Rathaus in Waldenburg
Auch im Rathaus in Waldenburg können im Mai zur Kommunalwahl wieder über 6.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Das Problem: Der Gemeinde fehlt es an Wahlhelfern, um die Stimmen auszuzählen. Bildrechte: MDR/ Christine Reißing

Superwahljahr 2019 Freiwillige Wahlhelfer gesucht

2019 ist ein Superwahljahr für Thüringen und Sachsen. Neben den Landtagswahlen stehen die Europawahl und Kommunalwahlen an. Heißt, es werden viele freiwillige Wahlhelfer gebraucht. Doch die fehlen mancherorts noch.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Rathaus in Waldenburg
Auch im Rathaus in Waldenburg können im Mai zur Kommunalwahl wieder über 6.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Das Problem: Der Gemeinde fehlt es an Wahlhelfern, um die Stimmen auszuzählen. Bildrechte: MDR/ Christine Reißing

Veronika Liesaus ist Erzieherin, frisch im Ruhestand, eine quirlige Person. Die vergangenen 20 Jahre hätten sie und ihr Mann jede Wahl in Waldenburg als Helfer begleitet, erzählt sie. "Wir machen das eigentlich aus Leidenschaft. Schon weil wir zu Waldenburg gehören. Wir sind beide hier geboren und wir fühlen uns da auch der Stadt verpflichtet."

Wahllokale unterbesetzt

Sie ist eine von 34 Wahlhelfern, die sich freiwillig für den 26. Mai gemeldet haben, wenn die Europawahl und die Kommunalwahlen anstehen. Aber das reiche nicht, sagt die Waldenburger Amtsleiterin Katrin Ritter an. Insgesamt brauche sie 62 Helfer.

Deshalb versuche man darauf aufmerksam zu machen. Ritter erklärt: "Wir haben jetzt in unserem aktuellen Amtsblatt noch mal einen Aufruf gestartet, haben es auch auf der Internetseite stehen und hoffen, dass sich noch Leute melden. Ansonsten müssen wir eben mit den städtischen Angestellten die Wahllokale auffüllen." Denn ganz allein könne die Stadt eine Wahl nicht stemmen.

Kaum Anerkennung für Hilfe

Wahlhelferinnen aus Waldenburg
V.l.n.r.: Amtsleiterin Katrin Ritter, Wahlhelferin Veronika Liesaus, Wahlhelferin Diana Friedemann, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Angela Billing Bildrechte: MDR/ Christine Reißing

Waldenburg verwaltet zwei Gemeinden mit, hat rund 6.000 Wahlberechtigte. Auf Bundesebene gebe es für treue Helfer immerhin Urkunden und Ehrennadeln – auf Kommunalebene nicht, erklärt Ritter. Die Anerkennung der Wahlhelfer bliebe den Kommunen überlassen und das "ist ja immer auch eine finanzielle Frage."

Das sogenannte Erfrischungsgeld liegt in Waldenburg je nach Verantwortung zwischen 30 und 60 Euro. Stuttgart etwa zahlt doppelt so viel.

Lange Nacht im Wahllokal

Aus dem Geld mache sie sich aber nicht viel, beteuert Wahlhelferin Liesaus. Selbst wenn es die Vergütung nicht gebe, würde sie trotzdem helfen, denn es sei nur ein Tag und es finde ja nicht jedes Jahr statt. Liesaus gibt aber zu bedenken, dass es manchmal schon lange dauere.

Von acht bis 18 Uhr haben die Wahllokale geöffnet, die Helfer arbeiten in zwei Schichten. Danach wird ausgezählt, meist bis in die Nacht.

Freiwillige schwer zu finden

Angela Billing von der Stadtverwaltung sorgt sich da um die Zukunft, denn die Wahlhelfer werden älter oder ziehen weg. "Wir sind froh über jeden, der zuzieht und sagt: Mensch, ich will mich engagieren in meiner Heimatstadt." Freiwillige zu finden sei immer schwieriger geworden.

Statistiken darüber gibt es aber nicht. Womöglich spielt auch eine Rolle, was gewählt wird. EU-Wahlen seien insgesamt unbeliebter als Bundes- und Landtagswahlen, sagt Amtsleiterin Ritter.

Letztere seien für die Wahlhelfer auch leichter zu zählen. Denn statt der Erst- und Zweitstimme habe man bei einer Kommunalwahl drei Stimmen, erklärt Ritter und die müsse man nicht alle vergeben. Diese Stimmen könne man nur einem Kandidaten geben oder man könne sie auf drei Kandidaten aufteilen. Das sei dann schon anspruchsvoller.

Bald Pflicht?

