Messerstecherei
Bei einer Messerstecherei im nordrhein-westfälischen Lünen wurde ein Schüler von einem anderen getötet. Doch sind Waffenkontrollen eine Lösung? Bildrechte: Colourbox.de

Sachsen Was tun gegen Gewalt an Schulen?

Immer wieder ist Gewalt an Schulen ein Thema. 2016 gab es in Sachsen laut Bundeskriminalamt 102 Fälle von schwerer Körperverletzung an sächsischen Schulen. Braucht es mehr Waffenkontrollen?

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Messerstecherei
Bei einer Messerstecherei im nordrhein-westfälischen Lünen wurde ein Schüler von einem anderen getötet. Doch sind Waffenkontrollen eine Lösung? Bildrechte: Colourbox.de

Etwa alle zwei Jahre lässt der Direktor der Leipziger Friedrich-Schiller-Schule zur Probe die Alarmsirenen heulen. Um zu testen, wie sich die Schüler in einem Notfall verhalten. Das berichtet Noah Wehn, der die Schule in der 11. Klasse besucht und zudem sächsischer Landesschülersprecher ist. Diese Sicherheitsmaßnahme sei die einzige an seiner Schule und das findet der 16-Jährige auch ausreichend. Kontrollen nach Messern oder anderen Waffen gebe es nicht. Das würde Noah Wehn auch kategorisch ablehnen.

Brauchen Schulen mehr Sozialarbeiter?

Stattdessen müsse man vor der Tat ansetzen: Präventivmaßnahmen. Deutschland, und natürlich auch Sachsen, bräuchten deswegen mehr Schulsozialarbeiter, meint der Schülersprecher.

In Deutschland kommt ein Schulsozialarbeiter auf 8.000 Schüler. In den sehr guten Ländern liegt der Schlüssel bei einem Schulsozialarbeiter zu 1.000 bis 2.000 Schülern.

Noah Wehn, Sächsischer Landesschülersprecher

Roman Schulz, Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung, entgegnet, dass man die Schulsozialarbeit in Sachsen erst im vergangenen Jahr gestartet habe. Jetzt schon nach mehr Schulsozialarbeitern zu rufen, halte er für nicht zielführend. "Schule ist ja nicht die Problemlösungsanstalt für alles. Es kann immer von allem mehr geben. Aber wir könnten auch mehr Gesundheitsprävention machen. Erst mal sind wir auf einem guten Weg." Und Schulz sieht die sächsischen Schulen generell als sicher an. Zudem sei Gewaltprävention ja auch Thema im Unterricht. Oft stehe dann ein Polizist vor der Klasse.

Schwere Fälle treten nur sehr selten auf

Eine Tür aus dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium mit Einschusslöchern.
Am Erfurter Gutenberg-Gymnasium erschoss im April 2002 ein Schüler 16 Menschen. Bildrechte: IMAGO

Flächendeckende und regelmäßige Taschen- oder Spindkontrollen hält er hingegen ebenfalls für unnötig. Die Schule sei kein Gefängnis. Wenn eine Kontrolle stattfinde, dann nur bei einem ganz eindeutigen Verdacht. "Es liegt schon Jahre zurück, da hatten wir eine große Kontrolle an einem Gymnasium, weil es eine Amok-Drohung gab. Aber das ist ganz selten." Im Zuge dessen hat das sächsische Kultusministerium ein Informationsblatt für Lehrer erarbeitet. Thema: Wie sollten sich Lehrer bei einer Gewalttat verhalten. Also zum Beispiel: In welchen Räumen können Schüler und Lehrer Schutz suchen?

Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, meint: Das Merkblatt sei zwar sehr gut, die Informationen würden aber im stressigen Lehreralltag oft wieder vergessen. Denn die Hinweise würden einfach nicht regelmäßig geübt. "Das Bewusstsein dafür, dass da mal eine schwierige Situation entstehen könnte, [...] verliert sich immer wieder." Deswegen müssten Lehrer auch einen Ort haben, wo sie frei über mögliche Gefahren reden könnten. Etwa bei Schulpsychologen, so Kruse. Doch auch von denen gebe es in Sachsen einfach viel zu wenige.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Februar 2018 | 05:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2018, 08:11 Uhr

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24 Kommentare

05.02.2018 20:23 Anwaltspraxis Dr. Kohlhaas 24

@ 23: Buschkowsky, Sarrazin, Schmidt, diverse BW Generaele a.D. ...
Auf "youtube" gibts z.B. auch ein aelteres Vid., auf dem man Buschkowsky beim "Neukoellner machen" sieht...

