Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Bildrechte: dpa

Nach Burkhard Jung Wie geht es weiter an Leipzigs Stadtspitze?

Leipzig - das ist nicht nur die größte Stadt in Ostdeutschland, sondern auch die am schnellsten wachsende in ganz Deutschland. Eine Stadt mit Potenzial also. Doch wer steht in den nächsten Jahren an der Stadt-Spitze? Nachdem es mit dem Posten beim Ostdeutschen Sparkassenverband nicht geklappt hat, bleibt Burkhard Jung erst einmal Oberbürgermeister - bis zur Wahl in anderthalb Jahren. Aber was dann?

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Bildrechte: dpa

"Ab diesem Zeitpunkt, als klar wurde, dass sich Herr Jung beruflich neu orientieren will, weg vom Oberbürgermeisterposten, hat er faktisch den Wahlkampf eröffnet." Das sagt Frank Tornau, der Chef der CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Denn unerwartet mussten die Parteien plötzlich über Oberbürgermeister-Kandidaten nachdenken.

Fokus auf Stadtrats-Wahl im nächsten Jahr

Und diese Debatte bleibe, sagt Tornau. Auch wenn inzwischen klar ist: SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung bleibt nun doch regulär bis 2020 im Amt. Danach hofft Tornau auf frischen Wind im Rathaus. "Wir gehen davon aus, dass Jung etwas amtsmüde ist, wir wollen schon jemand mit Visionen an dieser Stelle sehen, der die Stadt nach vorn bringt." Dennoch ist der CDU-Politiker zufrieden, dass Jung erst mal weitermacht. Nun könne sich die Partei wie geplant auf die Stadtratswahlen im nächsten Mai konzentrieren.

So oder ähnlich klingt auch der Grundtenor bei anderen Parteien im Leipziger Rathaus. Sören Pellmann, Kopf der Linksfraktion, meint außerdem: "Wir haben die letzten Jahre mit dem OB gut zusammengearbeitet. Dass er sagt, das ist nicht mehr der wichtigste Job, den es zu vergeben gibt, sondern ich orientiere mich um, das schadet ein bisschen der Glaubwürdigkeit." Das mache es seiner Fraktion schwerer zu sagen, wie die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister künftig aussehen soll.

Ein paar Türen weiter im Rathaus hält Katharina Krefft von den Grünen Jungs Verhalten für unklug. Er habe die Entscheidung für den Ostdeutschen Sparkassenverband ohne Absprache mit der SPD getroffen, die Bekanntmachung sei sehr unglücklich verlaufen. "Er hat sich nicht klar positioniert, sondern er hat gezögert." Sie glaubt, in einer wachsenden Stadt, in der viele und auch wegweisende Entscheidungen getroffen werden müssten, sei Klarheit ganz notwendig.

Jung lässt Entscheidung zu erneuter Kandidatur offen

Die Leipziger AfD glaubt nicht an Burkhard Jungs Zukunft als Oberbürgermeister, da Leipzig für ihn nur noch die zweite Wahl sei. Ob Jung nach dann 14 Jahren im Amt überhaupt noch mal kandidiert, ist offen. Das werde er, lässt Jung MDR AKTUELL schriftlich mitteilen, in aller Ruhe mit den Gremien der Partei im nächsten Jahr entscheiden.

Auch die Leipziger SPD-Basis hat am Ende mitzureden, wenn es um ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in anderthalb Jahren geht. Von dort sind verschiedene Sichtweisen zu hören. Für André Soudah, den Vorsitzenden des größten SPD-Ortsvereins Leipzig-Mitte, steckt die Partei in einem Dilemma: "Auf der einen Seite ist die Kommunikation im Vorfeld dieser Bewerbung unglücklich gelaufen. Auf der anderen Seite hat er hohe Verdienste um die Stadt Leipzig und wir haben wenig Alternativen gegenwärtig."

Wir haben wenig Alternativen gegenwärtig.

