Statistik Zahl der Sozialhilfe-Empfänger in Mitteldeutschland sinkt

In Sachsen und Thüringen gibt es immer weniger Menschen, die auf Hartz IV oder Sozialhilfe angewiesen sind. Das zeigen die Zahlen der Statistischen Landesämter. Inzwischen stehen die beiden Ostländer sogar besser da als viele West-Bundesländer. In Sachsen-Anhalt dagegen bleibt Hartz IV und Sozialhilfe ein großes Thema. Woran liegt das?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Es ist vor allem die Wirtschaftskraft von Sachsen und Thüringen, sagt Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Die habe sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Folglich seien in den beiden Bundesländern die Arbeitslosigkeit gesunken und die Löhne gestiegen und demzufolge weniger Menschen auf staatliche Hilfe angewiesen.

Wir haben in Sachsen und Thüringen die beste wirtschaftliche Entwicklung von allen ostdeutschen Bundesländern, wenn man es über mehrere Jahre vergleicht.

Prof. Oliver Holtemöller, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle

Acht Prozent der Menschen in Thüringen lebten Ende 2017 von staatlicher Stütze - also von Hartz IV, Sozialhilfe oder Leistungen für Asylbewerber. In Sachsen ist diese Quote ähnlich, hier waren 8,7 Prozent der Einwohner betroffen. Nur Sachsen-Anhalt schneidet in der Statistik schlecht ab. Mit 11,8 Prozent ist der Anteil der Sozialleistungsempfänger so hoch wie in keinem anderen Flächenland. 

Viele Schulabbrecher in Sachsen-Anhalt

Oliver Holtemöller
Oliver Holtemöller weist auf die vielen Schulabbrecher in Sachsen-Anhalt hin. Bildrechte: dpa

Dabei hat sich Sachsen-Anhalt gar nicht so schlecht entwickelt, zeigen die Zahlen des Statistischen Landesamtes. Auch hier sank der Anteil der von staatlicher Stütze Abhängigen deutlich, allerdings von einem viel höheren Niveau. Verantwortlich dafür ist nicht nur die schlechtere Wirtschaftslage in Sachsen-Anhalt, sagt Oliver Holtemöller weiter. Auch die hohe Schulabbrecher-Quote trage dazu bei. Diese liege in Sachsen-Anhalt bei über zehn Prozent.

"Und diese Kinder, die also keinen Schulabschluss erwerben, haben dann natürlich ihr ganzes Erwerbsleben lang auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, entweder nur niedrige Löhne zu beziehen oder sogar arbeitslos zu sein" erklärt Holtemöller. Auch das begünstige, dass mehr Menschen in Sachsen-Anhalt auf soziale Unterstützung angewiesen seien als in Sachsen oder Thüringen.

In Städten mehr Sozialhilfeempfänger

Doch die soziale Kluft ist nicht nur zwischen den einzelnen Bundesländern groß. Auffallend ist auch ein enormes Stadt-Land-Gefälle. In den Städten ist der Anteil der Hilfe-Empfänger deutlich höher als auf dem Land. In Leipzig zum Beispiel sind knapp 13 Prozent der Menschen auf staatliche Hilfe angewiesen, in Dresden sind es immer noch neun Prozent, im Erzgebirge dagegen nur sechs Prozent. 

Markus Schlimbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds, hat dafür folgende Erklärung: "Einerseits konzentrieren sich in den Großstädten soziale Brennpunkte. Das hat auch den Grund, dass die Mieten in den Städten deutlich höher sind, während auf dem Land die Mieten deutlich geringer sind, beziehungsweise viele Menschen noch Wohneigentum haben."

Der DGB fordert daher in den Großstädten in Mitteldeutschland mehr Sozialwohnungen, damit Menschen, die wenig Einkommen haben, sich eine Wohnung leisten können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 05:00 Uhr

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12 Kommentare

27.02.2019 21:40 Peter 12

@11 Halligalli: Es wäre interessant zu wissen, ob Ihre Behauptung eine Annahme Ihrerseits ist oder ob Ihre Behauptung mit Fakten belegbar ist.
Der im Artikel festgestellte Sachverhalt, dass die Anzahl der Hartz IV Empfänger zurückgegangen ist, untermauert nicht gerade Ihre Behauptung.

27.02.2019 19:04 Halligalli 11

Rein statistisch gesehen bestimmt schon, ein Triumph für die Politik, nur in der Wirklichkeit, nimmt die Armut kontinuierlich zu.

27.02.2019 18:09 kritiker 10

Sachsen-Anhalt hat nun mal nicht so eine Wirtschaftskraft wie z.B. Sachsen und Thüringen ! Die beiden Nachbarländer waren immer schon weiter als in Sachsen-Anhalt ! Die Altmark ist dünn besiedelt Anhalt hat keine ausreichende Wirtschaft ! Sachsen-Anhalt hat auch viel verschlafen all die Jahre !

27.02.2019 17:31 Peter 9

@7: Na, wieder ein wenig Stimmungsmache, lieber Rentner.
Wo hieß es denn vor kurzem?
Ich für meinen Teil habe mal bei statista.de nachgesehen. Die Zahl der Hartz IV Empfänger ist seit 2017 rückläufig. Ist Fakt und hat mit bevorstehenden Wahlen rein gar nichts zu tun.

27.02.2019 17:23 Atze 8

" Schulabbrecherquote bei über 10%"
Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass die Kinder in Sachsen-Anhalt fauler und (oder) dümmer sind, als die Sachsen und Thüringer. Was sagen denn die Praktiker, die Lehrer in dort dazu? Bitte benennen Sie die Probleme präziser, sonst treten mehr Fragen auf.

27.02.2019 15:16 Fragender Rentner 7

Was stimmt denn nun wieder?

Vor kurzem hieß es noch es werden immer mehr?

Na es stehen ja auch ein paar Wahlen vor der Tür.

27.02.2019 14:47 Normalo 6

@ 2,4 Wie wäre es damit: 8 % der Menschen in Thüringen, 8,7 % in Sachsen, 11,8 % in Sachsen-Anhalt. Wer lesen kann... und etwas Prozentrechnung noch. Aber darum geht's nicht, stimmt's? meckern, schlechtreden, nölen.... naja. Die Ewiggestrigen eben ;)

27.02.2019 14:40 Peter 5

@2: Im Artikel sind Prozentzahlen genannt. Nehmen Sie ganz einfach den Taschenrechner und Sie werden ganz leicht die absoluten Zahlen ermitteln können.

27.02.2019 14:10 winfried 4

Der Artikel nennt
... Löhne gestiegen
... Arbeitslosigkeit gesunken
und
... % Ende 2017.
Das sind weder belastbare Fakten noch berechenbare Bezugswerte.
Deshalb sind Aussagekraft und Qualität entsprechend.

27.02.2019 12:23 pkeszler 3

Die über 10 % Kinder aus Sachsen-Anhalt, die keinen Schulabschluss aus eigenem Interesse machen, haben nicht begriffen, dass Bildung und natürlich die Gesundheit das Wichtigste im Leben ist, um ein langes Leben zu erzielen.