Blieben eines Tages die freiwilligen Wahlhelfer weg, dann könnten Bürger zu der Aufgabe sogar verpflichtet werden. Bisher ist dafür in Sachsen aber noch kein Fall bekannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

06.03.2019 18:34 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 13

schon etwas drollig - Deutschland wählt seit 70 Jahren demokratisch - seit 30 dürfen das auch Ostdeutsche die wie vernarrt nach Beitritt die Wahlurnen stürmten braunblau eingefärbte mit denen niemand regieren, die Volk und Europa spalten will und die kein demokratisches und schon gar kein klimagerechtes oder soziales Konzept hat wird hier seit Monaten künstlich hofiert, und gewählte Volksvertreter diffamiert.

06.03.2019 14:53 Mario K. 12

An Peter (11): da können Sie ganz beruhigt sein. Sowohl AfD als auch Pegida haben vor den letzten Wahlen regelmäßig dazu aufgerufen, die Auszählungen zu überwachen oder gleich als Wahlhelfer tätig zu werden. Vielleicht auch ein Grund, weshalb die "Versehen" korrigiert werden konnten. Sinnvollerweise sollten allerdings Anhänger verschiedener politischer Ansichten die Auszählungen durchführen, um jeglichen Unstimmigkeiten entgegenzuwirken.

06.03.2019 09:26 Peter 11

Es ist schon interessant, welche Verschwörungsszenarien so in den Köpfen herumgeistern.
Ich hätte da eine Antwort: Die AfD Sachsen hat so um die 1.700 Mitglieder. Warum ordnet die nicht an, dass Alle als Wahlhelfer die Ordnungsmäßigkeit der Wahlen überwachen?
Allerdings glaube ich nicht, dass die AfD so etwas tun wird. Warum? Die Truppe schürt selbst gern Verschwörungsszenarien.

05.03.2019 15:05 Zeitgeist 10

Ich habe das über 18 Jahre gemacht. Auch als Wahllokalleiter. Wo ich aber vom Staat mal Hilfe brauchte, so wurde mir nur in den A. getreten.
20 Jahre vom Leben versaut ! Nun gilt Nein Danke.

05.03.2019 12:38 Mario K. 9

an Atheist (1): vergessen Sie mal die "unglückliche Ergebnisübermittlung" bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht, welche die betroffene Partei beinahe ein Mandat gekostet hätte.
Insgesamt ist es aber traurig, dass in Deutschland die benötigten Wahlhelfer oft nur mühsam zusammenkommen. Dabei ist das viel interessanter, als einfach nur die Stimme abzugeben. Gut, dass es der MDR rechtzeitig thematisiert.

05.03.2019 12:37 Sonja 8

@ 1 vollkommend richtig und das s. Jahren
man braucht garnicht zur Wahl zu gehen weil dies jetzt schon fest stehen, also sinnlos.

05.03.2019 12:03 aus Dresden 7

@5
Im Deutschen (wie auch in verschiedenen anderen germanischen Sprachen) kann eine doppelte Verneinung bejahend wirken oder verstärkt verneinend wirken.

Die Verwendung ist kontextabhängig und im letzten Satz von Post @1 "Ich habe 0 Vertrauen das es eine echte Wahl gibt und das ist nicht nur kein Gefühl!" für den verständigen Leser eindeutig.

05.03.2019 12:01 H.E. 6

Ich war früher auch als Wahlhelfer tätig! Und ich bin heute noch ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde tätig.
Nur habe ich inzwischen den Eindruck, wenn niemand mehr ehrenamtlich tätig wäre, daß das ganze System unseres Staates zusammen brechen würde. 48 Prozent der in D lebenden Bevölkerung ist in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig und besonders nach Merkels Grenzöffnung mit ihrer Aussage "wir schaffen das" wird anscheinend noch mehr erwartet von der Bevölkerung (man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Merkel damals meinte "Ihr schafft das").
Wenn man eben den Bogen von der Politik her überspannt und für alles andere und jeden anderen mehr Interesse da ist, fühlen sich die Bürger langfristig ausgenützt und das Engagement am Gemeinwohl schwindet.
Trotzdem wünsche ich, daß sich auch jüngere Leute bei der Stimmauszählung beteiligen, für manche bringt dies auch eine Bewußtseinsänderung.

05.03.2019 09:25 mattotaupa 5

@#1: "Und da ich selbst als Wahlhelfer beteiligt war, weis ich warum!" ist das jetzt ein geständnis als insider/täter? "nicht nur kein Gefühl" rumjammern und im letzten satz bestätigen, daß es nur ein gefühl ist? schlafen sie ne nacht drüber, vielleicht ist ihre gemütslage morgen anders und sie verwenden keine doppelte verneinung nicht.

05.03.2019 09:04 Skywalker 4

Ich würde auch für unabhängige Wahlbeobachter plädieren. Die Altparteien sind zu allem fähig - inklusive Wahlfälschung.