zerstörtes Wahlplakat
Wahlplakate der AfD werden besonders häufig zerstört. Bildrechte: imago images / IPON

Kommunal- und Europawahlen AfD und Linke beklagen starken Vandalismus an Wahlplakaten

Heruntergerissen, beschmiert und gestohlen: Die AfD meldet besonders viel Vandalismus an ihren Wahlplakaten. Vor allem in Großstädten werden die Plakate oft beschädigt. Auch Die Linke teilt mit, dass ein Drittel ihrer Großflächen-Plakate zerstört worden sei. CDU und FDP melden dagegen weniger Vandalismus als in früheren Wahlkämpfen.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

zerstörtes Wahlplakat
Wahlplakate der AfD werden besonders häufig zerstört. Bildrechte: imago images / IPON

Fragt man Andreas Harlaß, Pressesprecher der AfD Sachsen, wie stark seine Partei von beschädigten Wahlplakaten betroffen ist, muss er nicht lange überlegen:

Der Pressesprecher der Afd Sachsen, Andreas Harlaß
In Großstädten werden mehr AfD-Plakate zerstört als in Kleinstädten, sagt Harlaß. Bildrechte: dpa

Es gibt wahrscheinlich kein einziges Wahlplakat, das nicht zerstört wurde in der Form, dass es beschmiert wurde, heruntergerissen wurde oder ganz gestohlen wurde. 

Andreas Harlaß Pressesprecher AfD Sachsen

Er selbst lebt in Dresden. In seiner Straße seien AfD-Plakate ständig nachplakatiert worden, sagt Harlaß. Aus Erzählungen von Kollegen wisse er, dass vor allem in den Großstädten Chemnitz, Leipzig und Dresden Plakate beschädigt würden. In kleineren Städten sei es nicht ganz so schlimm. Wahrscheinlich sei die Atmosphäre dort intimer oder die Chance ertappt zu werden größer, vermutet er.

Linkspartei auch stark von Vandalismus betroffen

Plakat Die LINKE im Gebüsch
Etwa 30 Prozent der Plakate der Linke wurden beschädigt. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Auch die Linkspartei in Sachsen hat mit Vandalismus zu kämpfen. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärte Die Linke, dass von 200 aufgestellten Großflächen-Plakaten, etwa 70 beschädigt wurden - das ist mehr als jedes dritte Plakat.

Auch von den 60.000 kleinen Plakaten, die an Sachsens Laternenmasten hängen, seien etwa dreißig Prozent beschädigt worden.

Weniger Vandalismus bei CDU und FDP

Weniger Vandalismus gibt es bei den Parteien der Mitte. Die CDU Sachsen teilte MDR AKTUELL schriftlich mit, dass im Vergleich zum Bundestagswahlkampf 2017 weniger Plakate beschmiert und zerstört worden seien.

Auch die Wahlplakate der FDP in Sachsen-Anhalt seien in diesem Wahlkampf seltener Angriffen ausgesetzt, sagt Landesvorsitzender Frank Sitta. Lediglich ein Großflächen-Plakat sei bisher ausgetauscht worden. Bei den klassischen Laternen-Plakaten gebe es regionale Unterschiede, erklärt Sitta.

In den Großstädten Magdeburg und Halle würden zwar immer wieder Plakate heruntergerissen, gezielte Angriffe auf die Wahlplakate der FDP seien aber nicht festzustellen, erklärt der Landeschef der Liberalen. Insgesamt nehme man weniger Vandalismus als in früheren Wahlkämpfen wahr.

Grüne: Mehr direkte Drohungen an Politiker

Die Landesvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, beobachtet noch etwas anderes. Zum einen nehme der Vandalismus zu, sagt sie. Schlimmer seien allerdings direkte Bedrohungen.

 Susan Sziborra-Seidlitz, Bündnis 90/Die Grünen
Susan Sziborra-Seidlitz (Die Grünen) wurde während des Wahlkampfs bedroht. Bildrechte: dpa

Mir hat man kürzlich einen kommentierten und zerfetzten Wahlkampf-Flyer vor die Haustür gelegt. Solche Drohungen sind eine andere Dimension als die Zerstörung von Plakaten. Das ist tatsächlich gruselig.

Susan Sziborra-Seidlitz Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt

So etwas sei keine Form von politischer Auseinandersetzung, findet Sziborra-Seidlitz. Solche Leute würden politische Willensbildung komplett missverstehen.

Anmerkung der Redaktion: Die Linke war die einzige Partei, die im Gespräch mit unserer Autorin die absoluten Zahlen zerstörter Plakate beziffern konnte oder wollte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2019 | 05:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 05:00 Uhr

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59 Kommentare

22.05.2019 09:25 007 / Mut zur Wahrheit! 59

@ Paul21 ... Eine interessante Überlegung. Warum nicht die Plakatierung für Wahlen wie die Zigarettenwerbung abschaffen, Problem Vandalismus gelöst. Ich bin für Flyer in den Briefkästen, die können diese kriminellen nicht wieder heraus nehmen. Außerdem erreicht Partei dadurch direkt den Bürger. Ich bezweifle ob diejenigen welche die Wahlplakate abreisen überhaupt wahlberechtigt sind. Zumindest haben sie aber einen sehr niedrigen Intelligenzquotient ...

22.05.2019 08:08 Rainbow66 58

Hierzu passt Loriot wunderbar:
"Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen."

