Handfeuerwaffe, Munition und Wafenbesitzkarte (Archivbild)
Etliche der "Reichsbürger" in Thüringen haben eine Waffenbesitzkarte. Bildrechte: dpa

Ruf nach Verfassungsschutz Polizisten fordern Überwachung von "Reichsbürgern"

Thüringer "Reichsbürger" sollen laut Medienberichten versucht haben, eine Partisanenarmee zu gründen. Bei Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche konnte die Staatsanwaltschaft allerdings keine Waffen sicherstellen. Dass "Reichsbürger" jedoch offenbar versuchen, sich paramilitärisch zu formieren, empfinden Thüringer Polizisten als Gefahr. Die Deutsche Polizeigewerkschaft will endlich mehr wissen über die Gefährlichkeit und die Bewaffnung der Thüringer Reichsbürger.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL

Handfeuerwaffe, Munition und Wafenbesitzkarte (Archivbild)
Etliche der "Reichsbürger" in Thüringen haben eine Waffenbesitzkarte. Bildrechte: dpa

Wie viele Waffen besitzen Thüringer "Reichsbürger" legal? Eine einfache Frage, auf die es seit Jahren keine Antwort gibt. Klar ist, rund 1.000 Menschen in Thüringen lehnen unseren Staat komplett ab, zählen also zu den "Reichsbürgern". Etliche von Ihnen haben eine Waffenbesitzkarte.

Die genaue Anzahl ihrer Gewehre und Pistolen ist dennoch unbekannt, sagt CDU-Innenpolitiker Raymond Walk: "Leider wissen wir das immer noch nicht ganz genau." Nach Informationen der Landesregierung soll es in der Szene 56 Inhaber von Waffenbesitzkarten geben, erklärt Walk. "Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass jeder Waffenbesitzkarteninhaber zwischen fünf und zehn Waffen besitzt, dann sind wir leicht bei einer Größenordnung von 500." Das seien aber nur die legalen Waffen.

Kramer: Waffenquote bundesweiter Spitzenwert

Die 56 gezählten Waffenbesitzer aus der "Reichsbürger"-Szene sind solche, die behördlich bereits eindeutig als "Reichsbürger" aufgefallen und eingestuft sind. Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer hat allerdings auch Verdachtsfälle auf dem Schirm, seine Behörde spricht deshalb von rund 100 Thüringer "Reichsbürgern", die legal Waffen besitzen. Das wäre jeder zehnte "Reichsbürger". Kramer sagt, die Waffenquote bei Thüringer "Reichsbürgern" habe einen bundesweiten Spitzenwert. Eine ganz genaue Waffenanzahl kennt aber auch der Verfassungsschutz nicht.

Polizeigewerkschaft will Referat beim Verfassungsschutz

Jürgen Hoffmann, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Thüringen fordert deshalb: "Wir als Deutsche Polizeigewerkschaft sind eindeutig der Meinung, dass beim Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz ein Referat zu bilden ist, was sich speziell mit den Reichsbürgern beschäftigt, das eben Informationen beschafft. Eine andere Behörde kommt für uns nicht in Frage, also die Polizei wäre der falsche Ort und das Landesverwaltungsamt erst recht, weil nur der Verfassungsschutz die richtigen Mittel hat, um damit umzugehen."

In Thüringen beobachtet das Landesverwaltungsamt die Szene

Diese Aussage ist eine direkte Kritik an der Landesregierung, denn Rot-Rot-Grün hat vor einem Jahr beim Landesverwaltungsamt eine Informationssammelstelle zum Thema "Reichsbürger" eingerichtet. Die Polizeigewerkschaft moniert, dass diese Stelle kaum Kompetenzen habe und der Polizei keine hilfreichen Informationen liefern würde. Deshalb fordert die Gewerkschaft mehr V-Leute in der "Reichsbürger"-Szene.

Die Thüringer CDU trage das mit, sagt Generalsekretär Walk. Er fügt hinzu, er könne nicht nachvollziehen, dass bei den wichtigen Erkenntnissen, die der Verfassungsschutz zum Thema "Reichsbürger" liefere, die Linksfraktion das Landesamt gänzlich abschaffen will. "Das ist unverantwortlich."

