Unterstützung vom Staat gefordert Jäger bleiben auf Wildfleisch sitzen

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
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Jäger sind derzeit gefragte Leute. Um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, sollen sie mehr Wildschweine jagen. Auch Hirsch und Reh müssen sie mehr schießen, um in angespannten Zeiten für den Wald junge Pflanzentriebe zu schützen. Viel Arbeit für den Jäger – und viel Wildfleisch für den Markt.

 Ein Jäger zieht einen erschossenen Rehbock weg
Derzeit verhindern bürokratische Hürden, dass Jäger etwa mit Metzgern zusammenarbeiten dürfen. Bildrechte: dpa

Wilko Florstedt schießt sich seinen Sonntagsbraten selbst. Regelmäßig sitzt der Jäger im Morgengrauen in seinem Revier in der Magdeburger Elbaue und wartet auf Schwein oder Reh.

Florstedt ist Geschäftsführer des Landesjagdverbands Sachsen-Anhalt. Er jagt nur für den Eigenbedarf. Denn Verkaufen ist schwer. Besonders in diesem Jahr sei der Absatz zusammengebrochen: "Vor allen Dingen, weil die Hotels und Gaststätten, die normalerweise ein verlässlicher Abnehmer sind für Wildbret, kein Geschäft hatten und damit eben auch der Wildhändler beziehungsweise die Jäger auf ihrem Wild sitzen geblieben sind."

Wildbret ist ganzjährig verfügbar

Die Kühltruhen der Wildhändler sind voll, die Preise im Keller. Je Kilogramm Schwein zahlen Sachsen-Anhalts Wildhändler nur noch 80 Cent, je Kilogramm Reh 2 Euro. Die Absatzkrise hat allerdings auch mit dem Konsumverhalten der Deutschen zu tun. Wild kommt nur Weihnachten auf den Tisch oder bei Feiern im Restaurant.

Aber Wild sei das ganze Jahr über verfügbar, betont Florstedt: "Wir versuchen, den Verbraucher darauf aufmerksam zu machen, dass es eben Wilbret auch als Rohwurst, als Schinken, Rostbratwurst oder Steaks für den Grill gibt. Und dass das eben auch ganz hervorragend schmeckt."

Notwendige Jagd lohnt sich nicht

Der Deutsche Jagdverband macht derzeit kräftig Werbung fürs Wild. Denn die Mengen dürften weiter zunehmen. Wegen der Afrikanischen Schweinepest sollen die Jäger die Bestände reduzieren. Sie sollen auch mehr Hirsch und Reh jagen, damit die jungen Triebe der Bäume besser wachsen. Doch die Jagd muss sich lohnen. Und deswegen fordern die Jäger Hilfe von der Politik.

Torsten Reinwald ist Sprecher des Deutschen Jagdverbands. Entscheidend sei vor allem, dass bürokratische Hürden fielen. Es sei immer noch so, dass sich viele Landesregierungen zierten und es nicht erlaubten, dass der Jäger beispielsweise die Hilfe eines Metzgers in Anspruch nehme. Das fordere man jetzt sehr intensiv auch gegenüber der Bundespolitik, erklärt Reinwald.

Infrastruktur entscheidend

Derzeit findet man Wild vor allem bei spezialisierten Händlern. Supermärkte listen das Fleisch ungern, weil die Liefermengen stark schwanken. Der Jäger weiß ja nie, was ihm vor die Flinte läuft. Reinwald wünscht sich, dass die Jäger mehr selbst vermarkteten. So könnten sie auch gute Preise erzielen.

Doch für die Vermarktung benötigten sie Kenntnisse in der Fleischverarbeitung, Verkaufsräume, eine Kühlung. Den meisten fehle das: "Wenn mehr Bundesländer wie Baden-Württemberg die Jäger mit mobilen Wildkammern unterstützen bei der Finanzierung oder wenn es Hilfe gibt bei der Jagd, dass zum Beispiel Hochsitze finanziert werden, dass man die Infrastruktur erst einmal schafft, um mehr Rehe und Hirsche zu erlegen, dann wäre das schon eine richtig große Hilfe."

Fleisch aus dem Wald statt aus dem Gatter

Die Deutschen mögen Wildbret, sagt Reinwald. In einer Umfrage hätten 80 Prozent gesagt, sie hielten es für ein hochwertiges Lebensmittel. Nun müsse es auch auf die Teller kommen. Schwein und Reh aus deutschen Wäldern, nicht vom Discounter. Das Fleisch dort stamme meist aus Osteuropa oder Übersee, aus Gatterhaltung. Mit Wild, sagt Reinwald, habe das nur wenig zu tun.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2020 | 06:12 Uhr

4 Kommentare

Sachsin vor 4 Wochen

Die Deutschen mögen Wildbret, meint Torsten Reinwald als Sprecher des Deutschen Jagdverbands. Es sei immer noch so, dass sich viele Landesregierungen zierten und es nicht erlaubten, dass der Jäger beispielsweise die Hilfe eines Metzgers in Anspruch nehme. Wir würden gerne bei Kaufland, Lidl, Netto & Co. frisches Reh Steak oder anderes Wildbret holen. Wildschwein muss nicht sein auch wenn es heißt das Schweinepest für Menschen nicht tödlich wäre könnte es vllt. Anders unangenehm sein und die Bleikugeln sollten auch entfernt sein, die wiegen und kosten ja mit.

Anni22 vor 4 Wochen

Wie wärs mit verarbeiten und einfrieren? Weihnachten steht vor der Tür. Also los kaufen. (Hab aber noch gar kein Angebot im Laden gesehen, ich schau noch mal.)


adler123 vor 4 Wochen

Tja...es wird gejammert, daß die Jäger auf dem Wild sitzenbleiben....na, wo zum Kuckuck gibt es das denn zu kaufen????????