Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
Für viele Kinder in Mitteldeutschland steht in Kürze der allererste Schultag an. Bildrechte: dpa

Einschulung Der variable Schulanfang in Sachsen-Anhalt

Die Sommerferien 2019 gehen in Mitteldeutschland zu Ende. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden am kommenden Samstag die Erstklässler eingeschult. In Sachsen-Anhalt dürfte es das letzte Mal sein, dass für alle Erstklässler die Einschulung am selben Tag stattfindet. Denn ab 2020 wird es in Sachsen-Anhalt keinen einheitlichen Schulbeginn mehr für sie geben.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
Für viele Kinder in Mitteldeutschland steht in Kürze der allererste Schultag an. Bildrechte: dpa

In den Gängen der Ulrich von Hutten-Grundschule in Halle ist ein anhaltendes fröhliches Summen, Lachen und Geplapper von Kindern zu hören. Die letzten Tage der Schulferien verbringen einige Schüler im Hort, während Grundschulpädagogin Thekla Mayerhofer einen Klassenraum für eine neue, erste Klasse vorbereitet. Sie erzählt: "Also es ist immer so, man läuft die Schuljahre durch und in der vierten Klasse gibt man die Kinder ab und fängt wieder neu an. Ich liebe erste Klassen. Ich mache das auch wirklich gerne."

Betreuung an den ersten Schultagen unklar

Während für die Kinder der zweiten, dritten und vierten Klasse der Unterricht schon am Donnerstag beginnt, werden die Erstklässler erst am Samstag eingeschult, um dann am Montag erstmals richtig im Unterricht zu sitzen. Wie überall im Land. Nächstes Jahr wird das dann allerdings anders aussehen. Dann soll sich jede Schule laut Bildungsministerium aussuchen können, ob sie am Samstag vor Ferienende oder nach Ferienende einschult.

Der Grund dafür liege in den ersten beiden Tagen des Schuljahres – Donnerstag und Freitag – und der Frage: Wer ist da für die Betreuung der Erstklässler zuständig, erklärt Mayerhofer. Im Grundschulbereich sei es oft so, dass die Kinder trotzdem in der Schule seien. Unter den Erstklässlern gebe es nämlich auch Hortkinder, die ab August nicht mehr in den Kindergarten gingen.

Entscheidung für Einschulungstag bei den Schulen

Doch die Hortbetreuung der Erstklässler widerspricht der Rechtslage, die lange ignoriert wurde. Kinder ab sechs Jahren sind ab dem Schuljahresbeginn am 1. August schulpflichtig. Damit ist für ihre Betreuung in der Schulzeit die Schule verantwortlich - und damit das Bildungsministerium.

'Hort' steht auf einer Kinderschere, die zusammen mit weiteren Scheren in einem Holzblock steckt.
An Schulvormittagen ist der Hort gesetzlich nicht betreuungspflichtig. Bildrechte: dpa

Dagegen sind Kita oder Hort, die zum Sozialministerium gehören, zumindest am Vormittag in der Schulzeit nicht zuständig. Wenn die Schulen die Betreuung an dem – für die Erstklässler bislang noch freien – Donnerstag und Freitag nach den Schulferien nicht gewähren können, entsteht für manche Eltern eine Betreuungslücke.

Und für Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner bleibt da nur diese variable Lösung: Man könne die Einschulung am Samstag vorher machen, wenn die Schulen das wollen würden. Dann würde der Unterricht inklusive Betreuung für alle, auch für die Erstklässler, am Donnerstag beginnen. "Wenn es aber Schulen gibt, die sagen, wir fanden das System bisher gut, zwei Tage um erstmal reinzukommen, dann kann man das optional machen und am Samstag wie bisher nach dem Schuljahresbeginn die Einschulung machen", erklärt Tullner.

Beschwerde von Kommunen löste Konflikt aus

Seit den 90er Jahren hatten sich Horte also ohne gesetzliche Grundlage an den Donnerstagen und Freitagen nach den Sommerferien um die Erstklässler gekümmert. Bis sich vergangenes Jahr Kommunen, die genauer im Schulgesetz nachgelesen hatten, beim Sozialministerium darüber beschwerten.

Bildungsminister Tullner musste also eine Lösung finden und ist nach Gesprächen mit Schulen und Eltern auf den flexiblen Einschulungstermin rund um das Ferienende gekommen:

Marco Tullner
Bildungsminister Marco Tullner Bildrechte: dpa

Ich will jetzt aber niemandem vorschreiben, dass alle am Wochenende vorher Einschulung feiern müssen, sondern das sollen die Schulen mit den Schulkonferenzen in aller Ruhe für sich selbst entscheiden.

Marco Tullner, Bildungsminister Sachsen-Anhalt

Entscheidungsfreiheit der Schulen in der Kritik

Marco Tullner will damit den Schulen und Eltern eine größtmögliche Freiheit lassen. Grundschulpädagogin Thekla Mayerhofer ist damit nicht zufrieden. Sie findet, es sei keine leichte Aufgabe, die dem Ministerium gestellt werde: "Es ist aber auch eigentlich eine Frechheit vom Ministerium zu sagen: Wir haben da ein Problem, so richtig lösen können wir es nicht. Wir wollen auch keinen unglücklich machen. Liebe Schulen, denkt euch doch mal was aus."

Das Bildungsministerium prüft derzeit, ob die Hortbetreuung nicht doch in seinen Zuständigkeitsbereich fallen könnte. Die Entscheidung darüber wird es allerdings in dieser Legislaturperiode nicht mehr geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

13 Kommentare

15.08.2019 09:25 Rosi 13

Variabler Schulanfang, jedes Jahr eine neue Erfindung.

