Im Vordergrund ist eine vertrocknete Weide zu sehen, im Hintergrund stehen Kühe an einem Zaun
Die Kühe können von den Resten der Weide noch drei Wochen fressen. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Hitzewelle trocknet Felder aus Landwirte sorgen sich um ihre Weiden

Über die Hitze der vergangenen Wochen haben die meisten Menschen gejubelt. Für die Landwirte war das aber weniger ein Grund zu feiern. Einer aus der Region Nordsachsen hat sich bei MDR AKTUELL gemeldet und seine Probleme geschildert.

von Maren Beddies, MDR AKTUELL

Im Vordergrund ist eine vertrocknete Weide zu sehen, im Hintergrund stehen Kühe an einem Zaun
Die Kühe können von den Resten der Weide noch drei Wochen fressen. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Das sächsische Greudnitz liegt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und direkt an der Elbe. Biolandwirt Dirk Barthel fährt mit seinem Pickup zu den Weiden in Ufernähe: "Sie sehen es ja hier an den Wiesen. Die paar grünen Halme, die noch waren, haben die Kühe abgefressen. Also, soweit das Auge reicht: Steppe!"

Viel zu wenig Regen

Auf einem Feld steht ein Mann mit Arbeitskleidung. Im Hintergrund sind Kühe zu sehen.
Landwirt Barthel wartet auf den Regen. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Eigentlich ist der Boden in der Elbaue ertragreich. Doch seit April hat es nur sieben Liter pro Quadratmeter geregnet. Nötig gewesen wären mindestens 20 Liter monatlich – besser noch 40 oder 60 Liter. Morgens hört Barthel immer zuerst den Wetterbericht: "So, Sachsen Schauer und Gewitter! Und den ganzen Tag guckst Du. Oh, die Wolken kommen. Und Du guckst Dir die Augen dünne – und die Wolken weg und es passiert nichts."

Dass die Region zwischen Wittenberg und Torgau besonders darbt, bestätigt Grit Krämer vom MDR AKTUELL Wetterstudio: "Altmark, Börde und der komplette Norden von Sachsen haben besonders wenig Regen abgekriegt in den letzten Wochen. Auch wenn es am Donnerstag und Freitag mal Schauer gibt, ein Ende der Trockenheit ist nicht in Sicht."

Geldnot durch Dürre

Ökolandwirt Barthel möchte seine Kühe auf der Weide grasen lassen, doch die Elbwiesen geben vielleicht noch drei Wochen Futter. Danach muss Barthel die Tiere in den Stall holen und das Futter geben, was eigentlich für den Winter eingelagert wurde. Neues Gras wächst aber nicht mehr nach. Nicht seine einzigen Probleme: "Ohne Regen können wir hier einpacken, da ist Schluss mit Lustig. Ich weiß zum Beispiel nicht, wie ich Pachten zahlen soll, Löhne zahlen soll, meine Verbindlichkeiten erfüllen soll. Meine Ernte ist wirklich verdorrt."

Landwirtschaftliche Verbände fordern bereits Notstandsbeihilfen, die bei Naturereignissen gewährt werden können. Stellvertretend erklärt Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Bauernverbandes, was jetzt passiert: "Jetzt müssen die einzelnen Länder – ob das wir sind, der Freistaat Sachsen, oder die anderen Länder – das beim Bund beantragen und der Bund muss es dann in Brüssel beantragen. Brüssel muss genehmigen, wenn der Nationalstaat Geld auszahlt. Das muss aus dem Haushalt entweder der Bundesrepublik oder vom Freistaat Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt oder wem auch immer kommen."

Auch Anspruchloses vertrocknet

Auch Biolandwirt Barthel aus Nordsachsen hofft, dass die Politiker die Notlage erkennen und handeln – nicht nur kurzfristig mit Notstandsbeihilfen, sondern auch zukunftsorientiert. Zum Beispiel mit Blick auf die CO2-Belastung der Umwelt und den Klimawandel. Mehr Verständnis erhofft sich der Ökolandwirt auch von den Menschen in der Stadt, die gern frische Bioware vom Land kaufen: "Die meisten Städter machen sich überhaupt keine Gedanken darüber. Für die ist schönes Wetter, da gehen sie im Park spazieren oder joggen und da ist die Welt für die in Ordnung."

Ein Mann in Arbeitskleidung hockt auf einem Feld und betrachtet den Zustand der Pflanzen
Dirk Barthel betrachtet, was von seiner Bienenweide geblieben ist. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Barthel hat in Erwartung karger Zeiten schon vor Jahren seinen Bio-Betrieb auf fünf Standbeine gestellt: Ackerbau, Tierproduktion, Saatgutvermehrung, Heu verkaufen und Bienenweiden für Imker anlegen. Doch selbst die anspruchslose Bienenweide vertrocknet auf dem Acker: "Die sieht braun aus, hat ab und zu noch paar blaue Blüten und das war’s dann. Also selbst für unsere Bienen kriege ich das nicht mehr hin. Mir gehen die Argumente aus, die Standbeine aus. Ich bin mal gespannt, ob unsere Landesregierung registriert, dass wir hier Dürregebiet sind."

Ironie des Schicksals: Dirk Barthel steht in diesem Jahr als Finalist im Wettbewerb um den besten Biolandwird Deutschlands. Wenn die Juroren demnächst zu ihm nach Greudnitz kommen, werden sie nur ödes Land sehen. Bathel sagt, er könne nur mit der Wahrheit dienen. So sehe es aus, wenn der Regen ausbleibe und der Klimawandel zuschlage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2018 | 06:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 12:36 Uhr

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1 Kommentar

20.06.2018 09:30 Spottdrossel 1

Es bleibt dabei, die 4 Feinde der Bauern sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mal ist es zu naß und heuer eben mal zu trocken. Nachts zu dunkel, am Tag zu hell ... Ein Bauer, der nicht jammert, dem scheint etwas zu fehlen. Jammern, offenbar ein sehr wichtiger Teil des Berufsbildes "Landwirt"