Belarus Polizeigewalt bei Protesten in Belarus

Bei Protesten in der belarusischen Hauptstadt Minsk ist die Polizei mit teils massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Es gab Verletzte und dutzende Festnahmen.

Drei schwarz gekleidete Polizeikräften schleppen einen älteren Mann mit Platzwunde am Kopf davon.
Erneut ist die Polizei in Belarus mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Bildrechte: dpa
Protestierende in Minsk im Handgemenge gegen Polizisten
Polizisten und Demonstranten liefern sich ein Handgemenge in Minsk. Bildrechte: dpa

Bei erneuten Protesten in Minsk in Belarus ist die Polizei mit teils massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Auf Bildern und Videos im Nachrichtenkanal Telegram war zu sehen, wie sich Bereitschaftspolizisten und schwarz gekleidete Männer in Zivil auf Demonstranten stürzten, sie zu Boden rangen und teilweise abtransportierten. Verletzte Demonstranten mit einem Verband um den Kopf saßen auf der Straße.

Proteste trotz Regen

Belarusen demonstrieren im Regen auf der Straße.
Trotz Regen versammelten sich etwa 10.000 Menschen, um gegen Präsident Lukaschenko zu demonstrieren. Bildrechte: dpa

Augenzeugen zufolge hatten sich etwa 10.000 Menschen versammelt, um gegen Staatschef Alexander Lukaschenko zu protestieren. Regierungskritiker hatten die Demonstranten dazu aufgerufen, vor das Gefängnis des Geheimdienstes KGB in Minsk zu ziehen. Dort werden viele Oppositionelle festgehalten. Zuvor hatten die Behörden das mobile Internet eingeschränkt und Haltestellen der Minsker U-Bahn gesperrt, um Demonstranten davon abzuhalten, sich zu versammeln. Außerdem setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein und schickte Armeefahrzeuge ins Stadtzentrum.

Dutzende Festnahmen in Minsk

Wie das Menschenrechtszentrum Wesna mitteilte, wurden landesweit mindestens 170 Menschen festgenommen. Darunter waren dem Journalistenverband von Belarus zufolge mehr als 20 Medienvertreter. Belarusische Medien schrieben, dass viele Journalisten während der Proteste in Polizeigewahrsam gewesen seien. Nach offizieller Darstellung sollten ihre Dokumente überprüft werden. Die Behörden in Belarus haben bereits allen ausländischen Korrespondenten die Akkreditierung entzogen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

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