Ein Kneipenwirt zapft Bier.
Jürgen Köhlers macht in seiner Kneipe jeden Handgriff selbst. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik. Bildrechte: MDR/Christin Sachtler

Regierung Merkel 4.0 Was "Menschen Mittendrin" von der Bundeskanzlerin erwarten

Ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl steht die neue Regierung fest. Die Große Koalition nimmt ihre Arbeit auf und Angela Merkel ist zum vierten Mal Kanzlerin. Kneipenbesitzer Jürgen Köhler aus Apolda und Sozialpädagogin Grit Herzog aus Halle machen sich Gedanken über ihre neue Kanzlerin.

Ein Kneipenwirt zapft Bier.
Jürgen Köhlers macht in seiner Kneipe jeden Handgriff selbst. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik. Bildrechte: MDR/Christin Sachtler

Jürgen Köhler: für den Wirt ist Merkel zu viel Europa und zu wenig Deutschland

Als am Vormittag des 14. März 2018 Angela Merkel zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt wird, beseitigt Kneipenbesitzer Jürgen Köhler aus Apolda die Spuren des vergangenen Abends. Das Geschehen in Berlin spielt in seiner Kneipe gerade keine Rolle. Die Plätze sind noch leer und er poliert noch schnell die Gläser. Er selbst habe überhaupt erst in den letzten fünf bis sechs Jahren angefangen die Politik bewusster zu verfolgen.

Dem Mittelstand unter die Arme greifen

Angela Merkel habe nicht viel falsch gemacht, meint Jürgen Köhler. Aber dennoch wäre es Zeit für einen Wechsel gewesen. Über zehn Jahre reichten, so der Kneipier. Nur fällt ihm niemand ein, der das Amt sonst hätte antreten können. "Wer soll es auch anders machen?", zuckt er mit den Schultern. Er hätte niemanden gesehen, bei dem er dachte „Ja der wäre es“. Für den Wirt stehe die Kanzlerin nach all den Jahren schon noch für Deutschland, müsse aber an einigen Stellen mehr anpacken.

Als Selbstständiger wünsche er sich zum Beispiel weniger Hürden und mehr Unterstützung für den Mittelstand. „Wir werden mit Steuern überhäuft. Die Krankenkassen sind zu teuer. Das haut alles nicht richtig hin.“

Am meisten kreidet Jürgen Köhler der Kanzlerin ihre Entscheidungen zur Einwanderungspolitik an. Das habe ihr viele Sympathien gekostet. Sie müsse einfach mehr für die Menschen in Deutschland da sein und weniger für Europa und das Ausland.

Angela Merkel ist mir einfach zu viel Europa und zu wenig Deutschland.

Jürgen Köhler, Kneipenbesitzer aus Apolda

Grit Herzog: die Sozialpädagogin glaubt an Merkels "Wir schaffen das!"

In der Zeit, in der die Kanzlerin vereidigt wird, wuselt Sozialpädagogin Grit Herzog aus Halle in ihrem "Stadtteilgarten Bunte Beete". Gemeinsam mit Anwohnern des Viertels Heide-Nord bringt sie den Garten auf Vordermann - es braucht ein neues Gartentor. Ihrer Meinung nach hat die Kanzlerin in der Europapolitik viel richtig gemacht. Sie glaube noch immer an Merkels Satz "Wir schaffen das" und hält ihr den Einsatz für ein offenes Europa sehr zu Gute. Merkel sei, trotz ihrer härteren Gesichtszüge, noch immer eine Vertrauen ausstrahlende Person. Die Sozialpädagogin bewundere ihre Ruhe und nahezu stoische Gelassenheit, wünsche sich aber nun mehr Initiative. Jetzt seien Zeiten da, wo man nicht mehr alles aussitzen könne.

Ich wünsche mir ein bisschen mehr Mut und Engagement, neue Wege zu gehen.

Grit Herzog, Sozialpädagogin aus Halle

In einem so reichen Land wie Deutschland müssten viele Probleme einfach nicht sein, sagt die Sozialpädagogin. Sie beschäftige die Frage, warum es noch so viel soziale Ungleichheit gebe und packt selbst an. Mit ihrem Projekt „Stadtteilgarten Bunte Beete“ versucht Grit Herzog Abwechslung und Freude in den Alltag sozial Benachteiligter zu bringen.

Der Garten ist offen und bietet als Treffpunkt die Möglichkeit, andere Menschen kennenzulernen. Schöner Nebeneffekt beim gemeinsamen Pflanzen und Gemüse ernten: Ernährungskunde und Umweltbewusstsein. Gerade in Sachen Umweltschutz unternehme die Kanzlerin zu wenig, so die Hobbygärtnerin. "Wenn für unsere Enkel am Ende noch was da sein soll, muss Frau Merkel da einfach klarer werden." In der Hinsicht hätte sich Grit Herzog neuen Schwung im Bundestag gewünscht.

Nach ihrer vierten Vereidigung müsse Merkel die vielen Probleme im Land angehen, auch an anderen Stellen als bisher. Darin sind sich Jürgen Köhler und Grit Herzog einig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. März 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018, 05:00 Uhr

Zurück zur Startseite

Thema Große Koalition