Stasi-Akten stehen in den Regalen in der Außenstelle Erfurt des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.
Archivierte Stasi-Akten Bildrechte: dpa

DDR-Erbe Wohin mit Sachsens Stasi-Akten?

Das Erbe der Stasi ist enorm: Würde man alle Akten des DDR-Geheimdienstes aneinanderreihen, dann ergäbe das eine Strecke von 111 Kilometern. Derzeit liegen die Akten in Archiven in ganz Ostdeutschland verteilt – dort können sie auf Dauer aber nicht bleiben. Die wenigsten Räume sind dafür geeignet. Die Akten drohen zu vergilben oder zu zerfallen. Der Bund will deshalb neue Archive einrichten. Wo das sächsische Archiv stehen könnte, darüber herrscht allerdings Uneinigkeit.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Stasi-Akten stehen in den Regalen in der Außenstelle Erfurt des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.
Archivierte Stasi-Akten Bildrechte: dpa

Als Favorit für das neue sächsische Stasi-Archiv gilt derzeit Leipzig – genauer gesagt die ehemalige Stasi-Zentrale am Matthäikirchhof in der Innenstadt. Dort gebe es genug Flächen, sagt Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Roland Jahn
Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen Bildrechte: imago/Horst Galuschka

Man müsse auch das klare Kriterium sehen, wo die Akten zu DDR-Zeiten gelagert worden seien. Außerdem müsse man laut Jahn fragen, wo sie erobert worden seien. Auch stehe Leipzig als Symbol für die Friedliche Revolution. Dies sei ein wichtiges Kriterium, das beachtet werden müsse. Zusammen mit dem Bundestag hat er für Leipzig eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Lutz Rathenow, den sächsischen Landesbeauftragten, ärgert das. Leipzig habe schon genug Einrichtungen. Rathenow plädiert für Chemnitz. Die Akten dort müssten ohnehin in einen Neubau umgelagert werden. Und der wäre für alle anderen Akten aus Sachsen sehr leicht aufrüstbar und archivtechnisch nutzbar.

Chemnitz ist von allen finanziellen Bedingungen, und von allen Bedingungen einer raschen Nutzbarkeit der Akten, die mit Abstand beste Lösung.

Lutz Rathenow

Grüne fordern Machbarkeitsstudie

Auch Katja Meier aus der Grünen-Fraktion im Landtag möchte, dass sich der Freistaat beim Bund zumindest für eine Machbarkeitsstudie für den Standort Chemnitz einsetzt. Die Staatsregierung habe sich aber offenbar längst für Leipzig entschieden und sich mit dem Bund abgesprochen - allerdings ohne der Öffentlichkeit, den Opferverbänden und dem Parlament gegenüber zu sagen, dass man sich entschieden habe.

Eine Entscheidung für Leipzig aus Kostengründen ist durchaus nachvollziehbar. Aber ich kritisiere – oder wir als Grüne kritisieren – das intransparente Vorgehen der sächsischen Staatsregierung.

Katja Meier, Grüne

Keine Entscheidung vom Land

Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow von der CDU hat zwar bereits 2017 öffentlich ein zentrales Archiv in Leipzig vorgeschlagen. Eine Festlegung habe es aber nicht gegeben, beteuert er. Alle Interessen würden kommuniziert. Das sei eine Entscheidung, die letztlich der Bundestag treffen müsse und der Stasi-Unterlagenbeauftragte. Das könne nicht hier im Land entschieden werden, so Gemkow.

Im Moment liegen die Akten verteilt - in Dresden, Chemnitz und Leipzig. Auch künftig sollen sie überall dorthin zum Lesen bestellt werden können.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde Katja Meier falsch zitiert. Es entstand dabei ein falscher Eindruck zur Haltung der Grünen in der Frage des Standortes für das Stasi-Archiv.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 11:40 Uhr

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11 Kommentare

25.06.2019 08:19 Gerd Müller 11

Auf dem Müllhaufen der Geschichte, außer die von IM-Erika.

