Blutdruck Messung
In Deutschland sind Millionen Menschen auf Blutdrucksenker angewiesen. Bildrechte: dpa

Valsartan-Rückruf Krebsgefahr durch verunreinigten Blutdrucksenker

In Deutschland sind zahlreiche Blutdrucksenker zurückgerufen worden. Die Mittel mit dem Wirkstoff Valsartan sind mit potenziell krebserregenden Substanzen verunreinigt. Grund zur Panik besteht nach Einschätzung der Behörden aber nicht.

Blutdruck Messung
In Deutschland sind Millionen Menschen auf Blutdrucksenker angewiesen. Bildrechte: dpa

In Deutschland sind zahlreiche blutdrucksenkende Mittel zurückgerufen worden. Sie enthalten den Wirkstoff Valsartan, der bei der Produktion verunreinigt wurde und nun im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die betroffenen Hersteller hatten den Wirkstoff vom chinesischen Zulieferer Zhejiang Huahai Pharmaceutical bezogen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät betroffenen Patienten, mit ihrem Arzt oder Apotheker Rücksprache zu halten und auf unbedenkliche Mittel umzustellen. Das sei allerdings eine vorbeugende Maßnahme.

Behandlung nicht einfach abbrechen

Molekularmodell von Valsartan
Ein Molekularmodell von Valsartan. Bildrechte: IMAGO

Aktuell wird der Wirkstoff der Behörde zufolge geprüft. Dennoch bestehe kein unmittelbares Risiko. Patienten, die Valsartan aktuell einnehmen, werde empfohlen, ihre Behandlung nicht einfach abzubrechen, es sei denn, sie werden von ihrem Arzt oder Apotheker dazu aufgefordert.

Nach der Prüfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auf die genauen Auswirkungen der Verunreinigung soll es weitere öffentliche Anweisungen geben. Die Verunreinigung ist nach Angaben des Arzneimittelinstituts eine unerwartete, die durch Routinetests beim chinesischen Hersteller nicht erkannt wurde. Vermutlich hatten Veränderungen in der Produktion dazu geführt.

Kardiologe Laufs: Panikmache wäre viel größere Gefahr

Der Direktor der Kardiologie der Uniklinik Leipzig, Ulrich Laufs, warnte vor einer Panikmache nach dem Rückruf. Dieser sei wegen sehr strenger Auflagen für die Inhaltsstoffe von Arzneimitteln erfolgt, sagte Laufs MDR AKTUELL. Es gebe aber aktuell keine akute Gefahr und es sei unklar, ob die sehr geringen Mengen des verunreinigenden Stoffs tatsächlich ein Krebsrisiko bergen würden.

Wichtig ist, dass bei Patienten mit Bluthochdruck und Herzmuskelschwäche das plötzliche Absetzen eines Medikamentes erhebliche Gesundheitsrisiken hat. Auch eine zu geringe Therapie hat erhebliche Gesundheitsrisiken, sodass jetzt im Moment eine Aufregung oder eine Panikmache eine viel, viel größere Gefahr darstellen würde, als diese berechtigten Maßnahmen zur Sicherung der Reinheit dieser Wirkstoffe.

Ulrich Laufs Direktor der Kardiologie der Uniklinik Leipzig

Nach Einschätzung von Lauf könnten hunderttausende Patienten in Mitteldeutschland betroffen sein.

Noch viele Fragen offen

Bereits Anfang Juli hatten Aufsichtsbehörden in Europa einen Vertriebsstopp und Rückrufe von Valsartan-Präparaten angeordnet. Betroffen sind zahlreiche Hersteller, darunter Ratiopharm, Hexal, Stada, Actavis oder Heumann.

Diese Valsartan-Präparate sind nicht betroffen: Novartis (Entresto®, Exforge®, Exforge HCT®, Diovan®, Codiovan®, Dafiro®, Dafiro HCT®, Provas®, Provas® Comp)

TAD Pharma (Valsacor®, Valsacor® comp)

Mylan (Valsartan dura, Valsartan/HCT Mylan)

Noch immer ist nicht klar, wie lange die Verunreinigungen bereits im Wirkstoff sind, ob auch andere valsartan-haltige Medikamente betroffen sind und welche Gesundheitsschädigungen konkret drohen.

Lieferengpässe - aber kein Notstand

Dem Arzneiverordnungsreport zufolge wurden im Jahr 2016 rund 717 Millionen Tagesdosen Bludrucksenker pro Jahr verordnet, das entspricht 1,9 Millionen Patienten. Ein Großteil nahm Medikamente mit Valsartan.

Nach Angaben der "Deutschen Apothekerzeitung" kommt es derzeit zu Lieferengpässen bei den blutdrucksenkenden Mitteln, die nicht vom Rückruf betroffen sind. Eine notstandähnliche Situation werde aber nicht erwartet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 20. Juli 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 09:04 Uhr

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36 Kommentare

23.07.2018 18:36 Dr.Günther 36

Ich nehme seit ca.10 Jahren eins der betreffenden Medikamente. Ist bekannt, seit wann diese krebserregenden Beimischungen verwendet werden?
Gibt es die Möglichkeit einer Sammelklage gegen die Hersteller von ValsartanActavis comp.320/25 oder muß jeder eine Klage einreichen klagen?

22.07.2018 21:16 Gera 35

Das krebserregede Medikament Valsartan: Man möchte es nicht glauben, dass man in diesem Land pünktlich seine Steuern bezahlt hat, von denen die Pharmaindustrie profitierte, die Gesundheitsbehörden, die ganze Bundesregierung, die uns den billigen Dreck als Medikamente aus dem Ausland andrehen!!! Wen soll man verklagen? In erster Linie die, die es sanktionieren. Die Vertreter unserer Regierung sind alle privat versichert und müssen jetzt nicht um ihr Leben bangen. Das ganze Land ist korrupt. Es reicht!!!!