Bisher holt sich die Thüringer Polizei Informationen über die "Reichsbürger"-Szene vom Verfassungsschutz in Brandenburg, dort gibt es ein eigenes "Reichsbürger"-Referat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 05:00 Uhr

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18 Kommentare

17.04.2018 11:35 Katze 18

So ein Quatsch. Die Behörden wissen sehr gut wer legale Feierwaffen hat.
Wenn eine Behörde egal welche den Namen eines Bürgers in Ihrem System eingibt kommt bei Waffenbesitzern ein F.
Das steht für Feuerwaffenbesitz.
Das alles nennt sich zentrales Waffenregister.

17.04.2018 10:22 Fragender Rentner 17

Wird oder kann das mit dem Personal der Polizei gewährleistet werden?

Müssen sie nicht noch anderes tuen und überwachen?

16.04.2018 22:41 Eulenspiegel 16

Also ich denke dazu: Wir leben in einem freien Land. Dort kann jeder seinen Spleen ausleben wie er es für richtig hält, wie z.B. die Reichsbürger, so lange er keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Und genau darum geht es bei den Reichsbürgern es muss eindeutig geklärt werden ob sie gefährlich sind oder gefährlich werden können. Schließlich haben sie beträchtliche Mengen an legalen Waffen und keiner weiß wie fiele illegale Waffen. Sie sind schwer zu fassen weil sie nicht als einheitliche Gruppe auftreten. Sie sind eine Gruppe von einzelnen Waffennarren die sehr gerne Mitglied von Schützenverein oder Jagdverein sind weil man so an einer Wadenbesitzkarte kommen kann. Ich denke darüber hinaus können sie ihren Spleen ruhig ausleben.

16.04.2018 22:32 part 15

Na, nicht das dann Sonderermittler wieder zurück beordert werden, weil Gladio oder stay behind ihre Ziele verfolgen. Die Polizei macht es sich da ziemlich leicht abseits von Kommandozentralen und Geheimoperationen mit besonderer Duldung. Zum Glück schaut ja in Thüringen über den VS jetzt das Palament. Partisnanenarmeen hatten wir in der jüngeren Vergangenheit schon mal in Europa deshalb Augen auf...damit es nicht wieder in einem Anschlag endet wie auf den Bahnhof von Bolognia oder zur Oktoberfestgaudie...

16.04.2018 20:58 martin 14

Es lebe das Heilige Römische Reich Deutscher Nation! Dass der Franzl seine Kaiserkrone aus Frust in die Ecke geworfen hat, dürfte ja wohl nicht dazu geführt haben, dass das Reich nicht mehr existiert!

16.04.2018 17:45 hercule 13

@ Paule
Habe ich gelesen aber was steht da nun ?
Da die Niederlande auch keine Verfassung hat sondern ein Grundgesetz ist das da auch kein staat

16.04.2018 17:27 Gertrud 12

Und schon sind sie hier und kommen mit ihren kruden Theorien um die Ecke. Gibt es da nichts von Ratiopharm?

16.04.2018 16:58 Wo geht es hin? 11

Nach mehrmaligem Durchlesen dieses Artikels muss ich auch immer mehr schmunzeln. Beispiele hierfür: "Thüringer "Reichsbürger" sollen laut Medienberichten versucht haben, eine Partisanenarmee zu gründen. Bei Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche konnte die Staatsanwaltschaft allerdings keine Waffen sicherstellen." Also: eine reine Behauptung, die sich in Luft auflöste. Um dann aber gleich nachzuschieben: "Dass "Reichsbürger" jedoch offenbar versuchen, sich paramilitärisch zu formieren..." Wie jetzt: "offenbar"? Aus was leitet man das her? Oben steht doch, dass keine Waffen gefunden wurden! Um dann dreist weiter zu gehen: "Die Deutsche Polizeigewerkschaft will endlich mehr wissen über die Gefährlichkeit und die Bewaffnung der Thüringer Reichsbürger." Das heisst, Genaues weis man nicht, aber die sind erst mal gefährlich! Man man man, und so was nennt sich "Journalismus". Behauptungen und Wertungen am Fliessband herausposaunen, OHNE einen einzigen Beweis für selbige zu liefern.

16.04.2018 16:31 Graf von Henneberg 10

Was denn nun? Partisanen oder Reichsbürger? 1000 Mann Reichsbürger solls geben, ist das gefährlich?

16.04.2018 16:19 Paule 9

Hercule, selbst im Grundgesetz finden sie eine Passage dazu. Man muß nur der deutschen Sprache mächtig sein und Zusammenhänge erkennen können.

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