Ein Mann sitzt an einem Tisch und spricht in ein Mikrofon.
Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter für die SED-Aufarbeitung Bildrechte: MDR/Hendrik Quillfeldt

Thüringen Wie viel SED steckt noch in der Linken?

Für die FDP genug, um eine Koalition auszuschließen

Welche Partei wie viele Sitze im Thüringer Landtag bekommt, ist nun klar. Offen ist aber, wer eine Regierung bildet. Die Linke als Wahlsieger könnte sich Rot-Rot-Grün plus FDP vorstellen. Dieses Bündnis hätte eine Mehrheit. Die FDP lehnt Gespräche mit der Linken aber ab. FDP-Landeschef Kemmerich begründet es damit, dass die Linke andere gesellschaftspolitische Vorstellungen habe und den demokratischen Sozialismus wolle. Er stört sich aber auch an der SED-Vergangenheit einiger Linken-Mitglieder.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Ein Mann sitzt an einem Tisch und spricht in ein Mikrofon.
Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter für die SED-Aufarbeitung Bildrechte: MDR/Hendrik Quillfeldt

Bei Menschen in Erfurt, die die DDR und damit auch die SED noch selbst erlebt haben, gehen die Meinungen auseinander. Peter Wurschi findet es nicht leicht, diese Frage zu beantworten. Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sagt: "Die SED ist genauso weit weg wie die DDR. Nämlich über 30 Jahre." Und in diesen 30 Jahren habe sich natürlich eine Gesellschaft und auch eine Partei verändert.

Wurschi übt Kritik, warnt aber vor Pauschalisierung

In drei Punkten sieht Wurschi noch "Kontinuitätslinien" zwischen der SED und der Linken. Was den Umgang mit der Vergangenheit und dem Stalinismus betrifft, wenn es um die Frage des verschwundenen SED-Vermögens geht. Und auch die antiwestlichen Haltung einiger Linken finde ihre Begründung in der SED, sagt Wurschi. Er warnt aber davor zu pauschalisieren: "Wir werden, wenn wir in das Land Thüringen schauen, Gruppen finden, wo sich Altkader, ehemalige Genossen also, zum Kaffeetrinken treffen, die Zeit von früher hoch leben lassen und zum Beispiel den 70. Geburtstag der DDR feiern."

Neben den DDR-Nostalgikern finden sich in der Partei aber auch andere progressive und emanzipative Strömungen. Den ehemaligen SED-Funktionären, die seit der Friedlichen Revolution zu überzeugten Demokraten geworden sind, müsse man Veränderung zugestehen, findet Wurschi. In der Links-Fraktion im Thüringer Landtag gibt es mehrere ehemalige SED-Funktionäre. Zum Beispiel den Parlamentarische Geschäftsführer André Blechschmidt oder Infrastrukturministerin Birgit Keller.

Linke verweist auf Direktmandat

Die Partei macht daraus kein Geheimnis. Ein Interview mit Blechschmidt zu dem Thema gibt es aber nicht. Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow meint: "Ich bin die Landesvorsitzende und die Fragen sind bei mir richtig aufgehoben."

Susanne Hennig-Wellsow
Susanne Hennig-Wellsow Bildrechte: dpa

Eine SED-Vergangenheit zu haben, sage noch lange nichts darüber aus, wie man sich politisch bewegt habe, argumentiert Hennig-Wellsow: "Die Abgeordneten, die bei uns im Parlament sind, da meinen Sie ja zum Beispiel meinen Parlamentarischen Geschäftsführer, der hat ein Direktmandat gewonnen. Er ist mit seiner Biografie direkt in den Landtag gewählt worden. Das zu diskreditieren, finde ich, steht niemandem zu", sagt Hennig-Wellsow in Richtung FDP-Chef Kemmerich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 05:00 Uhr

52 Kommentare

kennemich vor 1 Wochen

Wer weiß, wenn man die SED verboten hätte, welche Lavine man da ins rollen gebracht hätte?

Wurden denn schon mal alle Akten veröffentlicht in diesem Zusammenhang?

So hat man immer jemand, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann und die auch nicht an die Regierung läßt, zumindest so lange es nicht anders geht.

Wie steht es irgendwo, man sollte nicht im Glashaus sitzen, wenn man mit einem Stein wirft.

kennemich vor 1 Wochen

Zitat: Wie viel SED steckt noch in der Linken?
Für die FDP genug, um eine Koalition auszuschließen

Da versuche ich mal die Gegenfrage zu stellen, wieviel steckt von den Parteien noch von den Blockparteien der DDR drin?

der_Silvio vor 1 Wochen

Die Politik hat doch das Ihre dazugetan! Immobilien, Stadwerke und vieles mehr wurden an ausländische "Investoren" verschachert (siehe z.B. Dresden) und somit solchen Entwicklungen massiv Vorschub geleistet!
Alles für den schnellen Gewinn. An diejenigen, die das auszulöffeln haben, wurde dabei nicht gedacht!
Erst Welthandel und dann doch alles verstaatlichen?!?
Die Politik hätte von Anfang an ihrer Verantwortung nachkommen und solchen Entwicklungen Einhalt Gebieten müssen!
Aber man konzentriert sich lieber auf das Projekt 'Vereinigte Staaten von Europa', statt nationalen Interessen nachzukommen!