Idee der Landesregierung IT-Campus in Hoyerswerda nur ein Wahlversprechen?

Hoyerswerda soll einen Uni-Standort für Internettechnologien bekommen. Bis zu 200 Millionen Euro könnte das kosten. Bislang ist das alles nur eine Idee, doch derzeit machen sich viele Landespolitiker für sie stark. Was sagen die Menschen in Hoyerswerda dazu?

Der Platz vor dem Rathaus in Hoyerswerda
Wird Hoyerswerda bald zur Uni-Stadt? Im Rathaus schweigt man dazu. Bildrechte: MDR/Andre Seifert

Zugegeben, er ist schon etwas trist, der erste Eindruck, den Zugreisende von Hoyerswerda bekommen. Am Bahnhof bröckelt die Fassade, das große gelbe Gebäude steht seit Jahren leer, bis auf den Friseursalon, der sich im einstigen Fahrkartenschalter eingerichtet hat. Vom IT-Campus hat man hier natürlich gehört. Eine Passantin ist nicht sicher, ob Hoyerswerda das braucht. Allerdings: "Wäre schon schön, dann stirbt die Stadt nicht ganz aus."

Hoyerswerdaer würden Uni-Campus begrüßen

Glasverspiegelte Außenansicht des neuen Computermuseums in Hoyerswerda
In Hoyerswerda gibt es bereits ein Zuse-Museum. Bald auch ein Zuse-Campus? (Archivbild) Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Am Geländer vor dem Bahnhof klebt ein "Fuck-AfD"-Aufkleber neben zahlreichen AfD- und NPD-Wahlplakaten. Auch ein paar Meter weiter am Marktplatz redet man davon, was in der Zeitung stand und im Radio lief. Ein Uni-Standort der TU Dresden soll in zehn, zwanzig Jahren am Scheibesee entstehen, im Osten der Stadt, wo momentan noch Camper wohnen und es noch nicht einmal einen Abwasseranschluss gibt. Studenten sollen in die Stadt kommen, in der schon Computererfinder Konrad Zuse tüftelte.

Ich finde es eine gute Idee, weil einfach mehr jungen Leuten die Möglichkeit gegeben wird, in der Region sesshaft zu werden.

Passantin in Hoyerswerda

In Hoyerswerda fehle es an junge Leuten, meint eine andere Passantin. Deswegen würden viele Geschäfte zugemacht werden. Und im Gasthaus "Zur Post" wünscht sich die Wirtin Ramona Gärtner nichts sehnlicher als ein paar mehr Gäste: "Sie müssen mal überlegen, ich führe eine reine Bierkneipe, bei mir gibt es kein Essen, nur Krakauer und Bockwurst." So heutzutage zu überleben, sei nicht einfach, fügt die Wirtin hinzu.

Citymanagement sieht IT-Campus skeptisch

Fassade eines Plattenbauts in Hoyerswerda
Plattenbauten gibt es in Hoyerswerda noch viele. Bildrechte: dpa

70.000 Einwohner hatte Hoyerswerda noch vor einigen Jahrzehnten, heute noch 30.000.

Alte Wohngebäude, die in der sozialistischen Planstadt entstanden, werden seit Jahren abgerissen. Die Bevölkerung ist überaltert. Doch das Tal ist durchschritten, sagt Frank Seifert. Der Unternehmer ist Chef des Wirtschaftsinteressensverbands "Citymanagement Hoyerswerda". Er sieht eine Aufbruchsstimmung in der Stadt. Einen Uni-Campus kann sich der 49-Jährige trotzdem nicht vorstellen. 

Diese Strukturwandeldiskussion zum Anlass zu nehmen, hier in einen Ort, der noch nie mit universitärer Ausbildung zu tun hatte, sowas hinzupflanzen, halte ich nicht für zeitgemäß. Zumal es im Umkreis von 100 Kilometern mindestens vier Hochschulstandorte gibt, die sich bereits mit Informatik beschäftigen.

Frank Seifert Citymanagement Hoyerswerda

Frank Seifert würde lieber kleinere aber aussichtsreichere Brötchen backen und zum Beispiel eine Landesgartenschau an den Scheibesee holen.

IT-Campus nur ein Wahlversprechen?

Dass der Campus wirklich kommt, ist ohnehin ungewiss. Noch ist kein Vertrag unterschrieben, noch alles eine Vision der Landesregierung. Und die befindet sich im Wahlkampf. Dieses unsichere Gefühl, dass die Campus-Vision vielleicht nach der Landtagswahl wieder in Vergessenheit gerät, das haben viele in Hoyerswerda.

Auch Uwe Proksch, Chef der "Kulturfabrik", die jährlich mehrere hundert Veranstaltungen auf die Beine stellt. "Es ist ja bekannt, was wir für einen extrem schweren Strukturwandel hinter uns haben, das was vor uns liegt, kann nicht noch schlimmer werden."

Deswegen sei die Idee des Campus ein Anker, an dem man sich festhalte, erklärt Proksch. Dennoch habe er ein schlechtes Gewissen, da die Idee publik gemacht worden sei, ohne dass man wirkliche Partner dahinter habe.

Vermutlich weiß man das auch im Rathaus der Stadt. Der Oberbürgermeister hält sich derzeit bedeckt und sagte Termine mit MDR AKTUELL ab. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. August 2019 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

Kiel_oben vor 45 Wochen

was uns Italien vormacht sollte auch in Deutschland gelingen um nie wieder ...

seltsame Trolle wünschten sich deutschen "Salvini" der Mussolini verehrend von neuen Stahlpakt (Achse Berlin-Rom) träume und sich selbst überschätzend Regierung platzen lies.
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zum Thema: das Zuse-Museum ist Grundlage und der Region werden 200 kluge junge Familien gut tun, Freunde und Bekannte anlocken und Ostdeutschland stärken

Kiel_oben vor 45 Wochen

eher Doppelpunkt ^^
weil unsere Kanzlerin heute ihren 17. Ehrendoktor bekommt und schon einen eigenen hat ohne ständig darauf zu pochen und andere mit Plagiatsvorwürfen hadern

Kiel_oben vor 45 Wochen

Mit Desinformation wird in Deutschland immer stärker um die öffentliche Meinung gekämpft, professionell durch Afd mit Fake News im Internet Stimmung gemacht. Längst gefährdet Meinungsmanipulation unsere Demokratie.