15.08.2019 09:22 Rosi 12

Es wäre generell ein einheitliches Schulsystem in ganz Deutschland nötig.Schon in einem Bundesland wird in jeder Schule mit unterschiedlichen Lehrmitteln gearbeitet. Ist wie im Mittelalter Kleinstaaterei. Das über die Hortbetreuung soviel diskutiert werden muss ist traurig. Alle Lehrmittel müssen wieder kostenfrei werden.

15.08.2019 09:05 frank d 11

einen Haufen Stundenausfall, keine Leute, aber immer neue Zusatzaufgaben on the Top? die Plicht verpatzen aber bei der Kür die zeit verquasen natürlich ebenfalls ohne Erfolg. Wie wäre es die Verantwortlichen einmal zu selbiger zu ziehen? Ich meine die Verantwortung für deren Übernahme sie sich so gut bezahlen ließen. Nun halt auch übernehmen. Bei uns im Land hat sich eine Versagenskultur unter den Linken ausgebildet die in einem antagonistischen Widerspruch zur eigenen Bildung steht. Einbildung regiert und informiert. ein Hoch auf die Verbalmoral. Sapere Aude

14.08.2019 15:20 Fragender Rentner 10

@Ossi zu 5
Du schreibst: So langsam wünsche ich mir wirklich das DDR-Bildungssystem zurück....

Wie sagt man uns immer?

Hier herrscht eine konkurenz um das "beste Bildungssystem" zwischen den BL.

Da wollte die FDP auch vor vielen vielen Jahren ein ähnliches Bildungssystem wie in Finnland einführen, na war ja auch vor einer Wahl !!! :-(((

14.08.2019 15:19 Morchelchen 9

Vielleicht kommt man bald damit um die Ecke, erst die Kinder zu fragen, wann für sie wohl der beste Anfangszeitpunkt ist? Meine Güte, was für ein Gezerre. Wir haben jahrzehntelang damit leben können, dass die Schule am ersten Septembermontag begann. Nach der Wende kamen die verschiedenen Ferien der Bundesländer. Auch das klang noch logisch. Aber bedarf es nun wirklich dieser neuen Variante? Wie oft wird denn noch herum gebastelt werden an den Einschulungsterminen?

14.08.2019 13:42 Einschüler 8

Also-liebe Politiker,was soll denn der SCHWACHSINN? es muss doch möglich sein,die zwei Betreuungstage gesetzlich abzusichern.Warum nimmt man nicht Gelder aus dem GuteKitaGesetz für die Betreuung (Zahlung der Hortkosten vormittags)?Die Schulen sollen eigenständig darüber in der Schulkonferenz entscheiden?Bitte-ich habe in unserer Schule angerufen-die wissen noch nicht mal drüber Bescheid und die erste Schulkonferenz ist lt. Sekratariat für dez/jan vorgesehen?was soll das?wir müssen die Feier planen!Es ist ein neuer Lebensabschnitt und wird traditionell in Familie gefeiert ?Ich kann nicht erst im Frühjahr bzw vor den Ferien damit anfangen zu planen.Mann/Frau hat nicht nur ein Kind schulpflichtig und Kitakind zu versorgen!Warum verschiebt man nicht den Schulbeginn komplett für alle auf einen Montag?Kein anderes Bundesland macht so ein Quatsch!Leider sind die Familien mit Einschülern wieder mal die Leidtragenden unserer "tollen" Politik im Land?Armes SACHSEN-ANHALT!

14.08.2019 12:37 pkeszler 7

@Ossi 5: "So langsam wünsche ich mir wirklich das DDR-Bildungssystem zurück.... "
Ja "es war nicht alles schlecht", besonders die naturwissenschaftliche Bildung, wenn nur nicht die falsche Politik in diesem Bildungssystem gewesen wäre. Die Vorteile des Bildungssystems wurden leider nicht alle übernommen.

14.08.2019 11:56 Wachtmeister Dimpfelmoser 6

@ 10:09 | pkeszler: Wir sollten doch hier im Forum eigentlich schon in der Lage sein, Ironie und einen gewissen Zynismus in den Kommentaren unserer Mitstreiter zu erkennen, oder? Gleichwohl hätte es ein derartiges (In-)Kompetenzgerangel und das sich gegenseitige Zuschieben von Verantwortlichkeiten auf dem Rücken der Kinder und deren Eltern zu DDR-Zeiten nicht gegeben. Diktatorische Elemente bringen immer etwas zentralistisch Verordnetes mit sich, was aber durchaus auch Vorteile haben kann. Womit wir einmal mehr wieder bei der problematischen Floskel "es war nicht alles schlecht" wären...

14.08.2019 11:27 Ossi 5

So langsam wünsche ich mir wirklich das DDR-Bildungssystem zurück....

14.08.2019 10:09 pkeszler 4

@Wachtmeister Dimpfelmoser 3: "Bis vor kurzem hätte man noch die Margot fragen können. Die hätte alle Beteiligten ob dieses Schwachsinns für verrückt erklärt. Und damit hätte sie nicht mal unrecht gehabt."
Schwachsinn haben Sie jetzt geschrieben, denn Margot Honecker als Bildungsministerin der DDR hatte doch von Kindern keine Ahnung. Ihr ging es nur darum, dass die sozialistische Politik der DDR in den Schulen richtig vermittelt wurde. Und das hat sie auch noch nach der Wende in Chile ständig vertreten.