S-Bahn im Leipziger City-Tunnel
S-Bahn im Leipziger City-Tunnel Bildrechte: dpa

Plan-Spiele Bekommt Leipzig einen zweiten City-Tunnel?

Über einen zweiten City-Tunnel wird in Leipzig schon lange diskutiert. Eigentlich schienen diese Debatten immer sehr vage, doch nun hat sich Ministerpräsident Kretschmer überraschend dafür ausgesprochen, Leipzig bei einer ersten Vorprüfung zu unterstützen. Kommt die zweite Röhre? Wie konkret sind die Pläne?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

S-Bahn im Leipziger City-Tunnel
S-Bahn im Leipziger City-Tunnel Bildrechte: dpa

Im Leipziger Rathaus hat man erfreut zur Kenntnis genommen, wie offen sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer für das Projekt "City Tunnel 2" zeigt. Doch der Sprecher der Stadt, Matthias Hasberg, schränkt sofort ein:

Es bleibt aber eine Vision, das muss man ganz deutlich sagen. Was Herr Kretschmer jetzt zugesagt hat, ist Geld, um überhaupt erst einmal eine Vorprüfung in Angriff nehmen zu können, um zu schauen, wie ein solches Projekt überhaupt aufgestellt werden müsste.

Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig   

Es sei alles noch sehr vage, erklärt Hasberg. Aber es gebe jetzt ein klares Bekenntnis aus Dresden, die Leipziger Verkehrsprobleme gemeinsam zu lösen.

Tunnel für Nahverkehr

Wie genau stellt man sich also den zweiten City-Tunnel vor? Zuerst einmal soll es sich wieder um einen Tunnel für den öffentlichen Nahverkehr handeln und nicht für Autos, wie auch spekuliert wurde.

Der City Tunnel 2 soll dann eine Ost-West-Verbindung schaffen: Von der Berliner Brücke im Osten ausgehend, unterirdisch vorbei am Stadion und dann auftauchen am S-Bahnhof Plagwitz.

Die CDU-Stadträtin und Vorsitzende des Bauausschusses Sabine Heymann erläutert, vor allem im Leipziger Norden und Nordwesten gebe es eine große Verkehrsbelastung im privaten und im Wirtschaftsverkehr. Eine attraktive ÖPNV-Verbindung würde hier deutliche Erleichterungen bringen.

Grüne zweifeln an Realisierbarkeit

Statt auf Leuchtturmprojekte zu setzen würde der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Daniel von der Heide, lieber die Potenziale des bestehenden Citytunnels nutzen. Man könnte zum Beispiel längere Züge einsetzen. Da sollte der Freistaat zuerst investieren, meint von der Heide.

Seine Sorge sei, wie es in Deutschland ja häufig passiere, dass man sich jetzt auf so ein Großprojekt stürze und kleine Lösungen auf der Strecke blieben. Mit einer Erweiterung der S-Bahn-Kapazitäten könne man kurzfristig schneller Effekte erzielen.

Gegen eine prinzipielle Prüfung eines neuen Tunnel-Projekts hat von der Heide allerdings nichts. Doch er ist skeptisch, ob das Projekt am Ende wirklich realisierbar ist. Immerhin führe die Route durch Sumpfgebiete, die Weiße Elster und den Auwald.

Stadt dämpft Erwartungen

Auch Stadtsprecher Hasberg sieht die großen Herausforderungen und Kosten für einen zweiten Tunnel quer unter der Stadt hindurch:

All das muss man sich im Laufe der Planung anschauen. Da kann am Ende das Urteil auch heißen: Es geht nicht. Es geht technisch nicht oder der Aufwand ist unverhältnismäßig.

Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig   

Doch momentan ist das alles nur Zukunftsmusik. Eine erste Planung würde Jahre dauern, eine eventuelle Realisierung sogar Jahrzehnte, sagt Hasberg. Jetzt werde erstmal geguckt, wen man an einen Tisch holen muss und wie überhaupt eine Finanzierung aussehen müsste.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Januar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2018, 07:10 Uhr

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12 Kommentare

20.01.2018 21:39 Max W. 12

@20.01.2018 13:38 John Silver (Nach überdimmensionierten Abwasser, leeren Industrieparks, Regenkanne Spaßbädern und für jedes Kaff nen Flugplatz wieder Tunnel. Klar, die Industrie braucht Großprojekt, egal ob die Kosten- Nutzen- Rechnung stimmt oder nicht! Sind ja nur die Milliarden des Steuerzahlers - deshalb kommt der Staat mit den weltweit zweithöchsten Steuern & Abgaben (Single, Medianeinkommen fast 2/3) und dafür den niedrigsten Renten der entwickelten Industriestaaten ja auch nie mit dem Geld aus - ständig wird überlegt, wo noch was zu holen ist. Dresden wollten sie auch schon einen einreden, geht bloß nicht wegen der Elbe :-) Zurück zum Citytunnel: Vier Minuten Fahrzeiteinsparung, eine Milliarde Kosten - hat sich doch gelohnt, oder .-) Übrigens schon gehört: Es fehlen PREISWERTE 3... 4- Raum- Wohnungen für Familien!)

