Totes Holz an einem Waldrand
Waldbesitzer bemängeln mangelnde Hilfe bei Schäden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen-Anhalt Waldbesitzer vs. Ministerium - keine Einigung in Sicht

Der Verband der privaten Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt hat der Landesregierung erneut mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Speziell mit Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Dalbert sei die Zusammenarbeit schlecht. In mehreren öffentlichen Schreiben wurde sie – wie auch Ministerpräsident Haseloff – aufgefordert, sich stärker für die privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzer einzusetzen.

von Maren Beddies, MDR AKTUELL

Totes Holz an einem Waldrand
Waldbesitzer bemängeln mangelnde Hilfe bei Schäden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von persönlichen Animositäten ist die Rede. Davon, dass nach massiven Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer die grüne Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert sich zwar für den Nationalpark Harz und die staatlichen Forstbetriebe stark macht, nicht aber für die privaten Waldbesitzer. Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, klagt: "Frau Dalbert spricht mit uns überhaupt nicht, geschweige dass sie, seitdem die Schäden da sind, auch nur ein einziges Mal ernsthaft im Privatwald gewesen wäre. Und die Schäden beschäftigen uns seit zwei Jahren."

Dalbert weist Vorwurf zurück

Claudia Dalbert
Claudia Dalbert, Umweltministerin Bildrechte: IMAGO

Diesen Vorwurf weist die Ministerin entschieden zurück. Weder gebe es persönliche Animositäten noch ignoriere sie die Privatwaldbesitzer. "Das ist eine Falschbehauptung", sagt die Grünen-Politikerin. Und: "Herr Salm-Salm ist Vorsitzender eines Lobbyverbands und dieser Lobbyverband und auch Herr Salm-Salm persönlich sind regelmäßig im Ministerium." Es gebe regelmäßige Gespräche mit dem jetzt wieder eingeführten Landesbeirat Holz, in dem der Privatwaldbesitzerverband vertreten sei.

Vor-Ort-Besichtigung statt Treffen im Ministerium

Franz Salm, Vorsitzender Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt
Franz Prinz zu Salm-Salm, Chef des Waldbeistzerverbandes. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Zu derartigen Treffen des Landesbeirates Holz meint Prinz zu Salm-Salm: "Wir haben in Sachsen-Anhalt erlebt, wie es eine Aussprache dazu gab, wo wir gnädigerweise als Letzte angehört wurden – unter Zeitdruck, der Ministerpräsident musste schon wieder weg."

Man nehme alles zur Kenntnis, habe es da geheißen. Die Privatwaldbesitzer wünschen sich stattdessen Vor-Ort-Besichtigungen.

Verband: Private besonders von Schäden betroffen

Der Verband zeichnet die Lage für viele Privatwaldbesitzer als besonders dramatisch, weil diese Waldeigentümer oft nur kleine Flächen – dazu meist im Nebenerwerb - bewirtschaften und somit nicht ausreichend Geld für Räumungen und Neuanpflanzungen haben.

Dalbert verweist auf Förderprogramme in Millionenhöhe

Umweltministerin Dalbert verweist auf das Landeszentrum Wald – eine Behörde, die Privatwaldbesitzer berät. Auch auf eine Liste mit Steuer- und Arbeitserleichterungen. Zudem gebe es zwei aktuelle Förderprogramme. Beide Fördertöpfe für Privatwaldbesitzer in Sachsen-Anhalt füllen der Bund und das Land. Bis 2023 gibt es für den Waldumbau 10,2 Millionen Euro, für den aktuell nötigen Waldschutz 2,5 Millionen.

Verband: Tropfen auf heißen Stein

Das klingt nach viel Geld. Doch der Verbandschef hält dagegen, das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein: "In Wahrheit müsste eigentlich ein Zuschuss kommen von 30 Euro je Kubikmeter für die Holzaufarbeitung und zwei Euro je Pflanze, die neu gepflanzt werden muss. Das wäre was wert.“

Man wünsche sich unbürokratische Hilfe – so wie es die unionsgeführten Ministerien, etwa in Sachsen, handhaben. Ministerin Dalbert entgegnet: "Wir sind stets bemüht, sehr zeitnah auf die in der Tat sich häufenden Probleme im Wald zu reagieren und Privatwaldbesitzer und Privatwaldbesitzerinnen zu unterstützen und somit die bestmöglichste Hilfe zu geben.“

Formale Argumente contra emotional aufgeladene Argumentation: Vorerst ist im Streit keine Lösung in Sicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. August 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 06:00 Uhr