Der Sächsische Landtag, 2012
Immer mehr junge Leute wollen in den sächsischen Landtag, um sich dort für die Themen der jungen Generation einzusetzen. Bildrechte: dpa

Landtagswahl Sachsen Immer mehr junge Menschen auf Landeslisten vertreten

In den Parlamenten wollen immer mehr junge Politiker mitmischen – auch im sächsischen Landtag etwa, der in knapp drei Wochen neu gewählt wird. Und auf den Listen der Parteien stehen bemerkenswert viele Kandidierende "U30".

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Der Sächsische Landtag, 2012
Immer mehr junge Leute wollen in den sächsischen Landtag, um sich dort für die Themen der jungen Generation einzusetzen. Bildrechte: dpa

Die kleine Stadt Meerane an der Grenze zu Thüringen, es regnet. Leon Köhler sitzt unter einem Sonnenschirm im Garten seines Elternhauses. Mit 18 Jahren ist er laut MDR-Kandidatencheck der jüngste Listenbewerber für die Landtagswahl.

Jüngster Kandidat der FDP

Köhler kandidiert für die FDP. Denn: "Erfolg und Leistungsstreben finde ich gut, weil dann erreicht man auch was. Und ich finde, der Markt regelt viele Dinge sehr viel besser als der Staat."

Er hat dieses Jahr Abi gemacht – arbeitet als Barkeeper, hat eine eigene Marketingfirma und kümmert sich für einen Bundestagsabgeordneten um Social Media. Digitalisierung ist eins seiner Hauptthemen und auf Plakaten wirbt Köhler mit dem Slogan "Frischer Wind".

Mehr Chancen, was zu verändern

Leon Köhler, FDP
Leon Köhler ist der jüngste Kandidat der FDP zur Landtagswahl. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

In seiner Kandidatur sieht er die Chance für seine eigene Zukunft zu kämpfen, denn es brauche Leute, die in ihrem Leben noch was vorhaben. "Jemand, der jetzt mit 50 oder 60 Jahren reinkommt, sieht die Radieschen von unten, bevor er was bewirkt und sich in den Mühlen der Demokratie sich bewegt hat."

Zugespitzt wohl, aber Köhlers Punkt wird klar. Er will etwas bewegen – anders und schneller als die aktuellen Abgeordneten und die sind im Schnitt 50 Jahre alt.

Immer mehr junge Menschen kandidieren

Genau wie der langjährige sächsische FDP-Chef Holger Zastrow, der in Dresden eine PR-Agentur leitet. An ihm schätzt Köhler, dass er noch was erreichen und den Freistaat voranbringen wolle. "Seine Art und Weise ist nicht ganz meine – das ist eben auch so ein Generationending. Weswegen es einen Mix im Landtag braucht."

Dem Statistischen Landesamt zufolge kandidieren 60 unter 30-Jährige auf den Listen für den Landtag – so viele wie seit 1990 nicht. Die meisten kommen von Linken, dann Grünen und dann der Satire-Partei "Die Partei". FDP und SPD stellen je sieben, die CDU zwei, die AfD keinen Kandidierenden unter 30.

Aussicht auf Mandat

Aussicht auf ein Mandat hat mit Listenplatz 35 aber auch Köhler von der FDP kaum. Anders als die Grüne Lucie Hammecke.

Lucie Hammecke, Bündis 90/ Die Grünen
Lucie Hammecke wäre die jüngste Abgeordnete im neuen Landtag, wenn sie gewählt werden würde. Bildrechte: David Brandt

Sie sieht die erhöhte politische Partizipation von jungen Menschen durch die Klimakrise mit begründet – denn viele von ihnen hätten begriffen, dass es ein dringendes Problem sei. "Und warum haben sie es begriffen? Naja, weil sie halt von der Klimakrise noch sehr viel länger betroffen sein werden."

Hammecke ist 22 Jahre alt, hat gerade ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft abgegeben und in der Grünen-Fraktion im Dresdner Stadtrat gearbeitet. Mit Platz neun auf der Liste hat sie Aussichten darauf, als jüngste Abgeordnete in den neuen Landtag einzuziehen.

Landtag muss auch Interessen junger Menschen vertreten

Es sei wichtig, dass die Besetzung des Landtags die Bevölkerung widerspiegele – und das betreffe die Diskurse und Interessen.

Ihr sei bewusst, dass sie nicht alle Interessen der jungen Menschen in Sachsen vertreten könne. Aber: "Ich denke doch, dass ich zumindest Diskurse und Interessen von Menschen, die Grün wählen, vielleicht auch besser vertreten kann als manch älterer Herr."

Vielleicht kandidieren auch deshalb dieses Jahr mehr Frauen denn je auf den U-30-Landeslisten – insgesamt machen sie nun ein Drittel aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 06:00 Uhr

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18 Kommentare

12.08.2019 22:14 Dieter 18

Wichtiger als das Alter sind Verantwortung und Kompetenz- beides ist häufiger vertreten bei Menschen, die schon in einem Beruf gearbeitet und etwas geleistet haben. Auf die Lucie (22) mit dem Bachelor in Politikwissenschaften trifft das nicht zu- ihr würden ein paar Jahre in einem versicherungspflichtigen Job gut tun.

mattotaupa 16:
Ihr sprachlich und inhaltlich konfuser Beitrag 16 ist vermutlich gegen die AfD gerichtet. Haben sie auch ein echtes Argument, das sie klar formulieren können?