Und mehr ist dazu nichts zu sagen. Kretschmer macht ganz offensichtlich genau so weiter, wie gehabt. Kein Wunder, sitzt der Karren doch achstief im Dreck.

20.01.2018 21:20 Max W. 11

(Seine Sorge sei, wie es in Deutschland ja häufig passiere, dass man sich jetzt auf so ein Großprojekt stürze und kleine Lösungen auf der Strecke blieben. Mit einer Erweiterung der S-Bahn-Kapazitäten könne man kurzfristig schneller Effekte erzielen.)

Der einzige Effekt, den solche Projekte erzielen sollen, ist, der Bauindustrie und deren rückwärtigen Dienstleistern Aufträge zu verschaffen. Kosten-/Nutzenanalysen, eine saubere und realsitische Kalkulation unterbleibt deshalb regelhaft. Die Ergebnisse tragen Namen wie BER, JWP, Stuttgart21, Magdeburger Tunnel, Elbphilharmonie usw.. Verdienen tun die Spekulanten,, die grossen Baufirmen, allerlei Verkäufer von Equipment, Politiker aka Lobbyisten und sonst niemand. Der realisierte Nutzen steht häufig in krassestem Gegensatz zu den Kosten.

Vor allem soll sich an den herrschenden Verkehrsverhältnissen in den Grosstädten nicht wirklich etwas ändern. Daher sind die "grünen" Bedenken völlig angebracht und zielen auf die richtigen Punkte.

20.01.2018 16:41 Peter 10

Eines steht fest, der City-Tunnel ist ein Segen für Leipzig und Umgebung. 50.000 Fahrgäste pro Tag, davon viele Pendler, die ansonsten mit dem Auto zur Arbeit gefahren wären. Halle-Leipzig in 37 Min., Delitzsch-Leipzig in 20 Min., Leipzig-Wurzen in 20 Min.

20.01.2018 16:39 klaus P 9

Und jetzt wo sie wissen wie ein City tunnel gebaut werden soll wird der zweite dann doch billiger und ohne Ueber Kosten gebaut???

20.01.2018 15:19 Fragender Rentner 8

Wenn es nicht wie beim BER oder S21 aus dem Ruder läuft und wenn es von Nutzen ist, macht es vielleicht Sinn, ansonsten lieber nicht.

20.01.2018 14:00 Sächsin 7

Die Verbeamtung von Lehrer ist jetzt vom Tisch. Da werden wieder Mittel für infrastrukturelle Projekte frei. Bitte mit Augenzwinkern und Sinn für Ironie lesen.

20.01.2018 13:43 S5x Nutzer Richtung ABG/Z 6

Der Grüne hat vollkommen Recht. Längere S-Bahnen gerade auf den Strecken S5 und S5x wären dringend anzuraten! Es kann nicht sein das auf die Dörfer wie Borna und Geithain längere Züge fahren als auf der am meisten befahrenen Strecke nach Altenburg/Zwickau. Dort steht man fast nur wenn man am Bayrischen Bhf einsteigt. Der Zug nach Borna der vorbei fährt dagegen leer. Unverständlich und idiotisch. Aber so kennt man die Bahn. Immer gerade weg am Kunden vorbei operieren.

20.01.2018 13:38 John Silver 5

Nach überdimmensionierten Abwasser, leeren Industrieparks, Regenkanne Spaßbädern und für jedes Kaff nen Flugplatz wieder Tunnel. Klar, die Industrie braucht Großprojekt, egal ob die Kosten- Nutzen- Rechnung stimmt oder nicht! Sind ja nur die Milliarden des Steuerzahlers - deshalb kommt der Staat mit den weltweit zweithöchsten Steuern & Abgaben (Single, Medianeinkommen fast 2/3) und dafür den niedrigsten Renten der entwickelten Industriestaaten ja auch nie mit dem Geld aus - ständig wird überlegt, wo noch was zu holen ist. Dresden wollten sie auch schon einen einreden, geht bloß nicht wegen der Elbe :-) Zurück zum Citytunnel: Vier Minuten Fahrzeiteinsparung, eine Milliarde Kosten - hat sich doch gelohnt, oder .-) Übrigens schon gehört: Es fehlen PREISWERTE 3... 4- Raum- Wohnungen für Familien!

20.01.2018 12:41 Karl Winter 4

@3 JA!!!!
Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat soviel Pinke-pinke, wer hat
so viel Geld?

20.01.2018 10:51 Sächsin 3

Wird teuer, ist aber auch zukunftsweisend, daher mein Ja zu dem Projekt.