Auto Reperatur in einer Werkstatt
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Werkstätten scheitern gegen Autohersteller Auto-Ersatzteile: Das bedeutet das EuGH-Urteil für den Kunden

Müssen Autohersteller freien Werkstätten uneingeschränkten Zugriff auf Ersatzteil-Datenbanken geben? Vorerst nicht, urteilt der Europäische Gerichtshof. Was das für Autofahrer bedeutet, erklärt Experte Andreas Kessler.

Auto Reperatur in einer Werkstatt
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Der EuGH hat entschieden: Autohersteller müssen freien Händlern vorerst keine umfassenden Informationen zu Autoersatzteilen liefern. Eine Diskriminierung von unabhängigen Ersatzteilhändlern und Werkstätten gegenüber Vertragsbetrieben liege nicht vor, befanden die Luxemburger Richter.

Zulieferfirmen und freie Händler hatten geklagt

Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) ist damit mit einer Grundsatzklage gegen den südkoreanischen Autohersteller Kia gescheitert. Der Verband hatte Kia stellvertretend vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Ersatzteilmarkt zu behindern. Elektronische Datenbanken würden nur unzureichend zur Verfügung gestellt - letzten Endes zum Nachteil der Kunden, die für Ersatzteile und Reparaturen zu hohe Preise zahlten. Konkret bemängelten die freien Autoteilehändler, dass unabhängige Werkstätten in der von Kia zur Verfügung gestellten Datenbank lediglich Originalersatzteile der Vertragshändler fänden, nicht aber eventuelle billigere Alternativen.


Was das Urteil im Einzelnen bedeutet und was Autofahrer tun können, darüber haben wir mit "MDR um vier"-Autoexperte Andreas Kessler gesprochen.

Herr Kessler, wie bewerten Sie das heutige Urteil?

Andreas-Kessler
Auto-Experte bei "MDR umd vier": Andreas Kessler Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Urteil ist ein Sieg für die Auto-Lobby! Hier wurde auf Basis der geltenden Gesetze Recht gesprochen. Nach geltendem Recht muss lediglich sichergestellt werden, dass freie Händler als auch Vertragshändler und -werkstätten der Autohersteller die gleichen Informationen zur Verfügung haben. Da dies der Fall ist, würden freie Händler nicht diskriminiert. Die Kosten dieser Informationen standen dabei nicht zur Debatte. Es ging auch nicht um die Frage, ob alle Marktteilnehmer den gleichen Preis für die gewünschten Informationen/Daten zahlen müssen.

Was bedeutet das Urteil für Auto-Händler und Werkstätten?

Für Vertragshändler und -werkstätten ändert sich nichts. Sie werden weiter vertragsgerecht mit Daten und Informationen beliefert wie bisher. Freie (also nicht an Hersteller bzw. Importeure gebundene) Unternehmen können nicht verlangen, zu ihren Gunsten erweiterte Daten und Informationen zu erhalten. Wer also andere, gleichwertige Ersatzteile als Originalteile des Herstellers in die Autos seiner Kunden einbauen will, muss diese am Markt selbst suchen und für deren Qualität bürgen. Das gilt auch, wenn er gegen festgesetzte Gebühren Informationen zu Ersatzteilen und Reparaturmethoden vom Hersteller kauft.

Welche Folgen hat das Urteil für Autobesitzer?

Wer ein jüngeres Auto fährt, welches noch in der Garantie- / Gewährleistungszeit ist, wird bei Ersatzteilbedarf nicht an den (teuren!) Originalteilen des Herstellers vorbeikommen. Die Ersatzteilpreise sind dadurch fast nicht zu beeinflussen. Er kann diese Teile aber bei freien Werkstätten einbauen lassen und von deren, oft geringeren, Stundensätzen profitieren.

Was kann ich als Autobesitzer tun, um möglichst gut und günstig Reparaturen zu bekommen?

Unter dem Strich ist gerade bei relativ seltenen Autos, deren Technik komplex ist, das zur Reparatur nötige Wissen "Herrschaftswissen" der Hersteller, welches diese eifersüchtig bewachen. Das Gleiche gilt für Originalteile, deren Zulieferer nicht an den freien Markt verkaufen dürfen und die deshalb nur teuer im Karton des Herstellers im Angebot sind.

Um weiterhin freie Werkstätten und 'Aftermarket-Teile' nutzen zu können, sollte man nicht zu neue Autos fahren. Deren Technik und passende Ersatzteile haben sich dann meistens in der Branche durchgesetzt und drücken so die Kosten. Das hier Gesagte gilt vor allem für elektronisch hochgerüstete oder elektrisch angetriebene Autos.

Andreas Kessler | Autoexperte bei "MDR um Vier"

Sinkende Preise möglicherweise ab September 2020

Die Luxemburger Richter entschieden auf der Grundlage, dass das europäische Recht keine Pflicht vorsieht, die Informationen elektronisch herauszugeben - bislang: Denn diese Pflicht wird es ab September 2020 mit einer neuen Verordnung geben! Das bedeutet: Im nächsten Jahr kommen die freien Werkstätten an alle Daten, die sie aus ihrer Sicht brauchen, um problemlos günstige Ersatzteile zu bestellen. Ab September 2020 könnten die Reparaturen daher für Kunden preiswerter werden.

Tipps von "Autopapst" Andreas Kessler

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 19. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 12:42 Uhr