21.05.2019 17:45 Wo ist das Lobbyregister? 57

@21.05.2019 16:01 Horst

(Der Pressesprecher der AfD Sachsen hingegen meint "Es gibt wahrscheinlich kein einziges Wahlplakat, das nicht zerstört wurde...". Kennt sich scheinbar auch nur in den (Groß)Städten aus.)

Was soll diese Stammtischpolemik? "Auf dem Land" war dieses Problem noch nie virulent - wenn überhaupt, dann erst in jüngster Zeit und in erster Linie als Folge der "Migrationspolitik" der Merkelei. Denn der Versuch, die sog. "Flüchtlinge" breit im Lande zu verteilen, hätte die Landkommunen weit härter getroffen, als die Ballungszentren. Meiner Erfahrung (Bauernfamilie) nach beruht das auf der Glaubwürdigkeit der betriebenen Politik. Glauben die Leute, was ihnen zum Thema "Flucht" vermittelt, ist die Hilfsbereitschaft gross - spüren sie, dass sie benutzt und belogen werden, schlägt das in sein Gegenteil um.

Und das, um einen ganz besonders ausgewiesenen SPD-Polit-Scharlatan zu zitieren, "ist auch gut so".

21.05.2019 17:39 Wo ist das Lobbyregister? 56

@21.05.2019 16:19 Gaihadres

(Es ist Unschön, fraglos. Aber die vorliegenden Fakten lassen keinen qualitativen Rückschluss zu.)

Die "vorliegenden Fakten" lassen eine ganze Reihe qualitativer und quantitativer Rückschlüsse zu, für deren Aufzählung der Platz hier gar nicht reicht. Einer der wichtigsten Rückschlüsse ist der auf das demokratische Verständnis und die Akzeptanz des AUSTRAGENS von politischen Konflikten und weitgehend ergebnisoffener Diskurse.

Offensichtlich hat ein nicht geringer Teil der "Bürger" inzwischen ein regressives, infantiles und quasireligiöses Verhältnis zu politischen Scholastik: Entweder ist sie die Offenbarung und damit Dogma oder das Böse schlechthin. Rechtgläubiger oder Ketzer - dazwischen ist alternativlos nichts. Wir wissen ALLE, wessen Stempel das trägt - historisch wie zeitgenössisch.
Und einige von uns wissen auch, wohin das führt und zwar unweigerlich; aber eben nicht alle.

21.05.2019 17:13 Stief Stinkel 55

Mediator 45 Was genau hat die Lage in Österreich mit oben angeführten Artikel zu tun?Benutzen Sie Ihre Kommentare etwa zur Hetze gegen räächts?Da wären Sie hier aber weit am Thema vorbei.Komischerweise ist in Ihren Kommentaren nie was zu lesen,wie Sie diese Scheiß auf Anstand Aktionen eigentlich so beurteilen.

21.05.2019 17:05 Mikro 54

@45 Es geht um zerstörte Plakate.Da ja die Parteien wissen,wo Ihre Wahlwerbung platziert wurde,kann man davon ausgehen,das man sehr gut weiß,welche Plakate fehlen bzw. zerstört sind.Kann ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen,da ich selber mit geholfen habe,AfD Wahlplakate aufzuhängen.Sind übrigens alle noch am Platz.Trifft denn Ihre krude Theorie auch auf die anderen Parteien zu,deren Wahlplakate zerstört wurden?Oder beziehen Sie das speziell auf die AfD?

21.05.2019 16:35 Peter 53

@46: "Trittbrettfahrer"? Mein lieber Rentner, die kriminelle Energie der AfD-Hardliner ist doch hinlänglich belegt. Wer anders als diese sollten wohl die altbekannten Slogans der Alternative auf Wahlplakate der Konkurrenz schmieren.

21.05.2019 16:19 Gaihadres 52

Sehr fragwürdige Erhebung. Da werfen sich fragen auf: Erfassen alle Parteien beschädigte Plakate im gleichen Umfang? Wie ist die Quote - denn absolute Zahlen nützen da wenig, wenn das Gesamtverhältnis unklar ist. Werden Plakate in bestimmten Gebieten bevorzugt zerstört? Werden diese zeitnah ersetzt und entsprechend oft an der gleichen Stelle zerstört? Manche Regionen oder Stadtteile kann man ja diversen politischen Strömungen zuordnen. In Freital werden eher Plakate der Grünen zerstört, in der Dresdener Neustadt die der AfD etc. - so mancher wird sich da in falsch verstandenen Patriotismus für die eigene Sache provozieren lassen. Es ist Unschön, fraglos. Aber die vorliegenden Fakten lassen keinen qualitativen Rückschluss zu.

21.05.2019 16:05 Wo ist das Lobbyregister? 51

Ach, übrigens bei diesem Thema:

"Dem Blatt zufolge hat sich Ministerpräsident Mateusz Morawiecki dank Insider-Informationen und Beziehungen enorm bereichert - auf Kosten der Allgemeinheit." (MDR)

Ein "Europa der Werte" eben...

21.05.2019 16:01 Horst 50

@ 21.05.2019 12:01 gerd 31

"Bei uns auf dem Lande hängen alle Plakate noch egal von wem"

Der Pressesprecher der AfD Sachsen hingegen meint "Es gibt wahrscheinlich kein einziges Wahlplakat, das nicht zerstört wurde...". Kennt sich scheinbar auch nur in den (Groß)Städten aus.