Der Fraktionsvorsitzende der Partei die Linke im Landtag in Thühringen, Bodo Ramelow (l) und Mike Mohring, Fraktionschef der CDU in einer öffentlichen Gesprächsrunde.
Auch schon zusammen fotografiert worden: Bodo Ramelow (Linke) und Mike Mohring (CDU). Bildrechte: dpa

Thüringen Mohring hadert mit Ramelows Nähe zu CDU-Kollegen

Im noch jungen Wahlkampf in Thüringen feuert CDU-Kandidat Mohring schon massiv in Richtung Ministerpräsident Ramelow. Dabei trifft die Kritik auch seine eigene Partei, denn Mohring hadert mit Ramelows Nähe zu CDU-Leuten.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Thüringen

Der Fraktionsvorsitzende der Partei die Linke im Landtag in Thühringen, Bodo Ramelow (l) und Mike Mohring, Fraktionschef der CDU in einer öffentlichen Gesprächsrunde.
Auch schon zusammen fotografiert worden: Bodo Ramelow (Linke) und Mike Mohring (CDU). Bildrechte: dpa

Lobende Worte von Sachsens CDU-Ministerpräsident Kretschmer, Fotos auf denen Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn anstrahlt: Als Thüringens Ministerpräsident trifft Bodo Ramelow ständig auf CDU-Politiker - und die scheinen ihm oft wohlgesonnen. So auch Daniel Günther, CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, mit dem Ramelow kürzlich ein gemeinsames Interview gegeben hat.

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender, sitzt im Plenarsaal bei einer Sondersitzung des Thüringer Landtags zur Schlösser-Stiftung auf Antrag der CDU-Fraktion.
Mike Mohring (CDU) will nicht, dass sich andere CDU-Politiker so freundlich mit Bodo Ramelow (Linke) zeigen. Bildrechte: dpa

Das kam nicht bei allen gut an. Vor allem nicht bei Mike Mohring, Chef der Thüringer CDU und Ramelows Herausforderer um den Posten des Thüringer Ministerpräsidenten. Bei "Markus Lanz" im ZDF stellte Mohring in Frage, ob so ein Interview vier Monate vor der Landtagswahl sein müsse. Er habe den Wert nicht erkannt.

Über Ramelow sagte er in der Sendung: Er schmeiße sich jedem CDU-Politiker so schnell an den Hals, so schnell könnten die gar nicht wegrennen. Weil Ramelow zeigen wolle, dass er in der Gesellschaft angekommen sei. Er brauche da "so ein bisschen diese Bestätigung".

Ramelow: Initiative ging auch von Mohring aus

Er selbst habe die Sendung nicht gesehen, sagt Ramelow. Auf die Frage, ob er sich denn als einer von den Vielen präsentieren wolle, antwortet Ramelow:

Ich bin Ministerpräsident von Thüringen und das bin ich für alle Bürger dieses Freistaats. Also auch für Herrn Mohring.

Bodo Ramelow (Linke), Thüringens Ministerpräsident

Dessen Vorwurf, er würde sich jedem CDU-Politiker an den Hals werfen, nennt Ramelow befremdlich: Er wisse nicht, was er auf solche Bewertungen sagen solle. "Wenn ich mit Herrn Mohring wandern gehe, dann ist er auch mit auf dem Bild und dann hat er das entschieden, dass er mit mir wandern geht." Wenn Mohring ihm zum Geburtstag eine Wanderung einen ganzen Tag lang schenke, dann sei die Initiative von ihm ausgegangen. Das war allerdings vor drei Jahren, als die nächste Landtagswahl noch in weiter Ferne schien.

Wahlumfragen: CDU und Linke fast gleichauf

Jetzt sind es, wie erwähnt nur noch vier Monate. Und aktuelle Wahlumfragen zeigen: Für Rot-Rot-Grün würde es momentan nicht reichen. Die CDU liegt zwar vorne, ist aber dicht gefolgt von der Linken.

