Anlagen produziert sie Tiermehl und Tierfett, das als Brennstoff genutzt wird.

Dass Bauern eine Förderung bekommen, wenn sie verendete Tiere dort abliefern, finden Sachsen-Anhalts Grüne unangemessen. Dorothea Frederking, Sprecherin für Agrarpolitik, sagt, es mache keinen Sinn, Steuergeld von jährlich 1,3 Millionen Euro für tote Tiere auszugeben. Es sei nicht nachvollziehbar, warum für die Einhaltung von Gesetzen Steuergeld gezahlt werden sollte. Zur Prävention von Seuchen gehöre es natürlich zur Pflicht der tierhaltenden Betriebe, dass Tierkadaver auch ordnungsgemäß entsorgt werden.

CDU befürchtet Nachlässigkeit bei der Entsorgung

Im nächsten Landeshaushalt wollen die Grünen den Posten deshalb streichen. Das sorgt für Kopfschütteln bei den Koalitionspartnern. Guido Heuer, agrarpolitischer Sprecher der CDU, findet, die Beseitigung verendeter Tiere sei im allgemeinen Interesse. Falle die Förderung weg, würde manches tote Tier womöglich nicht mehr fachgerecht entsorgt.

Wir befürchten in Anbetracht der drohenden Afrikanischen Schweinepest, die ja mittlerweile in Belgien, Tschechien und Polen grassiert, die illegale Entsorgung von Kadavern oder einfaches Verbuddeln.

Guido Heuer, agrarpolitischer Sprecher der CDU Sachsen-Anhalt

Heuer versteht die Förderung als Seuchenprävention. Doch die Grünen halten das für wenig plausibel. Dorothea Frederking behauptet, dass jeder Tierhalter und jede Tierhalterin, die etwas auf sich halte, die Tiere natürlich vernünftig entsorgen und nicht in  den nächsten Straßengraben werfen werde.

Bauern würden ohne Förderung zu stark belastet

Fragt man beim Landesbauernverband nach, beteuert dieser die Gesetzestreue seiner Mitglieder. Die Förderung will er trotzdem behalten, aus finanziellen Gründen. Die Beseitigung einer toten Kuh kann mehr als 100 Euro kosten. Fachreferentin Nele Kruse argumentiert, der Bauer bleibe schon auf seinen Ausgaben für Aufzucht und Futter sitzen. Wenn er künftig auch die Entsorgung des verendeten Tiers allein bezahlen müsse, belaste ihn das zu stark.

Im Moment gebe es eine Tiefpreisphase bei verschiedenen tierischen Produkten, erklärt Kruse weiter. Und mit dem Wegfall der Beihilfe zur Tierkörperbeseitigung kämen wieder erhöhte Kosten auf die Tierhalter hinzu, sodass die Rechnung irgendwann nicht mehr aufginge. Demzufolge müssten noch mehr Tierhalter ihren Betrieb wahrscheinlich aufgeben.

Kruse ergänzt, auch andere Bundesländer würden die Tierkörperbeseitigung fördern. So übernimmt das Land Sachsen ein Drittel der Kosten. In Thüringen geben nur die Landkreise etwas dazu. Mecklenburg Vorpommern zahlt hingegen nichts. Deutschland ist in dieser Hinsicht ein Flickenteppich. Nächste Woche diskutiert der Agrarausschuss erneut, wo sich Sachsen-Anhalt darin einordnen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2018, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

10.11.2018 11:53 Klarheit 8

@...Lobby ,7

---"..die Kritik daran für "witzig" halten. Anderseits passt das ausgezeichnet zum Gesamtzustand der Bildungslandschaft in SAH..."----,

anscheinend ist ihnen wohl entgangen das gerade Mitteldeutschland bei den Bildungstests (mit Bayern) führend sind , ich geh mal davon aus das sie irgendwo in den alten Bundesländern wohnen .... über das Niveau der dortigen Bildung , Abi (ständiges absenken der Anforderungen) kann man nur müde lächeln oder den Kopf schütteln ...

ganz nebenbei wohn ich in Sachsen - wo grüne Tagträumer / Populisten an der 5% Hürde rumgurken .....

