Peter Wurschi
Peter Wurschi ist der neue Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Bildrechte: MDR/Holger John/VIADATA

Vorgestellt: Peter Wurschi Neuer Landesbeauftragter für SED-Aufarbeitung in Thüringen

Thüringen hat einen neuen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Peter Wurschi wurde vergangene Woche vom Parlament in Erfurt ins Amt gewählt. Am 21. November tritt der Sozialwissenschaftler seinen neuen Posten an und beerbt damit Christian Dietrich. Wer ist Peter Wurschi und was hat er sich vorgenommen?

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen für MDR AKTUELL

Peter Wurschi
Peter Wurschi ist der neue Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Bildrechte: MDR/Holger John/VIADATA

Peter Wurschi ist ein Wende-Gewinner. Der heute 43-Jährige wuchs in Suhl in einem christlichen Elternhaus auf und wäre vermutlich Orthopädiemechaniker geworden, wäre 1989 nicht die Mauer gefallen. Dadurch kam alles anders. Wurschi machte sein Abitur, studierte in Leipzig und schrieb seine Doktorarbeit über jugendliche Subkulturen in der DDR:   

Insofern habe ich einen sehr positiven Blick auf die Veränderungen von 1989. Ich sehe aber gleichwohl, dass ich damit eine Erzählung der DDR teile. Es gibt auch andere Erzählungen. Nämlich Menschen, die auf die Ereignisse 89/90 weniger positiv zurückblicken, weil sie in Arbeitslosigkeit gekommen sind, weil eine Welt zusammengebrochen ist. Und die Aufgabe, sie sich stellt, ist diese Erzählungen, diese Ideen von DDR, diesen Rückblick zusammenzubringen.

Peter Wurschi Thüringer Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Wurschi tritt sein neues Amt bereits als Experte an. Seit 2015 ist er leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Ettersberg, die sich auch mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur befasst. Eine Aufgabe, die in Wurschis Augen alle Generationen betrifft: "Nicht diejenigen, die in der DDR gelebt haben, müssen sich auch um die Aufarbeitung kümmern, sondern es geht darüber hinaus. Das Thema DDR zeigt viel mehr, wie eine Gesellschaft, eine Nicht-Demokratie, eine Diktatur funktioniert." Und daraus könne man Rückschlüsse ziehen, wie eine Demokratie funktionieren könne.

Grüner Vorzeige-Kandidat

Die Grünen hatten ihr Parteimitglied Wurschi für den Posten vorgeschlagen. Zum einen, weil er ein anerkannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Aufarbeitung des SED-Unrechts sei.

Zum anderen, weil Wurschi aus einem Elternhaus komme, das Opposition erfahren und gelernt habe sich zu widersetzen, erklärt Fraktionsvorsitzender Dirk Adams.

Für uns war er eine ideale Person. Jemand der Erfahrung aus der DDR-Zeit mitnimmt, aber auch noch sehr jung ist. Er kann den zukünftigen Generationen, die das nicht erlebt haben, dieses Wissen vermitteln.

Dirk Adams Fraktionsvorsitzender der Grünen im Thüringer Landtag

Zweiter Anlauf geglückt

Wurschi war 2013 schon einmal für den Posten vorgeschlagen worden; damals von der SPD. Die einigte sich aber mit ihrem damaligen Koalitionspartner CDU auf den bisherigen Amtsinhaber Christian Dietrich. Den hätte die CDU zwar lieber weiterhin im Amt behalten, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring, das Vorschlagsrecht lag aber bei Rot-Rot-Grün:

Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren hält an einem Pult eine Rede, im Hintergrund sitzt ein anderer Mann mit blond-grauen Haaren und Brille und schaut ihm zu.
CDU-Fraktionschef Mike Mohring stellte sich bei der Personalie Wurschi nicht quer. Bildrechte: dpa

Uns war wichtig, dass das Amt erhalten bleibt. Nämlich weiter zu schauen, was hat das ausgemacht eine der SED-Diktatur, die Stasi-Verfolgung, wie geht es den Opfern heute, was muss man aufarbeiten?

Mike Mohring CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag

Die CDU hatte schon vorab angekündigt, für Wurschi stimmen zu wollen. Wenig überraschend also, wurde der Sozialwissenschaftler in sein neues Amt gewählt und anschließend von Landtagspräsident Christian Carius ernannt und vereidigt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Oktober 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2018, 06:30 Uhr

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7 Kommentare

04.10.2018 14:55 Bürger der früheren DDR 7

Herr Wurschi ist ein Wendegewinner, weil er nicht den Beruf Orthopädiemechanikers ergriffen hat. Soso. Vielleicht treffe ich den Herrn Wurschi einmal persönlich. Dann kann er mir erklären, was an diesem Beruf so schrecklich ist. Ich habe mich bei Wikipedia kundig gemacht und wäre froh, wenn ich die handwerklichen Fähigkeiten hätte, die Voraussetzung für diesen Beruf sind.

04.10.2018 14:16 winfried an "Geht das ?"(2) 6

>>Als die SED ihr Unwesen trieb, war er noch Kind.<<
Dafür kann der Mann nichts.
>>Kann er sich vorstellen, wie Menschen unter dieser "Diktatur" gelitten haben?<<
Er hat aber die Chance "Ergebnis-offen" zu arbeiten.
>> ... entscheidet und urteilt er "nach Aktenlage"?<<
Wenn er wirklich ein Wissenschaftler ist, gerät er nicht in die Gefahr "als Blinder Farben zu beurteilen" oder ein Eunuch zu sein, denn der weiß genau wie's geht, kann es selbst aber nicht.

04.10.2018 13:45 Uwe 5

Ein Grüner. Da wurde mal wieder der Bock zum Gärtner gemacht und es hätte auch gleich ein ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS mit der Aufgabe betraut werden können.

04.10.2018 12:37 Nikolaus Krause 4

Nicht alles war schlecht. Es gab sogar Frühling Sommer Herbst und Winter. Und das wurde von der DDR Gesellschaft gestützt ;). Die Jahreszeiten waren ganz wichtig für eine gelungene Kindheit und Jugend

04.10.2018 12:04 optinator 3

In 30/40 Jahren wechseln sich die täglich wiederholenden Reportagen über das 3. Reich und dann auch über die DDR im Wechsel ab, eine Endlosschleife.

Die Mauer wird noch in 30/40 Jahren in den Köpfen der Menschen bleiben so lange hier nur Einseitig berichtet wird. Die Mächtigen steuern uns doch täglich in ihre gewünschte Richtung.

04.10.2018 09:16 Geht das? 2

Als die SED ihr Unwesen trieb, war er noch Kind.
Kann er sich vorstellen, wie Menschen unter dieser "Diktatur" gelitten haben?
Oder entscheidet und urteilt er "nach Aktenlage"?
Wäre schade!

04.10.2018 08:46 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Bisher habe ich immer den Historikern geglaubt.
Aber wenn ich lese wie man Land gewesen sein soll in dem ich eine wunderschöne Kindheit und Jugend hatte, glaube ich kein Geschichtsbuch mehr.
Nicht alles war schlecht und da man keine Differenzierung vornehmen will interessiert mich das ganze Gerede darüber nicht!