Exklusiv Immer mehr Waffenbesitzer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Immer mehr Menschen sind Besitzer von Waffen. Das geht aus Daten der Innenministerien aus den drei mitteldeutschen Ländern hervor, die der MDR ausgewertet hat.

Hände laden eine Schreckschuss-Pistole «Walther P22» mit einem Magazin.
Auch die Anzahl der Kleinen Waffenscheine ist in den drei Ländern gestiegen. Bildrechte: dpa

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Zahl der Waffenbesitzer in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das geht aus Daten der Innenministerien hervor, die der MDR ausgewertet hat. In Sachsen waren Ende 2019 rund 30.300 Menschen registriert, die mindestens eine erlaubnispflichtige Schusswaffe besitzen, im Jahr 2014 waren es noch rund 26.500. In Sachsen-Anhalt erhöhte sich die Zahl der Waffenbesitzer von 2015 bis 2019 um rund 1.000 auf rund 25.100. In Thüringen gibt es insgesamt rund 26.800 Waffenbesitzer.

Gleichzeitig befinden sich immer mehr Waffen und Waffenteile in privatem Besitz. In Sachsen waren es Ende 2019 rund 157.000, 2014 noch rund 134.000. In Thüringen stieg die Zahl der Waffen und Waffenteile in privatem Besitz von rund 126.000 auf rund 135.000. Für Sachsen-Anhalt gibt es nur Zahlen für das vergangene Jahr: Dort waren insgesamt 129.000 Waffen und Waffenteile in privatem Besitz. Für Erwerb und Besitz von Waffen und Waffenteilen sind Waffenbesitzkarten notwendig, grundsätzlich können Inhaber solcher Besitzkarten auch Inhaber mehrerer Waffen sein.

Extremisten: Verfassungsschutz überprüft Besitzer

Die Anzahl der Kleinen Waffenscheine stieg im gleichen Zeitraum in den drei Ländern um etwa das Dreifache auf zusammen rund 45.000. Kleine Waffenscheine berechtigen zum Tragen von sogenannten Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen (SRS-Waffen) in der Öffentlichkeit.

Anfang September war eine Änderung des Waffenrechts in Kraft getreten. Künftig bekommen jede Waffe und jedes Waffenteil eine Nummer, um deren gesamten Lebenszyklus verfolgen zu können. Bestimmte große Magazine sind nun verboten, Waffenbesitzer müssen außerdem alle fünf Jahre ihr "Bedürfnis für den Besitz" nachweisen. Außerdem überprüft der Verfassungsschutz bereits seit Februar, ob ein künftiger Besitzer einer Waffe oder Inhaber eines Waffenscheins als Extremist bekannt ist.

Eine Gesetzesänderung, die bisher auf weitestgehend positive Resonanz trifft, etwa bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen-Anhalt. "Jede Verschärfung des Waffenrechts kommt uns entgegen", sagte der Landesvorsitzende Uwe Bachmann dem MDR. Gleichzeitig monierte er, dass es zum Beispiel über den Onlinehandel heute leichter sei, an Waffen zu kommen. "Jede Waffe, die im Umlauf ist, ist eine Gefahr", sagte Bachmann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 20:14 Uhr