Dürre Die Zeichen im Wald stehen auf "SOS"

Borkenkäfer, Stürme, Trockenheit und Brände: Die Wälder in Mitteldeutschland haben mit massiven Problemen zu kämpfen. Es sind die Folgen des Klimawandels – und die werden in den kommenden Jahren weiter zu spüren sein.

Es sind fast überall Rekordwerte, was die Anzahl der Waldbrände in Mitteldeutschland seit Anfang dieses Jahres betrifft. Die Dürre macht den Bäumen zu schaffen. Die Gefahrenstufe bleibt immer länger hoch – und das wird voraussichtlich auch so bleiben.

Seit Anfang 2019 hat es in Sachsen 27 Waldbrände gegeben, den Forst in Sachsen-Anhalt hat es sechs Mal erwischt und im Wald von Thüringen hat es bereits elf Mal Feuer gegeben. "Das ist der Klimawandel, der jetzt in voller Härte den Wald triff", sagt der Erfurter Forstamtsleiter Chris Freise. Es sei kein Ausrutscher. "Das wird uns in den nächsten Jahren begleiten."

Waldboden immer trockener

Chris Freise, Erfurter Forstamtsleiter
Forstamtsleiter Chris Freise sagt, dass der Klimawandel den Wald mit voller Härte trifft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Wald des Forstamtsleiters hat es erst vor wenigen Tagen gebrannt. In den Thüringer Reinsbergen ist der Nadelwald auf zehn Hektar verkohlt. Dabei sind ungefähr "3.000 Kubikmeter Holz  zerstört worden", sagt Chris Freise. Nur weil der Wind günstig stand, griffen die Flammen nicht auf bewohntes Gebiet über. Fast 300 Kameraden der Feuerwehr waren im Einsatz. Die Brandursache wird noch ermittelt. Fest steht: die extrem trockene Vegetation hat das Feuer begünstigt

Ein Grund dafür: "In den letzten zehn bis 15 Jahren ist die Bodenfeuchte immer weiter zurückgegangen", erklärt Ines Chmara vom forstlichen Forschungskompetenzzentrum Gotha. Im Auftrag des Landes untersucht sie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald. Mit 14 Messstationen in Thüringen werden Regenmenge oder Temperatur registriert.

Klimawandel schreitet dramatisch voran

Über Messfühler wird die Bodenfeuchte erfasst. "In den ersten Jahren hatten wir immer so Bodenfeuchten zwischen 40 und 50 Prozent",  berichtet Ines Chmara, während sie im Steigerwald die Daten erfasst. Seit 2001 ist hier die durchschnittliche Bodenfeuchte um ein Viertel gesunken. Inzwischen liege diese teilweise zwischen 20 und 30 Prozent. Jetzt – Anfang Mai – ist sie fast so niedrig wie in den Sommermonaten des vergangenen Dürre-Jahres.

"Es kann sein, dass die Bäume dann einfach absterben", berichtet die Wissenschaftlerin. Diese Trockenschäden habe es 2018 bereits gegeben. "Und das geht, denke ich, in diesem Jahr auch so weiter", sagt Ines Chmara. Selbst die Regenfälle der vergangenen Tage ändern nichts an der dramatischen Situation. Im gesamten April betrug die Niederschlagsmenge im Steigerwald gerade einmal 15 Liter pro Quadratmeter, normal wären zwischen 50 und 100 Liter.

Die Fichte ist im Harz bedroht

Fichtenwald (Picea abies) im Gegenlicht
Den Fichten droht im Harz das Aus, auch weil sich die nächste Borkenkäferplage ankündigt. Bildrechte: imago/blickwinkel

Doch selbst wenn es mal ordentlich regnet, stehen die Zeichen im Wald auf SOS. So haben extreme Trockenheit und schwere Stürme dem Wald im sachsen-anhaltischen Südharz extrem zugesetzt. Vor allem die Fichten sind im Forst von Jörg von Beyme schwer angeschlagen. Durch die starken Winde des Sturms "Friederike" sind die feinen Wurzeln abgerissen. "Das Wasser war für diese Bäume schon schlecht zu erreichen", sagt der studierte Betriebswirt. Durch die hinzugekommene Dürre seien etlichen Bäume eingegangen. Er ist seit Monaten mit Aufräumarbeiten in seinem 500 Hektar großen Forst beschäftigt.

Umgeknickte Bäume und Dürre waren ein idealer Nährboden für den Borkenkäfer, der die Bestände weiter dezimierte. Vor wenigen Wochen fegte Sturm "Eberhard" durch den Forst. Von seinen Fichten hat Jörg von Beyme einen großen Teil eingebüßt.

Nächste Borkenkäferplage kündigt sich an

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Die Borkenkäfer haben unter der Rinde überwintert und werden bald ausfliegen um sich zu vermehren. Bildrechte: dpa

Der Fichte droht im Harz das Aus. Das liegt auch daran, dass sich die nächste Borkenkäferplage ankündigt. Durch die Trockenheit produzieren die Bäume kein Harz mehr – ihre einzige Waffe gegen die Schädlinge. Die fressen sich durch die Rinde und kappen damit die Wasserversorgung. "Die haben hier unter der Rinde überwintert und werden jetzt demnächst ausfliegen um sich fortzupflanzen", beschreibt Jörg von Beyme das Problem, während er einen Baumstamm begutachtet.