09.11.2018 16:01 Wo ist das Lobbyregister? 7

@09.11.2018 08:26 Klarheit

(schon witzig dieser Satz eines Grünen Träumers ...)

Das einzig fragwürdig "Witzige" dürfte wohl ihr Kommentar darstellen, der nur einmal mehr zeigt, dass Denken in Zusammenhängen ein in diesem Bundesland eher seltenes Phänomen darstellt.

Die Zahlung einer Prämie für das schlichte Einhalten der gesetzlichen Vorschriften ist nichts anderes als eine weitere Subventionierung der Massenviehhalter und belastet en Bürger mit deren "Unkosten" - erhöht also somit deren Profit. Noch dazu Profit aus ungesetzlichem Vorgehen. Besser kann man den moralischen Zustand der "Politischen Klasse" dieses Landes garnicht illustrieren.

Das wundert natürlich wenig in einem Bundesland, das von einem Ex-Blockfunktionär "geführt" wird. Verwunderlich ist lediglich, dass es immer noch Leute gibt, die Kritik daran für "witzig" halten. Anderseits passt das ausgezeichnet zum Gesamtzustand der Bildungslandschaft in SAH...

09.11.2018 14:20 Wo ist das Lobbyregister? 6

"Wir befürchten in Anbetracht der drohenden Afrikanischen Schweinepest, die ja mittlerweile in Belgien, Tschechien und Polen grassiert, die illegale Entsorgung von Kadavern oder einfaches Verbuddeln. Guido Heuer, agrarpolitischer Sprecher der CDU Sachsen-Anhalt"

Das ist schon ein wirklich starkes Stück! Ich schlage vor, die Strafen bei illegaler "Entsorgung" DRASTISCH zu erhöhen, ein unbefristetes Gewerbeverbot ausdrücklich eingeschlossen, die Überwachung der Bestände drastisch zu verbessern, sprich: hinreichend zu gewährleisten und ansonsten geltendes Recht AUFTRAGSGEMÄSS DURCHZUSETZEN.

Was man sich in diesem Bundesland von Politikern an unverschämten und fadenscheinigen Ausflüchten für schlichte Rechsbeugung im Auftrag der Klientele anhören muss, schlägt wirklich jedem Fass den Boden aus

09.11.2018 13:39 Wo ist das Lobbyregister? 5

@09.11.2018 10:24 optinator

(Auch wenn diese Tiere nicht mehr für den Verzehr Verwendung finden so kann doch Anderes verwendet werden. Viele Menschen denken, das Aas wird komplett vernichtet. Das bestimmt nicht!

Aus Knochen kann Leim hergestellt, die Haut zu Leder verarbeitet und das Fett für Kosmetika verwendet werden.)

Was genau wollen sie uns hinsichtlich des Themas also mitteilen?

09.11.2018 11:51 linker Durchblicker 4

@1 Klarheit
Schon beeindruckend, die zur Schau gestellte Intelligenz und Witzigkeit der rechten Grünen-Kritiker!

09.11.2018 10:28 Klartext 3

Die Entsorgungskosten,der Allgemeinheit aufzudrücken,wie von der CDU gewollt,ist bezeichnend von der CDU,Gewinne werden privatisiert,Kosten werden verstaatlicht,sehen konnte man das schon bei den Pleitebanken. Jeder Tierhalter der Massentierhaltung betreibt,hat diese Kosten schon eingerechnet,des weiteren wär es ein vorsätzliches Risiko, durch falsche Tierbeseitigungen können Pandemien ausbrechen und e Tierbestände komplett vernichtet werden.Die Versicherungen zahlen schon bei Tiertod.

09.11.2018 10:24 optinator 2

Auch wenn diese Tiere nicht mehr für den Verzehr Verwendung finden so kann doch Anderes verwendet werden. Viele Menschen denken, das Aas wird komplett vernichtet. Das bestimmt nicht!

Aus Knochen kann Leim hergestellt, die Haut zu Leder verarbeitet und das Fett für Kosmetika verwendet werden.

09.11.2018 08:26 Klarheit 1



----"... Es sei nicht nachvollziehbar, warum für die Einhaltung von Gesetzen Steuergeld gezahlt werden sollte....."-----

schon witzig dieser Satz eines Grünen Träumers ......