Volksbegehren Thüringer Franken wollen zu Bayern gehören

Im Süden Thüringens wohnen keine Thüringer, sondern Franken. Das hat man in der Landeshauptstadt Erfurt viel zu lange ignoriert, finden einige Bürger und planen deshalb einen riesigen Coup: Der Altkreis Sonneberg soll Bayern zugeschlagen werden. Diese Pläne sind schon länger bekannt, aber jetzt folgt der nächste Schritt.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL

Die Unterschriftenlisten sind eingesammelt. Mehr als 1.000 Menschen aus dem fränkischen Thüringen haben unterschrieben, dass sie künftig lieber zu Bayern als zu Thüringen gehören wollen. Organisiert hat die ganze Aktion der Verein Henneberg-Itzgrund-Franken um seinen Vorstand Martin Truckenbrodt. Das Ziel: Ein Volksbegehren um die Zukunftsfrage Bayern oder Thüringen erzwingen.

Sobald alle Unterschriften von den Einwohnermeldeämtern geprüft worden seien, wolle der Verein den Antrag ins Bundesinnenministerium schicken, sagt Truckenbrodt. "Ich hoffe, dass der Bescheid aus Berlin noch vor den Sommerferien kommt. Aber ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie lange das dort dauert." Noch diesen Sommer könnten dann 50.000 Menschen im Kreis Sonneberg an die Wahlurnen gerufen werden.

Gibt es nichts Wichtigeres?

Dass Thüringen aber wirklich einen Teil an Bayern abtreten muss, glaubt Innenminister Holger Poppenhäger nicht.

Niemand vor Ort, der Verantwortung hat, diskutiert das. Das ist ein rein mediales Ereignis. Ich finde wir sollten uns den wirklich wichtigen Entscheidungen zuwenden.

Holger Poppenhäger, Thüringens Innenminister (SPD)

Mit den "wichtigen Entscheidungen" meint Poppenhäger die Gebietsreform. Sonneberg soll mit Suhl, Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen einen Großkreis bilden. Betroffen wäre davon auch die Gemeinde Frankenblick.

Kein "rein mediales Ereignis"

Für die Menschen in Frankenblick ist die Frage Bayern oder Thüringen alles andere als ein - wie der Minister behauptet - "rein mediales Ereignis". Jeder hier hat eine Meinung dazu, wie sich bei einer Straßenumfrage zeigt:

  • "Bevor wir wieder zu Suhl gehören und Herr Ramelow eine kleine DDR neu gründet, finde ich schon, dass wir lieber nach Bayern gehen sollten."
  • "In unserer Firma orientieren uns ausschließlich nach Franken und Bayern. Mit Thüringen haben wir eigentlich nicht viel zu tun."
  • "Ich halte nichts davon. Ich bleibe lieber Sonneberger als Bayer."
  • "Ich mag die Bayern nicht. Hier ist es schöner gemacht."
  • "Wenn die Gebietsreform nicht wäre, dann wäre nie einer auf die Idee gekommen, dass die Region zu Bayern geht. Sie sollen die Struktur so lassen, wie sie ist, dann gibt es keine Probleme."

Eigentlich geht es um Aufmerksamkeit

An eine tatsächliche Abspaltung gen Bayern glaubt selbst der Verein Henneberg-Itzgrund-Franken eigentlich nicht. Vielmehr solle das Volksbegehren die fränkische Identität der Südthüringer endlich thematisieren, sagt Martin Truckenbrodt. "Die Menschen überlegen sich schon: Wieso werden die Coburger als Franken in Bayern bezeichnet und wir als Thüringer in Thüringen, obwohl wir denselben itzgründischen Dialekt sprechen?"

Neben der Identitätsfrage will der Verein aber auch ganz greifbare Dinge vorantreiben. Neueste Idee: Südthüringen soll dem starken Wirtschaftsraum "Metropolregion Nürnberg" beitreten. Dafür wirbt der Verein massiv bei Landräten und neuerdings auch mit einer Veranstaltungsreihe.

Metropolregion Nürnberg mit Sonneberg:

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 22.05.2017 | 5:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2017, 06:44 Uhr

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32 Kommentare

23.05.2017 20:31 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 32

Wenn schon die Franken kaum ihre Heimat zwischen Thüringen und Bayern finden, wie soll das dort bloß jemand aus ganz anderen Gefilden schaffen?

23.05.2017 17:44 Graf von Henneberg 31

Oh, da ist "einer aus Sachsen und denkt".