Für eine wirkungsvolle Bekämpfung fehlt den Waldbesitzern das Geld. Vom Land gibt es frühestens im Sommer finanzielle Unterstützung. Zu spät, meinen viele. Zudem sind durch das Überangebot von Sturm- und Schadholz die Preise für Säge-Holz etwa in Thüringen um rund 40 Prozent gefallen.

Der Klimawandel schreite schneller voran, als in den pessimistischsten Prognosen, erklärt der Erfurter Forstamtsleiter Chris Freise. Der Wald bräuchte ein bis zwei Niederschlagstage pro Woche. "Und wenn ich es mir wünschen dürfte: bitte keinen Sommer. Acht bis zwölf Grad bis Oktober, dauernder Nieselregen – pro Monat bitte so um die 100 Millimeter. Und ab dann schlagartig Frost, minus 10 Grad."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 08. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 13:41 Uhr

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14 Kommentare

10.05.2019 19:28 Eulenspiegel 14

Hallo W.Merseburger 12
Ach ja sie wussten ja schon vor zwanzig Jahren ganz genau das wir auf eine selbst gemachte Klimakatastrophe zusteuern. Oder was?
Also ich habe hier nur auf ein Phänomen aufmerksam gemacht. Das nämlich diejenigen die am lautesten Heimat schreien die Heimat scheißegal ist.

10.05.2019 09:53 Arndt 13

Kein Geld für die Umwelt , kein Geld fürs Klima . Raubbau an der Natur . Keine Humanität .Alte Menschen in der Politik an der Macht. Geld für Politiker und Wirtschaftsbosse . Religion in der Politik.

Bald ist es zu spät für Erde und Menschheit
Schade - noch hat der Mensch seine Chance

09.05.2019 18:13 W.Merseburger 12

Ach Eulenspiegel,
die politische Gruppierung, die immer nach Heimat schreit, ist doch erst sehr kurze Zeit am werkeln. Sie sollten sich doch einmal fragen, warum es den seit langer Zeit politisch Verantwortlchen nicht gelungen ist, die Heimat mit Vernunft zu erhalten. Vielleicht haben diese alten politischen Kräfte daran kein Interesse gehabt? Deswegen sind ihre Argumente nicht überzeugend.

09.05.2019 16:41 Eulenspiegel 11

Also unser schöner Deutscher Wald, ein gutes Stück Heimat, sendet SOS. Und was machen diese Leute, die immer Heimat schreien? Die ignorieren, die verharmlosen. Dieses gute Stück Heimat geht in die Binsen und es interessiert sie nicht. Und dabei ist das erst der Anfang. Wenn auf Grund des Klimawandels immer mehr Menschen auf der anderen Seite des Mittelmeeres ihr Existenzgrundlage verlieren und sie zum Überleben nach Norden flüchten dann ist das Geschrei wieder sehr groß.

09.05.2019 14:53 Sr.Raul 10

Zwischen der zunehmenden Industrialisierung und dem Klimawandel besteht nun mal aber seitens der weltweiten Wissenschaft ein kausaler Zusammenhang. Auch wenn es nicht jedem gefällt, wie z,B, Donald aus Amerika oder unseren Vaterlandsrettern mit dem roten Pfeil im blauen Köcher, @9 (Hans Frieder Leistner). Das kann man sich schön reden wie man mag, ändert aber die Tatsachen nicht. Mit den einstigen Monokulturen, welche jetzt wieder zu Mischwäldern umgebaut werden ist natürlich etwas Wahres dran.

09.05.2019 11:22 Hans Frieder Leistner 9

In den 80er Jahren war das Waldsterben das große Thema. Ich erinnere mich noch an eine Winterwanderung bei Freudenstadt. Als wir an einem Lärchenwaldstück vorbeikamen sagte ich noch, wann wird das wohl als Beweis fürs Waldsterben gezeigt werden. Lärchen werfen im Herbst ja ihre Nadeln ab. Richtig. Es dauerte keine 14 Tage als dieses Waldstück in einem Bericht des SWR auftauchte. Auch wurde nie berichtet, daß zu Beginn des 19. Jahrhunderts schon der Wald "starb" und sich wieder erholte. Und da gab es noch keinen Klimawandel und keine Eisenbahn und Autos. Das Problem ist doch, daß die Wälder zu Monokulturen gezüchtet wurden anstatt Mischwald.

08.05.2019 20:25 Zeitgeist 8

Also mir gefällt der Käfer " Borkenkäfer". Noch viel lieber wären mir die Termiten bis nach Triest haben Sie es schon geschafft.

08.05.2019 19:04 Anton 7

@3 - Querdenker, wie lange wollen Sie eigentlich noch leben? In 50 Jahren geht die Erde nicht unter.

08.05.2019 18:41 ach so 6

Das waren Zeiten als es noch Agrarflieger gab die mit viel Chemie dem Ungeziefer den garaus gemacht haben. Die Ausbreitung von Waldbränden wurde durch Schneisen verhindert. Statt dessen brennt jetzt das ökologisch wichtige Unterholz wie Zunder.

08.05.2019 17:56 M.S. 5

Borkenkäfer? Fichtensterben? Gabs immer schon mal. Fast alle Deutschen wünschen sich einen langen warmen Sommer, dann kann man das Urlaubsgeld in der Heimat lassen und muss es nicht zu den Spaniern, Italienern und Türken tragen. Die heimische Tourismus-Wirtschaft profitiert.