22.07.2018 19:47 Fobke 34

Wenn ich lese,dass unsere Behörden alles im Griff haben,wird mir schlecht und das es nur Panikmache ist.Das mein Vater diesen Wirkstoff aber 6Jahre zu sich genommen und dieses Jahr an Speiseröhrenkrebs erkrankt und verstorben ist,das ist natürlich Zufall!!!!Ich fände eine Sammelklage für alle Geschädigten mehr als gerechtfertigt.Das ist der Gipfel allen Übels.

22.07.2018 16:53 Ein Betroffender 33

Uns Deutschen wird ja immer abgeraten,Medikamente übers Internet im Ausland zu bestellen.Warum eigentlich?Ausser dem Preisunterschied bei den Medikamenten,sehe ich als Laie keinen Unterschied.
Gesundheit!

22.07.2018 13:11 Pfingstrose 32

Nummer 22: Sie haben Recht. Aber diese Valsartanpräparate sind nicht betroffen: Novarti (Enesto, Exforge, Exforge HCT, Dioavan, Codiovan, Dafiro, Dafiro HCT, Provas, Provas Comp. TAD Pharma (Valsacor, Valsacor Comp) Mylan(Vasartan dura, Valsartan/HCT Mylan. Aurobindo. Noch immer ist nicht klar, wie lange die Verunreinigungen bereits im Wirkstoff sind, ob auch andere valsartan-haltige Medik. betroffen sind und welche Gesundheitsschädigungen konkret drohen.

22.07.2018 12:43 Wolfgang Jurkat 31

Ob, wie in einem Kommentar geschrieben, der Krebstod ein schneller ist, möchte ich bezweifeln.
Ich bin sowas von zornig auf unsere Behörden, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Mit "Arbeit am Volk" hat das wohl nichts mehr zu tun. Aber das erleben wir nicht zum Erstenmal. Wer trägt die Verantwortung.
Ich denke wieder keiner. Wen können Geschädigt zu Verantwortung ziehen.?

22.07.2018 11:23 Sabrina 30

Für mich kommen solche Meldungen nicht überraschend.
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Ich erinnere zum Beispiel an
- Contergan
- Pandemrix
- Libobay
- Amokläufe unter Wirkung von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern
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Keiner dieser Skandale wäre möglich gewesen, wenn die Aufsichtsbehörden das tun würden, was nach infantiler Auffassung der Normalbürger deren Pflicht ist.
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Es gibt in Deutschland schlicht keine unabhängige Aufsicht über das Medizingewerbe.
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Es gibt keine juristische Verfolgung.
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Es gibt keine Entschädigung.
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Aber viele Bürger, die die verantwortlichen Parteien wählen.

22.07.2018 11:15 Sabrina 29

Blutdrucksenker oder Lebensverkürzer??
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Bei Sport wird der Bludruck erhöht, um die Versorgung des Körpers sicher zu stellen. Werte von 180/110 sind dabei nicht ungewöhnlich. Ebenso sind Hormonspiegel wie Noradrenalin erhöht.
Bei intensiver psychischer Tätigkeit oder Stress geschieht dasselbe. Auch da ist Noradrenalin erhöht & muss der Körper den Blutdruck erhöhen, um ausreichende Versorgung sicher zu stellen.
Hier müssen die Adrenalinspiegel durch Sport abgebaut werden.
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Gleiches gilt bei Erkrankungen & Mangelzuständen, etwa Sauerstoffmangel, Nährstoffmangel, Rauchen & zuviel Alkohol, Drogenkonsum und Medikamentenkonsum.
Auch da muss der Körper den Blutdruck erhöhen um das Gift abzubauen, oder eine Mangelversorgung auszugleichen.
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Blutdrucksenker verstärken die Mangelversorgung & sorgen zudem dafür, dass der Blutdruck nicht mehr ausreicht, um feine Kapillaren ausreichend zu durchbluten.
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Graue Haare & Organschädigung sowie Krebs sind naheliegende Folge.

22.07.2018 10:18 romo 28

Ich nehme auch schon seit Jahren ein Mittel , welches jetzt mit auf der Liste der krebserregenden Mittel steht. Da ich einen solchen Skandal nicht mehr hinnehmen will, werde ich versuchen, eine Klage gg. die jeweilige Pharmafirma zu starten. Ich werde mir erst einmal eine Bestätigung von der Apotheke holen und dann eine Kanzlei beauftragen, z.B. Myright, meine Rechte wahrzunehmen.
Hier liegt ja auch eine arglistige Täuschung vor, da im Beipackzettel nicht erwähnt wird, dass die Präparate aus China kommen. Alles nur wieder, um den größtmögliche Profit zu erziehen. Auf Kosten und ohne Rücksicht auf die Verbraucher. Alles , die solche " Medikamente " zu sich genommen haben, müßten eine Klage einreichen.

22.07.2018 08:32 Anton Stützle 27

ich nehme seit 2012 jeden Tag diese jetzt zurückgerufenen Dreckspillen von verschiedenen aufgelisteten "Verpackungsfirmen". Jahre davor habe ich mit dem Original Diovan angefangen, wurde dann aber zwangsweise auf Genericas umgestellt. Danke an die zuständige Bundesbehörde für die Info "alles halb so schlimm, bitte zunächst mal weiterschlucken und bloss keine Gedanken machen über mögliche Langzeitschäden". Bei unseren offensichtlich überforderten Bundesbehörden ist es eigentlich auch egal, ob ich von der Pharma- oder der Autoindustrie vergiftet werde. Die politisch Verantwortlichen sind jetzt eh mal in der Sommerpause. Sammelklage möglich ?