André Soudah Vorsitzender SPD-Ortsverein Leipzig-Mitte

Nebenan im Ortsverein Alt-West würde dessen Chef Christian Schulze Jung noch eine Chance geben: "Für mich ist Jung weiterhin jemand, der diesen Posten sehr gut ausfüllt und aus meiner Sicht in den engsten Kandidatenkreis gehört, so er denn selber weiterhin Interesse hat." Doch sowohl in seiner Partei als auch in ganz Leipzig könnte man Jung übelnehmen, dass er vorzeitig und zunächst unabgesprochen auf den gut bezahlten Sparkassen-Posten wechseln wollte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2018 | 05:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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15 Kommentare

23.10.2018 12:40 Udo Degen 15

@9 Sie haben noch Humor.
Schöngeistig.
Wo gibt es diesen noch?
Nirgends und im Nichts.
Die deutsche Zensur ist immer und überall. Auch im Netz der Eitelkeiten und des Hochmuts.
Ich wähle mich immer selber, da kann man nichts falsch machen.

23.10.2018 11:25 Frank 14

@ 8: Sorry, Sie haben die Mauer wohl noch immer im Kopf? Berlin ist Berlin und nicht unterteilt in alte Denkmuster und liegt im Osten Deutschlands. Haben Sie damit ein Problem?

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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23.10.2018 11:21 kleinerfrontkaempfer 13

Über die Zukunft diese Mannes sollte man sich wirklich sorgen. Das raubt einem glatt den Schlaf!
Mal ehrlich : Gibt es keine anderen Sorgen und Problem in Doitschland??

23.10.2018 09:51 Thüringer 12

@Hans: Sind Sie sich da ganz sicher, was Sie da schreiben? Haben Sie dafür Beweise?

23.10.2018 06:01 Patrick Fischer 11

Sich bei der Entscheidung um den Posten des Sparkassenpräsidenten nicht klar positioniert zu haben, muss man Herrn Jung ankreiden. Das ein Mensch bei solch einem Angebot nachdenkt und sich Zeit lässt, muss man doch akzeptieren. Das ist vollkommen Menschlich. Die Reaktionen der anderen Parteien ist dann natürlich die logische Konsequenz und normale politische Polemik.
Man sollte zu den Sachthemen zurückkehren. Leipzig steht vor einer großen Herausforderung und da sollte man den bewährten Kapitän nicht von Bord jagen. Man sollte ihm stattdessen einen jungen zukunftsweisenden Kandidaten zur Seite stellen, um so einen für alle Bürger sichtbaren geordneten Übergang zur jüngeren Generation zu vollziehen. Das sieht man heute leider viel zu selten.

22.10.2018 22:15 Hans 10

Er hat sich im Kampf gegen Rechts aufgeopfert.

22.10.2018 19:11 Der reiche Onkel aus Amerika 9

Leipzig wächst, kann man hier auch lesen. Sagt ein Bekannter aus Leipzig in der Ostzone auch immer am Telefon zu mir wenn ich frage ob er noch am Leben ist bei der Lebensmittelknappheit dort. Muss ja zu ungünstigen Zeiten die Leute wegen dem Zeitunterschied anrufen.
Die Schlaglöcher, meint er. Schon wieder ein Fliegerangriff letzte Nacht von den Allierten gehabt, frage ich ihn dann. Er sagte, er will Bürgermeister werden und alles ausmisten im Rathaus und so.
Da liegen wohl noch alte Kader an der Heizung, den will er den Marsch blasen, damit es vorwärts geht.
Bleib ruhig, ist meine Antwort.
Dann pfeift er immer " Oh when the Saint go Marching in...

22.10.2018 18:14 Franz Richter 8

@Klara Morgenrot
Wein um acht?
Ich bringe Paar Tütchen mit, dann machen wir den Weg frei.
Ja,@6, Frank.
Berlin, Ost oder West?

22.10.2018 17:24 Thüringer 7

@Sachse. Sie meinen wohl in den Neuen Bundesländern?

22.10.2018 16:36 Frank 6

Also zunächst die größte Stadt in Ostdeutschland ist Berlin und nicht Leipzig. Oder ist mir der bevölkerungsmässige Schwund von Berlin entgangen, habe ich das vielleicht verpasst? Ich bitte um Aufklärung.
Wer ist Jung? Amtsmüde und ideenlos wollte er in ein gut dotierten Job wechseln, für den er die notwendige fachliche Eignung nicht besitzt. Hat glücklicherweise nicht geklappt. Der Rest ist für vernünftig denkende Menschen selbsterklärend. Wie sagt die V+R-Bank im Werbespot treffend? "Wir machen den Weg frei",
Nun denn Herr Jung, auf gehts.