Zumindest ist es richtig erkannt, daß die heutige obersächsische Bevölkerung unter anderem auch durch Zuwanderung aus Franken entstanden ist. Die Mundart "Sächsisch" hat sich weitgehend aus der Thüringer Sprache generiert und dabei abgeschliffen.

Und die "Eingeborenen" zwischen Salzungen und Sonneberg sind FRANKEN und keine Thüringer.

Allenfalls und überhaupt muß es auch ein Thema für die Landesregierung sein, im Zuge der Maßnahmen für die Gebietsreform auch die Wertigkeit der Begriffe "Thüringer Kloß" und "Thüringer Bratwurst" durch einen Untersuchungsausschuß zu untersuchen, um die urfränkische Herkunft dieser Produkte unzweifelhaft festzustellen. Jawohl.

23.05.2017 14:11 aus Sachsen und denkt 30

Genau, Andre, wir Sachsen bestehen ja auch zum Großteil aus Thüringern und Franken (Aufschwung Ost a la Landesausbau 12. Jhd) und haben unseren Volksnamen vom Chef nur mitgebracht bekommen. Das Ganze ist ein sommerlicher Lückenfüller, und der Grund zum ganzen Gezänk wird im 2. Satz, 1. Halbsatz des 1. (fett gedruckten) Abschnitts unter der Überschrift erschöpfend dargestellt.

Um den Nebeneffekt der Initiative zu befeuern: es ist wirklich eine schöne Ecke. Mal hinfahren kann kein Fehler sein.

23.05.2017 12:19 andre 29

Tja, wenn man sonst keine Probleme hat, dann macht man sich eben welche! Die Erklärung mit dem Wirtschaftssektor ist ja der Oberknüller, daran kann man natürlich als Thüringer nicht partizipieren, ist ja eine Landesgrenze dazwischen... Ich frage mich echt, was denken diese Leute, was danach besser wird, außer dass es erst mal unzweifellos ein Haufen Geld kosten würde??? @graf - Thüringen gibt es nicht erst seit 1920, wir sind wie die Hessen, Bayern, Preussen und Sachsen mit eine der ältesten Kulturgruppen, die es schon lange vor dem Deutschen reich gab! Wenn Sie nur die heutigen Grenzen meinen, dann habe ich nicht´s gesagt:-)

23.05.2017 12:05 Graf von Henneberg 28

Der Kommentar von "Thomas Naumann" trifft vollständig zu.

Der Bayer hat sich 1806 mit dem Napoleon verbündet und sich Franken unter den Nagel gerissen. Die Münchner Einheitspartei maßt sich heute immer noch an, über Franken zu bestimmen.

Nur ein Hinweis an "der stolze Thüringer". Das Königreich Thüringen hat sich im Jahre 542 in Wohlgefallen auflöst. Die Bezeichnung "Thüringer " gilt für eine Pferderasse und für einen Staat als politisches Konstrukt aus dem Jahre 1920.

23.05.2017 11:30 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 27

@ 26:
"Besonders solch ein Stadtstaat wie Bremen oder so ein Mini wie das Saarland ist doch unmöglich."

Aber Berlin bleibt Berlin! Trotz BER! ;)

23.05.2017 09:33 @ 17 Bürger der früheren DDR 26

Meine Mutter war schon Stuttgarterin und ich natürlich auch.
Es hat sowohl Baden als auch Württemberg nur gut getan, daß sie sich zusammengeschlossen haben. Und da kann ich Ihnen nur recht geben.
In meinen Augen war es bei der Vereinigung, was ich immer noch ein Glücksfall der Geschichte ansehe, ein großér Fehler, daß man nicht neue Bundesländer geschnitten hat, daß alle größer sind und dafür weniger. Besonders solch ein Stadtstaat wie Bremen oder so ein Mini wie das Saarland ist doch unmöglich.

22.05.2017 22:25 Biggi 25

Man kann die Leute verstehen. In Bayern bekommen man mehr Stütze.

22.05.2017 22:16 stolzer Thüringer 24

Dann sollen die möchtegern Franken, Thüringen verlassen. Ihr Hab und Gut verkaufen und unser schönes Thüringen hinter ich lassen. Ein Thüringer ist und bleibt ein Thüringer.

22.05.2017 20:32 Spike 23

Auf nach Bayern. Angekommen und es will euch gar keiner. Es ist einfach nur noch lächerlich und peinlich. Manchmal glaube ich das es gar keine Wiedervereinigung gegeben hat. Wir sind Thüringer, Deutsche und Europäer. Egal wo wir wohnen. Die Befindlichkeiten von Einigen die ihre Futtertröge verlieren interessiert mich herzlich wenig.

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