Künstliche Befruchtung BGH: Kassen müssen auch späten Kinderwunsch bezahlen

Je später ein Paar Kinder bekommen will, desto höher ist das Risiko einer Fehlgeburt. Für Krankenkassen darf das aber kein Kriterium sein, um über die Kostenübernahme einer künstlichen Befruchtung zu entscheiden.

In Vitro Fertilisation und Intrazytoplasmatische Spermieninjektion
Private Krankenkassen übernehmen normalerweise die volle Kostensumme für eine künstliche Befruchtung - gesetzliche Kassen dagegen müssen nur einen Zuschuss von 50 Prozent gewähren. Bildrechte: imago/epd

Krankenkassen dürfen Paaren im mittleren Alter die Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung nicht generell verweigern. Der Bundesgerichtshof urteilte, ein statistisch gesehen höheres Risiko für eine Fehlgeburt sei allein noch kein Grund, die Übernahme der Kosten zu verweigern. (Aktenzeichen: IV ZR 323/18)

Im konkreten Fall war ein Mann aus Bremen vor Gericht gezogen. Da er unfruchtbar ist, können er und seine Ehefrau nur mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung ein gemeinsames Kind haben. Die private Krankenversicherung lehnte aber die Übernahme der Behandlungskosten in Höhe von rund 17.500 Euro ab. Zur Begründung verwies die Kasse auf das Alter der 44-jährigen Frau und die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten in dieser Altersgruppe.

Mikroskopische Aufnahme einer künstliche Befruchtung. 8 min
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 30.10.2019 12:48Uhr 07:59 min

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BGH betont Selbstbestimmungsrecht von Paaren

Dagegen stuften die Karlsruher Richter die vier Anläufe einer künstlichen Befruchtung wegen der Probleme des Mannes als medizinisch notwendige Heilbehandlung ein. Entscheidend für die Kasse sei lediglich, dass die Behandlung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Schwangerschaft führen könne. Im konkreten Fall habe diese Wahrscheinlichkeit bei mindestens 15 Prozent gelegen.

Wie die Schwangerschaft dann weiter verlaufe, habe jedoch keine Rolle zu spielen. Anders verhalte es sich lediglich, wenn die Gesundheit der Eltern eine Lebendgeburt wenig wahrscheinlich mache. Grundsätzlich gehöre es zum Selbstbestimmungsrecht der Ehegatten, "sich den Kinderwunsch in fortgeschrittenem Alter unter Inkaufnahme altersspezifischer Risiken zu erfüllen", urteilten die Richter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Januar 2020 | 15:00 Uhr