Blutdruckmessgerät neben Stethoskop
35 Millionen der Deutschen leiden unter Bluthochdruck. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Valsartan-Skandal Blutdrucksenker HCT kann Hautkrebsrisiko erhöhen

Nach dem Valsartan-Skandal im Sommer steht nun ein neuer Blutdrucksenker im Fokus: Mit HCT kann nun ein anderes, weitverbreitetes Mittel gegen Bluthochdruck das Risiko für weißen Hautkrebs erhöhen. Was das für die Betroffenen bedeutet und warum es trotzdem keinen Grund zur Panik gibt:

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Blutdruckmessgerät neben Stethoskop
35 Millionen der Deutschen leiden unter Bluthochdruck. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast 40 Prozent aller Bluthochdruckpatienten in Deutschland nehmen täglich Hydrochlorothiazid, also HCT ein. Umso überraschter war die Fachwelt, als der offizielle Hinweis von der Europäischen Arzneimittelbehörde kam: HCT kann langfristig das Risiko von weißem Hautkrebs erhöhen. Das ergaben zwei nationale Studien aus Dänemark.

Ärzte raten von Absetzen des Medikaments ab

Doch die Ärzte warnen vor Schnellschüssen. So sagte der Kardiologe Felix Mahfoud MDR AKTUELL: "Das Wichtigste ist, dass man die Tabletten jetzt nicht einfach absetzt." Er rät dazu, das weitere Vorgehen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Denn ein abruptes Absetzen der Medikamente kann gravierende Folgen haben und zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Auch der Hausarzt Jürgen Sadowski ordnet ein, dass auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ungefähr 40 Prozent aller Todesfälle zurückgehen, auf den Hautkrebs ein Prozent. "Es ist also ein kleines Problem." Durch die Medikamenteneinnahme erhöhe sich das Hautkrebsrisiko zudem nur geringfügig.

Hand mit leeren Tablettenpackungen
Die meisten Medikamente haben Nebenwirkungen. Wann diese zu schwerwiegend sind, muss abgewogen werden. Bildrechte: dpa

Zudem kann der seltene, weiße Hautkrebs, einmal erkannt, leicht vom Hausarzt entfernt werden, erklärt Sadowski. Deshalb sei es den Betroffenen möglich, zunächst ihre Medikamente weiterzunehmen. Einschränkungen macht der Kardiologe Felix Mahfoud bei Patienten, die eine Vorgeschichte mit Krebs haben. Oder einen Beruf ausüben, bei dem sie häufig mit Licht oder Sonne in Kontakt kommen. "Das sind Patienten, bei denen man tatsächlich darüber nachdenken sollte, das HCT auszutauschen.“

Verzicht auf HCT nicht sofort möglich

Beide Ärzte gehen davon aus, dass auf lange Sicht fast alle HCT-Patienten auf andere Wirkstoffe umgestellt werden. Derzeit sei das aber gar nicht möglich, erklärt Hausarzt Sadowski. Denn die empfohlenen, anderen Alternativen, wie Chlortalidon, seien weder in der ausreichenden Menge noch in Kombination mit anderen Mitteln in Deutschland verfügbar. "Es gibt nur eine Firma, die Chlortalidon herstellt. Und Chlortalidon gibt es in drei, vier Kombinationen, aber nicht in 150 oder 200 wie HCT." Deshalb ist er sicher: Es werde ein, vielleicht auch zwei Jahre dauern, bis alle Patienten umgestellt sind.

Schon lange sieht die unabhängige Fachzeitschrift Arznei-Telegramm Defizite bei der Auswahl der Bluthochdruckmittel in Deutschland und kritisiert die Pharmakonzerne. Doch werden diese nun aktiv?

Die zwei großen Generikanbieter Sandoz und Stadapharm schrieben auf Anfrage von MDR AKTUELL, dass sie das Problem mit HCT Ernst nehmen würden. Man prüfe und beschäftige sich mit alternativen Wirkstoffen, darunter auch Chlortalidon, hieß es. Ob und wann diese Mittel dann auf den Markt kommen, wollten die beiden Anbieter nicht sagen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Dezember 2018 | 06:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

06.12.2018 10:14 Martin Wandrey 1

Fragwürdig ist nur, ob Chlortalidon nicht ein gleiches, eher geringes Risiko für weißen Hautkrebs mit sich bringt. Denn ebenso wie HCT führt es zu einer stärkeren Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonne, die wahrscheinlich dafür verantwortlich ist, dass Patienten häufiger weißen Hautkrebs entwickeln. Nur hat zu diesem Medikament eben noch niemand so eine riesige Studie wie in Dänemark gemacht.