Daniel Günther (r, CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und Bundesratspräsident, und Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, unterhalten sich zu Beginn der Sitzung des Bundesrats.
Für Mike Mohring zu freundlich: Ramelow und Günther gaben ein gemeinsames Interview. Bildrechte: dpa

Auf Platz drei ist die AfD, mit der weder Ramelow noch Mohring koalieren wollen. Es dürfte also eine spannende Wahl werden, bei der jede Stimme zählt.

Das weiß Bodo Ramelow, der sich als Linken-Landesvater präsentiert und sich auch mit CDU-Ministerpräsidenten gut versteht. Und das weiß natürlich auch Mike Mohring. Am Montag vor der CDU-Präsidiumssitzung gab es wegen des Ramelow-Günther-Interviews ein Sechs-Augen Gespräch: Zwischen Mohring, Daniel Günther und Annegret Kramp-Karrenbauer. Knatsch habe es aber nicht gegeben, sagt Mohring.

Alle wissen um die Bedeutung der Wahlen im Osten und alle helfen mit dabei. Daniel Günther, Annegret Kramp-Karrenbauer, Markus Söder, Angela Merkel. Alle werden mit dabei sein und werden mithelfen.

Mike Mohring, CDU-Thüringen-Chef

Auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder wird Ramelow übrigens Anfang Juli treffen – zum Tag der Franken im thüringischen Sonneberg.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juni 2019 | 07:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2019, 05:00 Uhr

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35 Kommentare

25.06.2019 14:33 AnitaT 35

Was mich seit langem wundert, wie manche Zeitgenossen für "alle in Osten" reden können. "Osten" ist doch genau so pluralistisch wie der vermeintliche "Westen". Gerade die AfD Anhänger vertreten doch die klare Minderheit! Mehr als 4 von 5 Bürgern in östlichen Bundesländern sind eben nicht ihrer Meinung. Die Partei agiert mit zwei Gesichtern; als demokratische Partei, die jedoch extreme demokratiefeindliche Elemente in seinen Reihen duldet. Zu diesem befremdlichen zweiten Gesicht gehört auch aberwitzige Elemente, die esoterisch angehaucht sind und Mythen gebunden. Man stelle sich einen Landtag vor, wo an der linken Flügel die Gebetsteppiche Richtung Mekka ausgerollt werden und an der Rechten Richtung Kyffhäuserberg niedergekniet wird. ...Satire... Aber im Ernst. So lange die AfD nicht willens ist, von den extremen Elementen zu trennen, ist durch die Kakophonie die verfassungskonforme Parteistimme nicht wahrnehmbar.

25.06.2019 12:10 Paul21 34

Die CDUler predigem immer irgend etwas von unserer Demokratie, die meinen ihre Demokratie, die ist aber leider keine wirklich gute Demokratie, denn wirkliche Demokratie sieht anders aus und hat mit unserer ach so tollen Demokratie wenig zu tun.
Wer mit demokratisch gewählten Parteien nix zu tun haben will, ist mehr als undemokratisch und könnte nach der SPD sein blaues Wunder erleben. Diese ewig gestrigen...Satire...!

24.06.2019 17:48 REXt 33

@31 Morchelchen, genau meine Meinung, da sprach AKK schon so als ob der mutmaßlich Täter überführt ist! Eine Frechheit sondern gleichen! Und die AFD in Spiel bringen, paßt ja, wird nur zum Rohrkrepierer werden, zumindest im OSTen glaubt man solchen plumpen Propagandisten nicht mehr.

24.06.2019 17:44 Breakpoint 32

@Anita T (30) --- Ihr Ehemann steht sicher immer ehrlich zu sich selbst. Ist Ihnen das wichtig? Ja? Gut. --- Und bei einem MP-Kandidaten "interessiert Sie das nicht im Geringsten". Hauptsache eine "blendende" Erscheinung und vollmundige Versprechungen "zum Wohle des Landes" ? --- Kann man so große "Beliebtheit" beim Wahlvolk erringen? --- Bis jetzt offenbar nicht.

