Reportage So denkt Sachsen - Ein Land vor der Wahl

Ein Film von Heike Römer-Menschel und Benjamin Arnold

Das große Exakt-Wahlextra vom MDR-Landesfunkhaus Sachsen bildet wenige Tage vorm Urnengang die Stimmungslage im Freistaat ab. Grundlage der Sendung sind Tiefeninterviews mit Wählern in Freiberg.

Das große Exakt-Wahlextra vom MDR-Landesfunkhaus Sachsen bildet wenige Tage vorm Urnengang die Stimmungslage im Freistaat ab. In enger Zusammenarbeit mit dem Wahlforschungsinstitut infratest dimap ist eine spannende Stunde Fernsehen entstanden. Grundlage der Sendung sind Tiefeninterviews mit Wählern in Freiberg. Die Bergstadt lag bei der letzten Landtagswahl am dichtesten am landesweiten Ergebnis und fungiert somit als Muster-Kommune für das ganze Bundesland. Eine Wahlforscherin hat die Tiefeninterviews geführt, aufgenommen wurden sie von Fernsehkameras. Im eigens zu diesem Zweck aufgebauten Meinungslabor äußerten sich die Menschen sehr offen über ihre politischen Einstellungen und ihr beabsichtigtes Wahlverhalten.

Säulendiagramm
Verblüffend ähnlich: das Ergebnis der letzten Landtagswahl im Freistaat und in Freiberg. Bildrechte: MDR SACHSEN

So denken die Freiberger

Wiebke Binder 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Befragten äußerten Wut und Enttäuschung, aber auch nachdenkliche, analytische Gedanken. Die Versäumnisse in der Bildung, eine überbordende Bürokratie, das anhaltende Lohngefälle zwischen Ost und West und eine gefühlte Ungerechtigkeit in der Gesellschaft wurden kritisiert. Auch das Erstarken der AfD spielte in den Gesprächen eine große Rolle. "Das sind alles Protestwähler und wenn die nicht endlich losmachen, passiert hier ein Unglück." Auf diese Befürchtung einer 62-Jährigen antwortet ein anderer: "Man muss nachdenken, wo führt der Protest hin. Das ist gefährlich, man hat die Stimme abgegeben, irgendwo sitzt dann doch jemand an der führenden Position in einem Parlament und macht mit uns, was er will."

Bildergalerie Darum geht's in der Sendung

Blick über Freiberg
Für die Sendung ist die Redaktion nach Freiberg gefahren, weil das Stadt-Ergebnis bei der letzten Landtagswahl dem des gesamten Freistaats sehr ähnlich war. Bildrechte: MDR/Ina Klempnow
Blick über Freiberg
Für die Sendung ist die Redaktion nach Freiberg gefahren, weil das Stadt-Ergebnis bei der letzten Landtagswahl dem des gesamten Freistaats sehr ähnlich war. Bildrechte: MDR/Ina Klempnow
Wahlextra
Zunächst kommen in der Sendung verschiedene Freiberger zu Wort. Im Meinungslabor stellen sie sich den Fragen einer Wahlforscherin von infratest dimap. Bildrechte: MDR SACHSEN
Blick auf ein Firmengelände
Auf dem ehemaligen Firmengelände von Solarworld sprechen wir mit der früheren Betriebsratsvorsitzenden. Die Ursachen für die Insolvenz sieht sie auch in der Politik. Bildrechte: MDR SACHSEN
Schüler sitzen in einer Aula
In einer Schule fragen wir bei Erstwählern nach, was sie sich in Zukunft von der Politik wünschen. Bildrechte: MDR SACHSEN
Essenausgabe in einem Pflegeheim
Das Thema Pflege beschäftigt viele Menschen - auch in Freiberg. Wo klemmt es? Was muss getan werden? Diese Fragen stellen wir in einem Pflegeheim. Bildrechte: MDR SACHSEN
Eine Frau holt Wurst aus einer Fleischtheke
In einer Fleischerei thematisieren wir die aktuellen Herausforderungen von Handwerksbetrieben. Ein großes Problem sei unter anderem die Bürokratie. Bildrechte: MDR SACHSEN
Eine Kameramann filmt eine Frau beim Moderieren, im Hintergrund ist eine Stadt zu erkennen
Durch die Sendung führt wie gewohnt die Exakt-Moderatorin Wiebke Binder. Bildrechte: MDR/Ina Klempnow
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Politikwissenschaftler erwartet spannende Wahl

Politikexperte und Wahlforscher Prof. Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin analysiert die Meinungsäußerungen und ordnet sie ein. "In die wegweisenden Entscheidungen, die in Bundesparteien getroffen werden, fließen in nur geringem Anteil ostdeutsche Interessen ein. Das war lange eine Chance für die Linkspartei, weil sie sich exklusiver um die Interessen ostdeutscher Menschen kümmern konnte. Aber auch die AfD schafft es heutzutage diese ostdeutschen Erwartungen, Wünsche gezielter anzusprechen und dann ist es naheliegend, dass sich Menschen dort ernst genommen fühlen und das wählenswert finden."

Wahlen in Ostdeutschland sind immer weniger vorhersagbar. Die Wählerinnen und Wähler sind beweglicher in ihrem Wahlverhalten. Deswegen sind die Wahlen besonders spannend, weil man nie so genau weiß, was am Ende passiert.

Prof. Thorsten Faas Politikwissenschaftler, Freie Universität Berlin

Die Interviews aus dem Meinungslabor werden mit Reportagen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten komplettiert. Moderatorin Wiebke Binder nimmt die Zuschauer mit zu den Freibergern. Mitarbeiter in einem Pflegeheim erzählen von ihren Alltagssorgen und ihren Forderungen an die Regierenden. Abiturientinnen beklagen das braune Image Sachsens, die ehemalige Betriebsratsvorsitzende von Solarworld fordert durchdachtere Politikkonzepte.

Sechs Portraitfotos in einer Collage 2 min
Bildrechte: MDR SACHSEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - extra | 21. August 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 14:45 Uhr