Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing in der Kreuzkirche in Dresden Bildrechte: dpa

Streit um rechte Positionen Unterstützung für und Kritik an Landesbischof Rentzing

Nach dem angekündigten Rücktritt des evangelischen Landesbischofs Carsten Rentzing haben rund 20.000 Unterstützer eine Online-Petition für dessen Verbleib im Amt unterzeichnet. In vielen sächsischen Kirchgemeinden, besonders im Erzgebirge und im Vogtland, liegen Listen pro Rentzing aus. Über das weitere Vorgehen will die Kirchenleitung am Montag entscheiden.

von Wolfram Nagel, MDR AKTUELL

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing in der Kreuzkirche in Dresden Bildrechte: dpa

Sonntagsgottesdienst in der Stadtkirche St. Nikolai in Markneukirchen im Vogtland: Es liegen Unterschriftenlisten für den Landesbischof aus. Bis 2012 stand Carsten Rentzing als Ortspfarrer auf der Kanzel. Die Gemeinde war stolz, dass ihr Pfarrer damals zum Landesbischof gewählt wurde, wenn auch knapp. Und so haben sich Gemeindeglieder bereits am 11. Oktober mit einem offenen Brief an die Synode gewandt.  

Ich stehe hinter Carsten Rentzing … Ich habe ihn als Gemeindepfarrer hier erlebt, sehr glaubwürdig, absolut auf dem Boden des Bekenntnisses unserer Kirche stehend, um Ausgleich bemüht, überhaupt kein Mann schriller Töne oder irgendwelcher extremistischer Anschauungen.

Hartmut Berger

Hartmut Berger arbeitet als Kirchner in der evangelisch-lutherischen Gemeinde von Markneukirchen. Er steht voll hinter dem offenen Brief, in dem die Landessynode gebeten wird, dem Bischof ihr volles Vertrauen auszusprechen. 30 Jahre alte Texte für eine rechts-konservative Zeitschrift sind für ihn kein Grund zurückzutreten: "Elitär sicherlich, manches auch fremd, oder nationalistisch, allerdings, wenn ich sage, dass solche Sachen innerhalb eines akademischen Diskurses ausgesprochen oder geschrieben oder zur Diskussion gestellt werden, dann ist das für mich legitim", sagt Berger und erklärt weiter: "Ich kann daraus jetzt nicht ableiten, dass jemand vor 30 Jahren, als er noch gar nicht bekennender Christ war wie jetzt, … dass er deswegen nicht mehr Bischof sein könnte. Also das lehne ich ab, diese Schlussfolgerung."

Reaktion auf Online-Petition

In dem offenen Brief ist von einer Rufmordkampagne die Rede, von einer Hetzkampagne. Der Protest richtet sich auch gegen eine Gruppe Leipziger Pfarrer, die ihrerseits im September eine Online-Petition gestartet hatten, der sich bisher mehr als 1.000 Rentzing-Kritiker angeschlossen haben. Einer der Erstunterzeichner, der emeritierte Pfarrer Christian Wolff, machte nach der Rücktrittsankündigung des Landesbischofs keinen Hehl aus seiner Genugtuung:

Was ich immer schon vermutet habe, hat sich ja nun herausgestellt, dass er doch auch inhaltlich sehr stark verortet ist oder zumindest war in der rechtsnationalistischen Szene. Das ist für einen Bischof aus meiner Sicht nicht akzeptabel.

Christian Wolff | emeritierter Pfarrer

Schon mehrere Wochen gärte die Auseinandersetzung um Rentzings Mitgliedschaft in einer pflichtschlagenden Verbindung des Coburger Convents und einem Vortrag in der "Berliner Bibliothek des Konservatismus" 2013, die dem Umfeld der "Neuen Rechten" zugeordnet wird. Deren Leiter, Wolfgang Fenske, nahm zwei Jahre später auch an der Amtseinführung des Landesbischofs in Dresden teil.

Glaubwürdigkeitsproblem trotz Distanzierung

Zwar hat Rentzing sich davon distanziert, doch bleibt ein Glaubwürdigkeitsproblem, das mit dem Auftauchen der alten Texte noch verstärkt wurde. So sagte der neue Präsident des sächsischen Landeskirchenamts, Hans-Peter Vollbach:

In der Tat ist es aber eben so, dass der Umgang des Landesbischofs mit seiner Biografie und den nun zusätzlich aufgetauchten Fakten, nämlich diesen Texten, zunehmend schwierig geworden ist.

Hans-Peter Vollbach | Präsident des sächsischen Landeskirchenamts

Zwar hat er sich glaubhaft davon distanziert und sogar geäußert, sich für diese Texte zu schämen. Doch das Amt des Kirchenoberhaupts und auch die Kirche haben Schaden genommen, so ist es auch von wohlwollenden Kirchengliedern immer wieder zu hören. Gleichwohl sei die Rücktrittsankündigung eine rein persönliche Entscheidung gewesen, sagt Vollbach: "Der Landesbischof hat ja in seiner Erklärung dargelegt, dass er aus seiner Sicht aufgrund der Diskussionen und des Streits um seine Person sich nicht mehr in der Lage sieht, das Amt des Landesbischofs, welches ja auch ein einendes Amt ist, auszuüben."

Das heißt, eine Brücke zwischen den beiden Lagern innerhalb der sächsischen Landeskirche zu schlagen. Die liberal-weltoffenen, die kein Problem damit haben, homosexuelle Paare zu segnen, und die eher konservativ-bibeltreuen Christen. Letztere sind in der Sächsischen Bekenntnis-Initiative organisiert, mit Anhängern vor allem im Erzgebirge und im Vogtland.

Hartmut Berger aus Markneukirchen wünscht sich zwar, dass sein ehemaliger Gemeindepfarrer im Amt bleibt, doch er hat Zweifel:

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er unter diesen Voraussetzungen und all dem, was gewesen ist, gedeihlich weiter arbeiten könnte. Da sind zu viele Leute, bei denen die Sektkorken geknallt haben, als sein Rücktrittsangebot öffentlich wurde.

Hartmut Berger

Dennoch hatte die Bekenntnis-Initiative für Montagabend zu einer Mahnwache mit Kerzen und Posaunen eingeladen, um vor dem Landeskirchenamt für einen Neuanfang mit Landesbischof Rentzing zu demonstrieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 05:00 Uhr