24.06.2019 15:58 Morchelchen 31

Dass die CDU sich ordentlich Mühe gibt, die Linken verbal zu überholen, konnte man an Taubers Äußerung merken hinsichtlich der Ausbürgerung. Sowas hat man nicht mal als Vorschlag für die ausländische Täter gehört, die hier vor einiger Zeit Terroranschläge
verübten... Und gestern setzte KKK noch eins drauf, indem sie den aufgesetzten Kopfschuss bei Lübcke mit der AfD in Verbindung brachte, also indirekt, doch sehr misslich für eine als Kanzlerin gehandelte Vorbildfunktionärin der CDU. Somit wird sich wohl auch diese gewisse CDU-Fraktion unter Linken wohl fühlen, also zumindest mit linker Argumentation, Herr Mohring. Dass sowas viele konservative vergraulen wird, muss dann halt in Kauf genommen werden.

24.06.2019 14:51 AnitaT 30

(zu Breakpoint) Ganz ehrlich? Welche XY jemand ist, interessiert mich nicht im Geringsten. Höchstens bei meinem Ehemann. Ein Ministerpräsident soll zum Wohle des Landes regieren. Punkt.

24.06.2019 14:38 W. Merseburger 29

Sowohl in Thüringen als auch im Bund "droht" eine Koalition zwischen der CDU und den Grünen, im Bund natürlich noch mit der Kohleausstiegspartei CSU (Markus Söder). Was das bedeutet sollte aber allen Träumern klar sein. Die CDU muss grüne Projekte mtitragen und das wird salopp gesagt schweineteuer, narürlich nur für den Steuerzahler.

24.06.2019 14:23 eatir 28

(zu Arya Stark)
Durch meine berufliche Tätigkeit hatte ich mit den befremdlichen Wasserschutzgebieten aus der DDR Zeit zu tun. Anders als in der DDR, werden Schutzgebiete in Demokratie durch Abwägung festgesetzt. Das garantiert die Entwicklungsfähigkeit der Kommunen und ermöglicht wirtschaftliche Dynamik.

24.06.2019 14:02 eatir 27

(zu Arya Stark)
Wenn die Messlatte in der Vergangeheit angesetzt wird,
ist Stillstand gut genug.Reicht das? Der Bevölkerungzuwachs basiert doch nicht auf Rückkehr von abgewanderten Fachkräften, sondern auf Zuwanderung von Ausländern und Asylanten. Gerade heute konnten wir lesen, dass gerade diese Bevölkerungsgruppen in a-typischen Arbeitsverhältnissen zu finden sind. Die Statistik offenbart auch, dass Unternehmensgründungen kontinuerlich zurückgehen. Dass Patentanmeldungen in Thüringen weit hinter westlichen Bundesländern liegen, lässt die Vermutung zu, dass Thüringen seine jungen Akademiker ebenso verliert. Das ist eine unheilvolle entwicklungspolitische Schieflage, die durch Stillstand nicht besser wird.

24.06.2019 10:47 Thorsten Pfeifer 26

Mögliches Szenario; SPD fällt weg, Grün reicht nicht. Wenn nur noch Linke, CDU und AfD möglich sind. Was fällt Herr Mohring dann ein? Die Antwort im Interview mit Redaktionsnetzwerk Deutschland, das CDU Politiker aus Sachsen-Anhalt das "soziale und nationale" lieber versöhnen wollen "das klingt nicht nach unserer Welt" Antwort v. Hr.Mohring ist keine definitive Absage wie bei AKK, aus meiner Sicht. Wem fällt er dann um den Hals? Vielleicht kann der Großinquisitor seiner Majestät helfen, er ist ist ja nun um "Toleranz" als Brückenbauer bemüht. Sicherlich findet sich eine salbungsvolle, von der Kanzel stammende, Worthülse die in Thüringen gut ankommt.