12.08.2019 18:11 Phrasenhasser 17

"Kinder an die Macht", hat doch einst ein unbedarfter Schlagerbarde gesungen, oder? Was dabei heraus kommt, dürfte uns Lebenserfahrenen bereits klar sein. Wir erleben es ja seit Monaten, was die Greta-Jünger fordern: Kohleausstieg, Fleischverzicht, usw.. Uns sei im wahrsten Sinne des Wortes Gott vor, dass Jung und Naiv ein Mitspracherecht in der Regierung bekommt, denn es reicht ja bereits Alt und Naiv. Dieser Typus hat uns bislang genug eingebrockt. Noch mehr an Fehlentscheidungen und wir sind in 8 Jahren (so lange gibt uns Göring-Eckardt noch) zwar klimamäßig noch in guter Verfassung, aber finanziell ruiniert.

12.08.2019 16:32 mattotaupa 16

@#3: "Wir brauchen Macher in der Politik -was wir nicht brauchen sind Grünschnäbel und Anfänger." wer ist wir? dachte bislang, daß die wähler die entscheidung treffen dürfen und nicht sie. grünschnäbel und anfänger? also solche, die keine simplen listen erstellen können oder die rußlanddeutschen jetzt kindererziehungsleistungen wegnehmen wollen (vor kurzem gabs noch russische wahlprogramme) oder die den tankbesuch im nachbarland unnötig mit personen- und güterkontrollen verlängern möchten oder ne 10%-quote für nicht deutschsprachige kinder in kitas einführen wollen (kleine kinder sprechen viel aber wenig erkennbares deutsch) und anderen die spracherlernung verwehren wollen (kann man sich ja später wieder drüber aufregen) oder die sachsen wieder regionale studientitel verpassen möchte, die international nichts bringen? jo, solche anfänger und grünschnäbel braucht niemand.

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12.08.2019 14:21 B 15

@ 8 genauso ist es , keinerlei Ahnung, keine Erfahrungen, keine Ahnung vom normalen Leben was alles auf einem zukommen kann, keine Ahnung sich durchzusetzen weil andere lanjährige Politiker sich von dem jungen Gemüse nichts sagen lassen, diese sollen erstmals ihr leben vernünftig in die Reihe bringen ohne Politik !

12.08.2019 13:20 baldur von ascanien 14

Die einfachste Art und Weise auf lange Sicht ein hervorragendes Salär zu bekommen, ein Feigenblatt findet sich immer. Auch ohne Abschluss oder gar Beruf, warum auch nicht. Eine Frau KGE macht es doch erfolgreich vor, ohne Grundwissen, einfach nur aus dem KGE -Bauch, wie REXt sagte, dann mal ran an die Tröge.

12.08.2019 13:07 na so was 13

Leon Köhler 18 Jahre, Lucie Hammecke , zwei Beispiele, die ganz jung in den sächsischen Landtag einziehen wollen. Welche Lebenserfahrung können sie einbringen, welche Ratschläge wollen sie Fragestellern geben ? Was soll das ? Wohin so etwas führen kann, sehen wir alle jetzt und heute. Kurzer Lebenslauf der Frau Roth (Grüne), Bundestagsabgeordnete, Studium abgebrochen, Berufsabschluss ? Nein ! Frau von der Leyen (CDU), null Ahnung von der Armee, aber Verteidigungsministerin, 155 Millionen Euro im vergangenen Jahr an Beratern verschleudert, ist ja nur Steuergeld, jetzt EU-Beiratsvorsitzende nach dem Motto, wo kann sie den wenigsten Schaden anrichten, Frau Karrenbauer (CDU), neuester Posten, Verteidigungsministerin, Fachwissen über Fachwissen auf diesem Posten, und wir bezahlen das alles mit unseren Steuerabgaben. Und alles das begründet uns dann die Jugend ! 12.08.2019, 13:07

12.08.2019 12:42 Wo geht es hin? 12

Da es in diesem Artikel ja um Kandidaten für die LT - Wahl geht: ich vermisse die Meldung, dass gestern am Albertplatz einer dieser Kandidaten bei der öffentlichen Vorstellung seiner Person und seiner politischen Ziele an seinem Wahlstand tätlich angegriffen wurde. Ups: ich sehe gerade, der ist ja nur Direktkandidat der AfD - also alles völlig normal und keinerlei Meldung, geschweige denn einen "Aufschrei der Anständigen" wert...

[Lieber "Wo geht es hin",
völlig normal ist der von Ihnen angesprochene Angriff natürlich nicht. Gewalt in jeder Form ist zu verurteilen.
In diesem Artikel geht es allerdings nicht um Gewalt gegen Politiker, auch darüber haben wir bereits mehrfach berichtet (z.b. hier: https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/c/video-266500.html), sondern explizit um das politische Engagement junger Menschen.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

12.08.2019 11:58 frank d 11

Das passt zu unserem Land, warum nicht Kinder? versteht mich nicht falsch ich mag junge Menschen, allerdings sollten sie zuerst einmal etwas leisten sich beruflich beweisen Erfahrungen sammeln. BEVOR sie dann den anderen als Legislative vorschreiben wollen nach welchen Regeln alle zu leben haben. Engagement in allen Ehren aber Erfahrung Wissen Bildung, dass ist nicht angeboren. Nur mal so nebenbei bemerkt. Sapere Aude

12.08.2019 11:31 Anja 10

seine Partei kann er sich an die Esse schreiben die will ja keiner mehr wählen
das würd nichts werden, solange diese nur für die Mittelschicht da sind und für die Reichen.

12.08.2019 11:26 W.Merseburger 9

Ich finde es sehr gut, wenn wirklich junge Leute sich als Kandidaten (heute Kandidierende) aufstellen lassen. Das Land braucht auch dringend Ideen junger Menschen. Und nun für alle Besserwisser: Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Und Alter schützt vor Torheit nicht.