Wegen Kohleausstieg Zwei neue Umweltzentren in Leipzig geplant

Bundesländer, die vom Kohleausstieg betroffen sind, schlagen seit Jahren Alarm. Auch Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Landesregierungen fordern nicht nur Milliarden, um vielleicht wegfallende Arbeitsplätze kompensieren zu können, sondern auch die Ansiedlung von Bundesbehörden. Neben der Agentur für Cybersicherheit soll Leipzig nach Informationen von MDR AKTUELL zwei weitere Einrichtungen bekommen, die sich beide mit Umwelt beschäftigen.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Eine Messstation für Feinstaubbelastung.
Luftbelastung durch Feinstaub, Wasserqualität, belastete Böden: Umweltministerium plant bundesweite Umweltdatenbank. Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Haus im Grünen bauen. Sagen wir in der Nähe von Strehla an der Elbe. Ein Grundstück haben Sie sich schon ausgesucht. Nun möchten Sie aber noch wissen, ob darauf alles okay ist. Ist der Boden belastet? Mit chemischen Stoffen? Oder sogar radioaktiv? Wie ist die Wasserqualität der Elbe? Und wie hoch ist die Luftbelastung aus dem nahegelegenen Heizkraftwerk in Riesa?

Umweltministerium plant bundesweite Umweltdatenbank

Um all das rauszukriegen, sind Sie zurzeit recht lang beschäftigt. Denn es gibt in Deutschland keine zentrale Anlaufstelle dafür. Die Daten liegen in verschiedenen Bundes- und Landesbehörden, aber auch in Kommunen verstreut und sind oft nur auf Antrag einsehbar.

Diesen Zustand kritisiert die Europäische Kommission seit Langem als intransparent. Nun soll er sich ändern. Das Bundesumweltministerium plant eine bundesweite Umweltdatenbank, die immer mit den aktuellsten Infos zur Luft-, Boden und Gewässerqualität aus jeder Ecke Deutschlands gefüttert ist.

Das Ministerium teilte MDR AKTUELL mit: "Das Bundesumweltministerium hat eine Untersuchung der Machbarkeit eines zentralen nationalen Zugangs zu Umweltinformationen beauftragt. Nicht allein für Bürgerinnen und Bürger, sondern zugleich für Wissenschaft und Wirtschaft."

Wegen aufwendiger Datenpflege viele Arbeitskräfte benötigt

Die Machbarkeitsstudie laufe bereits seit einem halben Jahr, heißt es aus dem Ministerium. Es gehe in dieser Studie aber nicht mehr darum, ob die neue Umweltdatenbank kommt, das sei schon sicher und auch schon im Strukturstärkungsgesetz verankert. Vielmehr gehe es um das Wie. Und auch der Standort stehe schon so gut wie fest, teilte das Ministerium mit.

Im mitteldeutschen Revier wäre dafür der Standort Leipzig denkbar.

Bundesumweltministerium

Offen sei aber noch, wo genau in Leipzig und mit wie vielen Mitarbeitern das Datenzentrum entstehen soll. Ein Insider sagte MDR AKTUELL, es handle sich um eine enorme Herausforderung, für die mindestens 50 Mitarbeiter benötigt würden. Der große Aufwand bestehe voraussichtlich darin, die von Hunderten verschiedenen Ämtern und Behörden in Deutschland gemessenen Umweltdaten bundesweit in einer Datenbank zu digitalisieren – und später auch zu pflegen.

Auch Zentrum für Biodiversitätsmonitoring geplant

Damit aber noch nicht genug. Leipzig soll voraussichtlich noch in diesem Jahr eine weitere Umwelteinrichtung des Bundes bekommen: ein sogenanntes Zentrum für Biodiversitätsmonitoring. Das wird nach Informationen von MDR AKTUELL am Leipziger Standort des Bundesamts für Naturschutz angesiedelt.

15 neue Stellen sollten geschaffen werden, heißt es im Haushaltsplan des Bundesumweltministeriums. Die neuen Experten sollen Beobachtungsdaten zur biologischen Vielfalt sammeln und auswerten, vor allem über die Verbreitung bedrohter Insektenarten. Bislang fehlt in der Bundesrepublik ein groß angelegtes Monitoring, also Beobachten von Tieren. Bei der Zählung zum Beispiel von Insekten oder Vögeln sind die Behörden meist auf ehrenamtliche Artenkenner angewiesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 05:00 Uhr

7 Kommentare

Bernd L. vor 8 Wochen

Das ist doch Alibi. Keiner der vom Kohleausstieg in seinem Job Betroffenen wird in einem dieser Institute Arbeit finden. Im Gegenteil sie bezahlen mit ihren Steuern diese Institute.

Und der Michel schlaeft weiter vor 8 Wochen

Wer bezahlt die ganzen Leute? Ach von Steuern, dann ist ja alles gut.
CO2-Steuer und die Kotelettsteuer müssten dafür reichen, wenn nicht, dann bitte mehr Steuern.
Alles kein Problem die Re(gier)ung kennt sich damit aus.

Peter Mueller vor 8 Wochen

Es war wichtig, dass Leipzig weitere Institute bekommt. Der Stadt geht es so schlecht. Was soll erst werden, wenn die Leipziger Kohleindustrie stirbt?