Endlager-Suche Atommüll: Widerstand gegen Endlager auch in Ostsachsen

Christine Reißing
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Es ist ein Thema mit langer Halbwertszeit: Die Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager in Deutschland. Nun stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung einen Zwischenbericht vor. In dem soll stehen, welche Gebiete wegen ihrer Geodaten zumindest theoretisch infrage kommen. Bereits das löst vielerorts heftige Gegenwehr aus, etwa im Kreis Görlitz.

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben
Deutschland will bis 2022 alle Atomkraftwerke abschalten. Noch ist unklar, wo der atomare Müll künftig gelagert werden soll. Bildrechte: IMAGO

Bernd Lange von der CDU kennt den Bericht noch nicht. Er ist Landrat im Kreis Görlitz in der Oberlausitz. Wegen ihres Granitbodens gilt die als ein möglicher Standort für ein Atommüllendlager. Dass sie nun offiziell gelistet werden könnte, darauf blicke er "mit großer Sorge", sagt Lange.

"Falscher Ort"

Man sei schließlich schon über 100 Jahre in einer nationalen Aufgabe gewesen: "In der Braunkohle! Und jetzt sollen wir eventuell wieder eine nationale Aufgabe übernehmen. Das lehne ich vom Grundsatz her ab." Fest steht aber noch nichts. Denn zunächst werden lediglich alle Gebiete aufgezählt, die geologisch infrage kommen.

Mögliche Regionen für Endlager in Mitteldeutschland
Bildrechte: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe/MDR.DE

Dennoch sei die Oberlausitz der falsche Ort für ein Endlager, meint Landrat Lange – die Gegend habe mit dem Strukturwandel nach dem Braunkohleausstieg genug zu tun. Außerdem stünden die allermeisten Atomkraftwerke in Westdeutschland: "Man hat in diesen Gebieten eine hohe Gewerbesteuereinnahme gehabt. Man hat sehr gut davon profitiert. Und wir sollen jetzt den Rest übernehmen, das wird nicht werden. Da werden wir uns breit in der Bevölkerung aufstellen." All das ist noch rein hypothetisch, das weiß auch Landrat Lange.

Zuständig für die leidige Suche ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung. Sie wählt die möglichen Standortregionen aus. Als geeignet gelten neben Granit- auch Ton- und Salzuntergründe, erklärt Gerd Lippold, Staatssekretär im von den Grünen geführten sächsischen Umweltministerium: "Wer an dieser Stelle bereits fordert, dass trotz vorhandener Daten eine Region ausgenommen wird, der gefährdet tatsächlich den gesamten Endlager-Suchprozess. Denn mit demselben Argument kann jeder andere in der Bundesrepublik auch kommen."

Entscheidung erst 2031

Der Weg ist lang. Als nächstes entscheiden Bundestag und Bundesrat, welche der nun benannten Standorte übertägig untersucht werden – und dann nochmal, welche untertägig. Final über einen Standort abstimmen sollen sie 2031.

Mann mit Brille
Gerd Lippold Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Selbstverständlich haben wir auch in unserer Partei dazu große Diskussionen. Die Grünen sind seit über 30 Jahren mit dem Thema Kernenergie eng verbunden.

Gerd Lippold | Grüne Staatssekretär Umweltministerium Sachsen

Die Grünen seien zu Zeiten von Gorleben, Tschernobyl und Fukushima Teil der Protestbewegung gewesen. Jetzt sei die Situation aber völlig anders: Der Atomausstieg sei beschlossen, die Grünen sähen sich in einer großen Verantwortung für das Allgemeinwohl, meint Lippold: Und zwar, "den Prozess zu schützen, der zum sichersten Endlager in der Bundesrepublik Deutschland führt." Das müsse ein streng wissenschaftsbasierter Prozess sein, wo politische Kriterien der heutigen Generation keine Rolle spielen dürften.

Vorwurf der Intransparenz

Genau das befürchtet etwa die Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt": Am Ende gehe es nun mal um politische Mehrheiten. Zudem sei der ganze Prozess zu intransparent – trotz eines Extra-Gremiums, das die Bevölkerung einbinden soll.

Skeptisch ist auch CDU-Landrat Lange aus Görlitz. Er denkt an die anhaltenden Proteste entlang der B96. Lange meint, hörten die Leute, das Endlager könnte vielleicht kommen, dann würden noch mehr Demonstranten an der B96 stehen als jetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2020 | 06:05 Uhr

20 Kommentare

DD_1976er vor 4 Wochen

@Barskalin: Die Castoren scheinen nach letzten Erkenntnissen recht sicher zu sein. Doch was passiert mit den Fässern in der Asse II? Diese sollen dann auch umgesetzt werden, oder nicht?

Sie leben und arbeiten in Freiberg, haben Familie und sind immer sachlich in dem Thema auch wenn de Entscheidung für Ihren Heimatort fallen würde?

DD_1976er vor 4 Wochen

Gorleben, mit seiner geographischen Lage, schien auch dem Credo zu folgen: nur weit weg (nach Osten).
Ich war und bin kein Freund einer Energiegewinnung die mit Rückständen aus der Produktion für jahrtausende eine Gesundheitsgefahr hinterlassen.

Kritiker vor 4 Wochen

+...Das müsse ein streng wissenschaftsbasierter Prozess sein, wo politische Kriterien der heutigen Generation keine Rolle spielen dürften....+
Die kommenden zwei-drei Generationen werden eh keine Probleme haben, denn so lange werden doch die hoch wissenschaftlichen Prüfungen bestehen werden.
Was wird aber in hundert Jahren oder später passieren? Darüber wird mit Sicherheit nichts veröffentlicht als nur Pauschalen, die das Gute dokumentieren sollen.