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass der "kritische Geist" bei all diesen vormaligen Entscheidungstraegern immer erst dann einzusetzen scheint, sobald sie "a.D." oder "i.R." sind, bzw. die Moeglichkeit einer aktiven Veraenderung der angeprangerten Zustaende fuer diese Herren vertan ist?

Ich frage mich dann immer, ob diese "spaeten Einsichten" etwas mit "Altersweisheit", oder tatsaechlich doch nur mit den "gesicherten Pensionsanspruechen" etwas zu tun haben koennen. ;)

05.02.2018 18:38 wer hat uns verraten, ... 23

@Dazu sagte Heinz Buschkowsky.........., 22
"der einzig noch verbliebene SPD - Politiker u. ehemalige Bürgermeister von Neukölln , siehe YouTube, "Buschkowsky platzt bei Anne Will der Kragen"."

dann schauen sie sich mal das Video mit Helmut Schmidt an
"Helmut Schmidt 'Statement zur Zuwanderung/Fachkräftemangel."

das ist doch der Ausgangspunkt.

05.02.2018 17:20 Dazu sagte Heinz Buschkowsky.........., 22

der einzig noch verbliebene SPD - Politiker u. ehemalige Bürgermeister von Neukölln , siehe YouTube, "Buschkowsky platzt bei Anne Will der Kragen".

Er spricht dort entgegen etablierter Phrasendrescher u. Buntheitsfanatiker unangenehme Wahrheiten in Richtung selbiger aus.

Sehr interessant !!!!

Die , die es betrifft , wollen es gar nicht schaffen.

05.02.2018 17:02 Fragender Rentner 21

Kann mich nicht erinnern, das wir Früher solche Gewlt an den Schulen hatten.

Gab zwar auch so manche Auseinandersetung untereinander aber nicht solche Ausmaße wie jetzt. :-(((

Liegt das an dem "guten Schulsystem" welche wir jetzt haben oder woran?

05.02.2018 16:55 Ludwig 20

@16 Normalo
Und erst recht gehört es zu einem menschlichen Miteinander dazu, dass man z. B. unbewaffnet zur Schule geht. Das wäre jedenfalls normalo. Besonders wäre es hingegen, wenn nun Schüler vor Unterrichtsbeginn regelmäßig nach Waffen durchsucht werden müssten. Oder?

05.02.2018 16:40 Freies Wort vs Etablierte Phraseologie 19

Ob in Schulen oder im Drogeriemarkt , denen die so etwas machen scheint das egal zu sein .
"Wir schaffen das " .

05.02.2018 16:28 gneisenau 18

Was tun ?

Bestimmte Schüler mit ihren Eltern nicht mehr einreisen lassen oder den Doppelpass aberkennen u. ausweisen , so wie damals bei Beckstein in Bayern , im "Fall Mehmet".

Heute hätten wir dann viele solcher Einzelfälle auszuweisen.

05.02.2018 15:59 karstde 17

@ Normalo 16: So wie die Umstände einer Gesellschaft sind, dementsprechend Verhalten sich die Menschen. Seit dem es die Menschen gibt, ist das so. Mit Ihrer Ansicht kommen wir überhaupt keinen Schritt weiter. Schauen Sie sich die Welt heute an und vergleichen Sie. Da kommen auch Sie mit Ihrer moralischen Erpressung nicht an. Von Euch hört man immer wieder denselben Mist.

05.02.2018 14:50 Normalo 16

@ 13 Regeln gibt es. Humanes Zusammenleben wird durch viele Institutionen propagiert. Die Gesellschaft muss sie allerdings leben. Dazu gehört dass die Zivil- oder besser der zivilisierte Großteil der Gesellschaft auftritt gegen Hetze und Ausgrenzung wie wir dies derzeit erleben müssen.

05.02.2018 14:01 Pfingstrose 15

Wenn Schüler schon mit Waffen in die Schule kommen Lehrer und Mitschüler damit bedrohen und diese Waffen, Messerusw. einsetzen szimmt auch im Elternhaus etwas nicht. Es gab schon einmal Rangelei unter den Schülern zu meiner zeit nicht aber zu Zeiten als meine kinder noch zur Schule gingen, aber seit 1990 hat sich dieses Gewaltbild mächtig verschärft und zugespitzt bei diesen Multi Kulti System. Vor Eintritt in das Schulhaus sollten alle Schüler der jeweiligen Klassenstufe auf Waffen und Sprays kontrolliert werden. Wer sich weigert die Waffen heraus zugeben oder die Kontrolle, aus wo mehfach Waffen gefunden wurden sofort Schulverweis oder Jugendarrest von 4 Wochen egal ob die Eltern einenhohen Posten begleiten, Arbeiter sind oder Sozialhilfe bekommen, da sollten keine Unterschiede gemacht werden. Da sollte kräftig durch gegriffen werden.