24.06.2019 23:40 Schulze 10

Diese Akten wurden vor allem deshalb "aufgearbeitet", um dem politischen Gegner zu schaden. Allerdings ist die Linke inzwischen nicht mehr Gegner Nr. 1. Diesen Part hat man der AfD zuerkannt, die mit ihrer Migrationskritik den Globalisten und Sozialstaatsplünderern das neoliberale Geschäft vermasselt. *) Die Akten haben also ihre Schuldigkeit getan und können weg. Und die "Aufarbeiter" können sich endlich an der Schaffung des BIP beteiligen, anstatt steuergelder zu verprassen. Wie hieß es 1989? "Stasi in die Produktion!" Eben.

*) Konrad Kustos: "Aus Migranten Kapital schlagen"

24.06.2019 23:31 Jörg 9

Na klar alles was aus dem Osten kommt ist böse und schlecht vor allem die Stasi mein gott in der ganzen Welt wird bespitzelt aber da wird kein Fass aufgemacht so langsam sollten wir das Thema abhaken

24.06.2019 22:37 Uwe 8

Und wie lange wird es dauern bis sich die Frage stellt wohin mit den durch die Antifa geschaffenen Akten und Steckbriefen von nicht rotrotgrünen welche heute schon in großer Zahl existieren und gegen die die Stasi Akten Kinderkram sind?

24.06.2019 17:01 Wolfgang Friedrich 7

Diese und Akten anderer Geheimdienste sollten dauerhaft aufbewahrt und jeweils nach 10 Jahren Verschluss gehalten oder im begründeten Einzelfall sofort einsehbar sein. Dafür spricht die Arbeitsweise aller Geheimdienste: Was von den Mitarbeitern gesammelt wird, ist viel zu umfangreich, um eine Kontrolle der Wahrheitsmäßigkeit vornehmen zu können. Der Kontrollausschuss des dt. Bundestages ist quantitativ weit überfordert. Da Subjektivismus bei Sammeln von Daten und Abfassen von Berichten nicht ausgeschlossen werden kann, muss für Betroffenen ein turnusgemäßer Zugang gesetzlich gesichert werden. Anderenfalls wären ggf. persönliche Nachteile hinzunehmen, für deren Ursachen es keine objektiven Gründe gibt. Das Problem des Subjektivismus kann niemand grundsätzlich ausschließen, ohne unverzichtbare Geheimdienstarbeit zu verhindern. Aber gerade deswegen muss man Dauerschäden durch Subjektivismus in geeigneter Weise verhindern.

24.06.2019 12:01 Locke 6

"Wohin damit!"
Einfach vernichten!
Keinen interessiert dieses Thema oder möchte man von etwas anderen ablenken?

24.06.2019 11:42 Brennabor 5

Alle Akten schnellsten vernichten, es macht überhaupt
keinen Sinn sie aufzubewahren.
Packt lieber die Probleme von heute an!

24.06.2019 11:18 Frank von Bröckel 4

Einfach sämtliche Stasiakten deutschlandweit dem Bundesarchiv zur dauerhaften Aufbewahrung überlassen, und fertig ist die Laube!

Denn ob und wei immerhin vor Jahrzehnten persönlich bei der Stasi war oder auch nicht war, ist heutzutage SOWIESO nur noch kalter Kaffee von vorgestern!

Die unzähligen Archivmitarbeiter würden heutzutage viel eher dazu benötigt, die echten Klarnamen und Identitäten derjenigen Personen herauszufinden, die heutzutage dauerhaft in die Bundesrepublik Deutschland einreisen!

Denn hinsichtlich deren echten Klarnamen und Identitäten habe nicht nur ich sehr häufig durchaus berechtigte Zweifel!

Sehr berechtigte Zweifel SOGAR!

24.06.2019 10:20 Klemmi 3

@1: Das ist wirklich ein Theater aber tatsächlich hat die Staatsregierung das „an einen Tisch setzen“ nicht für notwendig erachtet, soviel zum demokratischen Verständnis. Wenn der historische Hintergrund, laut Jahn, so wichtig ist, warum dann nicht Plauen? Die Kritik, Leipzig habe schon genug Einrichtungen, ist berechtigt.

24.06.2019 09:43 Petra 2

Wohin damit? Einfach schreddern. Die Zeit ist reif dafür. Wer will kann seine Seiten sich vorher selbst einscannen. Ansonsten ist das Thema abgehackt.