Wolfgang Tiefensee
Wolfgang Tiefensee strebt auch nach fast 30 Jahren in der Politik nach neuen Ämtern. Bildrechte: dpa

Thüringer SPD-Vorsitz Tiefensee, übernehmen Sie!

Oberbürgermeister von Leipzig, Bundesverkehrsminister, Wirtschaftsminister in Thüringen und ab Sonntag wohl auch neuer SPD-Landeschef. Wolfgang Tiefensee hat im politischen Betrieb schon viele Jobs erledigt, jetzt drängt er an die Parteispitze seines Heimat-Bundeslandes. Ein schwieriger Job, denn die Thüringer SPD hat in den vergangenen Monaten vor allem mit sich selbst gekämpft.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL Landeskorrespondent für Thüringen

Wolfgang Tiefensee
Wolfgang Tiefensee strebt auch nach fast 30 Jahren in der Politik nach neuen Ämtern. Bildrechte: dpa

Wolfgang Tiefensee ist vielleicht der letzte Landesminister, der in seinem Büro raucht. Das liegt vor allem daran, dass er gar keine Terminlücke hätte, um die drei Stockwerke bis vor die Tür zu eilen. Der Kalender ist stets rappelvoll, auf der kleinen Couch vor dem Ministerbüro stauen sich schon mal Mitarbeiter und Besucher. Bleibt da überhaupt noch Zeit für den SPD-Landesvorsitz?

Tiefensee beschwichtigt: "Glauben Sie mir, ich bin mein Leben lang gewöhnt, viel zu arbeiten. Und das gelingt ganz besonders gut, wenn ich Spaß an der Sache habe, und ich habe sehr viel Spaß an beiden Aufgaben."

Rückkehr ins Machtzentrum

Wirtschaftsminister und SPD-Landeschef – die Option ergab sich zwischen Weihnachten und Neujahr. Als Andreas Bausewein, der Erfurter Oberbürgermeister, den Landesvorsitz hingeschmissen hat. Zu diesem Zeitpunkt konnten Bausewein und Tiefensee längst nicht mehr gut miteinander. Tiefensee war von der Machtzentrale der SPD abgeschnitten, denn er hatte keinen Sitz im SPD-Landesvorstand.

Bauseweins Rücktritt war Tiefensees Chance: "In dem Moment, als Andreas Bausewein für sich entschieden hat, das Amt des Parteivorsitzenden niederzulegen, steht automatisch vor einem Politiker wie mir die Frage: Stehst du bereit, in Verantwortung zu gehen oder nicht? Und diese Frage habe ich für mich sehr klar und aus vollem Bewusstsein der Schwere der Aufgabe mit 'Ja' beantwortet."

Niemand sonst wollte es machen

Heike Taubert
Heike Taubert hätte gerne mehrere Kandidaten gehabt, wollte selbst aber nicht antreten. Bildrechte: dpa

Mit seinem Wunsch hat der in Gera geborene Tiefensee sich an den Landesvorstand gewandt – am 13. Januar wurde er einstimmig für den SPD-Chefposten nominiert. Tiefensee höre den Parteimitgliedern zu und seine Wurzeln lägen identisch mit denen der Landespartei in der Bewegung 89, wirbt Finanzministerin Heike Taubert. Sie leitet die SPD derzeit kommissarisch, hegt aber keine dauerhaften Ambitionen auf den Vorsitz.

Also stimmte auch Taubert für Tiefensee: "Ich hätte mir natürlich auch eine andere Auswahl gewünscht und auch vorgestellt, aber nachdem klar war, dass andere Parteimitglieder aus sehr nachvollziehbaren Gründen nicht für das Amt des Vorsitzenden oder der Vorsitzenden antreten wollen, glaube ich, war es klug, dass des Landesvorstand gesagt hat: Wir unterstützen Wolfgang Tiefensee."

Vorspiel zur Landtagswahl 2019

Matthias Hey, SPD-Politiker im Thüringer Landtag
Wunschkandidat vieler Genossen: Matthias Hey. Bildrechte: IMAGO

Wunschkandidat vieler Thüringer SPD-Mitglieder war nicht Tiefensee, sondern Matthias Hey, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag. Hey wollte nicht. Er wirbt stattdessen lieber für den einzig verbliebenen Kandidaten: "Tiefensee ist ein Mann, der unglaubliches politisches Know-how besitzt, er hat ja viele Ämter schon begleitet in seinem Leben". Tiefensee wisse, wie bestimmte Dinge zu verhandeln seien. Und er sei in Thüringen eine Marke:

Wenn man sagt: 'Tiefensee?' Dann sagen alle Leute: 'Ja klar", den kennen sie doch, den Großen, und der macht die Wirtschaft. Und ich finde, dass es eine extrem gute Wahl ist am 11. März, und ich glaube mal, dass er uns perspektivisch auch im Landtagswahlkampf 2019 weiterhelfen kann.

Matthias Hey, SPD-Fraktionsvorsitzender in Thüringen

Der Landtagswahlkampf starte genau jetzt, sagt Tiefensee im Interview mit MDR AKTUELL. Ob er sich selbst als Spitzenkandidat für 2019 sieht, lässt er noch offen. In früheren Interviews betonte Tiefensee allerdings, dass Parteivorsitz und Spitzenkandidatur in eine Hand gehörten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

09.03.2018 12:00 Peter 5

Ich frage mich ernsthaft, haben wir keine einheimischen Leute??
Wann endet endlich der Westimport??

09.03.2018 09:19 Dorfrettung 4

Hoffentlich kommt Herr Tiefensee nicht ins schleudern mit seiner Postenhascherei. Bei uns im Ort gibt es auch sogenannte Postenjäger, seitdem versinkt der Rennsteigerholungsort in der Mitte zum Rennsteig (Ilm-Kreis) total in den Schulden und hofft nun auf die Rettung zur Fusion mit der Stadt Großbreitenbach. Wobei er weiter an seinen Posten als ehrenamtlicher Vorsitzender festhalten möchte, wegen der schönen Diäten von 1450 Euro pro Monat und nur noch 900 Einwohner mit sinkenden Zahlen.

09.03.2018 08:14 Ichich 3

Wenn man Bundesminister war, geht man nicht zurück, um Landesminister zu werden.

09.03.2018 08:09 Axel 2

Beredt ist diese ganze Diskussion um Personen und Pöstchen!

Hier geht es schon lange nicht mehr um Inhalte, Lösung von Problemen und Klärung von Sachfragen ... sondern nur noch um blanken Machterhalt!

Mit Shakespeare: "Viel Lärm um nichts!"

09.03.2018 07:08 Stena 1

Mein Gott,

wir brauchen keinen 'Kümmerer'.
Wir brauchen jemanden, der Ahnung hat!

Die sozialen Verwerfung werden immer größer und für jedermann augenscheinlicher. Das hat seine Ursachen im politschen Betrieb! Also ist der politsche Betrieb die Wurzel des Problems und nicht die Lösung!

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