Weltkindertag in Thüringen Wirtschaft sieht den neuen Feiertag kritisch

In diesem Jahr ist der Weltkindertag zum ersten Mal ein Feiertag in Thüringen. Im Februar hatten die Regierungsfraktionen von Rot-Rot-Grün für das Gesetz gestimmt. Wirtschaftsvertreter kritisieren die Neuregelung.

Elf Feiertage sind es seit diesem Jahr in Thüringen. Damit liegt das Land bundesweit im Mittelfeld, was die Feiertage angeht. Die Wirtschaft hätte auf den zusätzlichen Feiertag verzichten können.

Feiertag schwächt laut Wirtschaft Wettbewerbsfähigkeit

Ute Zacharias, Sprecherin des Verbands der Wirtschaft Thüringens, erklärt: "Jeder freie Tag, das ist nun mal so, kostet Geld, es wird nicht gearbeitet. Und ein zusätzlicher Feiertag, das ist amtlich berechnet worden, kostet die Wirtschaft 72 Millionen Euro in Thüringen."

Weil zum Beispiel Maschinen stillstehen, Produkte weder aus noch angeliefert werden können. Die Wettbewerbsfähigkeit Thüringens werde dadurch eingeschränkt, sagt Zacharias, die auch nicht nachvollziehen kann, warum ausgerechnet der Weltkindertag zum Feiertag erklärt worden ist.

Rot-Rot-Grün hatte argumentiert, der Feiertag mache Thüringen familien- und kinderfreundlicher – die Familien hätten mehr Zeit für sich selbst und ihre Kinder. Zacharias meint: "Jeder Feiertag ist eigentlich dazu da, Zeit mit seinen Kindern und mit der Familie zu verbringen. Da braucht man jetzt nicht noch einen zusätzlichen."

Auch Tag der Befreiung vom Faschismus im Gespräch gewesen

Dass die Opposition von CDU und AfD den neuen Feiertag als Wahlgeschenk von Rot-Rot-Grün bezeichnet, kann Ute Zacharias verstehen: "Wir haben ja in fünf Wochen ungefähr Wahl. Und da kann man das schon vermuten."

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Hessen-Thüringen, argumentiert: "Zu der Zeit als es entstanden ist, wusste noch niemand, wann die Landtagswahl ist."

Vom DGB sei zwar der Vorschlag gekommen, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu machen. Den 20. September hält Witt aber auch für eine gute Idee: "Mit Blick auf Kinderarmut, mit Blick auf Beschäftigungsverhältnisse bei Arbeitgebern, die so schlecht zahlen, dass die Kinder noch nicht mal ein vernünftiges Essen zu Weihnachten bekommen."

Mehrarbeit als Argumentation

Im bundesweiten Vergleich würden die Beschäftigten in Thüringen außerdem 72 bis 76 Stunden arbeiten, also knapp zwei Wochen mehr pro Jahr, sagt Sandro Witt. Dabei bekämen sie gleichzeitig 25 Prozent weniger Lohn.

"Und insofern fanden wir es eine gute Idee, einen neuen Feiertag einzuführen", meint Witt. "Weil wir sagen, der Feiertag ist längst bezahlt durch die Beschäftigten. Die haben den längst rausgearbeitet, wenn sie so viel arbeiten müssen. Und da haben wir uns sehr gefreut, dass es da eine Diskussion zu gab und der jetzt auch eingeführt wurde."

Entschleunigung sei notwendig, ist Witt überzeugt, keine Diskussionen über 70 Millionen Euro, die der Wirtschaft abhandenkämen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. September 2019 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

frank d vor 46 Wochen

schon speziell das grade die ach so tollen ständig die Intellektualität ihrer vermeintlichen Gegner angreifen. ab wann wird Mann denn ihrer hochwohlgeborenen Meinung nach zu einem vernunftbegabten Wesen? Muss man dazu die Rechtsnachfolger der SED goutieren?
Soweit ich das sehe handelt es sich um rein Symbolpolitik. und der Sandro Witt von der Gewerkschaft ist gar ein "Populist" ? Gar ein Leugner? Jetzt bitte fragen wir doch mal nach, wo diese Arbeitnehmer beschäftigt sind welche ihren Kindern nicht einmal Weihnachten ein vernünftiges Essen bekommen. Das mein werter Herr nenne ich Hetze. Sapere Aude bedeutet "Habe Mut" dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! In einer Zeit, in der die Kirchen damals auch schon mit der Hölle die Massen indoktrinierten. Strahlte das Licht der der Großen Geister, offensichtlich haben sie die Philosophen der Aufklärung nicht gelesen. Wenden sie doch einmal Kants kategorischen Imperativ auf die aktuelle Politik an.

MDR-Team vor 46 Wochen

Hallo, kennemich! Mit dem 20. September als Feiertag kommen auf Bürger keine Mehrkosten zu. Nach SGB XI wird eine Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrages nur erforderlich, wenn ein Feiertag immer auf einen Werktag fällt, informierte zum Beispiel Susanne Hennig-Wellsow (Fraktion DIE LINKE). Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion

Horst Schlaemmer vor 46 Wochen

"Kluger Widerspruch"? Das konnte ich leider bei Ihren Beiträgen noch nie entdecken. Allein das ständige Zitieren eine Leitspruches der Aufklärung macht einen noch nicht zu einem vernunftbegabten Wesen.