Pandemiebekämpfung So führen Corona-Tests und Kontaktverfolgung zum Erfolg

Rebecca Nordin Mencke
Bildrechte: Rebecca Nordin Mencke

Zielgerichtetes Testen und Nachverfolgung von Risikokontakten - so sollen Infektionscluster schnell erkannt und isoliert werden. Es gilt, eine unkontrollierte Ausbreitung von Corona zu verhindern. Dafür ist aber auch das Verhalten einzelner entscheidend. Ein Überblick.

Ein Schild mit der Aufschrift 'Stop Unsere Einrichtung steht unter Quarantäne! Betreten verboten!' am Tor zum ASB Seniorenpflegeheim Hohnstein
Die Infektionszahlen sind derzeit hoch - Kontaktbeschränkungen und eine nationale Teststrategie sollen helfen. Bildrechte: MDR/Marko Förster

Testen, aber gezielt

Mehr als eine Million PCR-Tests werden aktuell bundesweit pro Woche durchgeführt. Die Anzahl positiver Testergebnisse steigt dabei immer deutlicher an. Gleichzeitig verlagert sich mit der kalten Jahreszeit das Leben zunehmend in geschlossene Räume, wo das Infektionsrisiko deutlich höher ist als im Freien. Fachleute gehen daher davon aus, dass die Infektionszahlen weiter steigen und Testkapazitäten möglicherweise an ihre Grenze kommen.

In der sogenannten Nationalen Teststrategie ist daher festgehalten, wie möglichst gezielt getestet werden kann und wer im Fall von Engpässen bevorzugt getestet werden soll. Mit der Verfügbarkeit von Antigentests ist dort zudem festgelegt, wann diese und wann PCR-Tests sinnvoller sind. Die Antigentests bringen bereits binnen 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis, sind dafür aber weniger zuverlässig als die deutlich zeitintensiveren PCR-Tests.

Generell an oberster Stelle für einen PCR-Test stehen Personen mit den für Covid-19 typischen Symptomen: etwa Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Geschmacks- oder Geruchsverlust, aber auch Durchfall sowie auch für Erkältungen typische Symptome. Zugleich verweist das RKI darauf, dass sogenannte differenzialdiagnostische Aspekte zu berücksichtigen seien. Damit soll eine Verwechslung mit anderen, zunächst ähnlichen Erkrankungen wie Influenza ausgeschlossen werden.

Wer bei Testknappheit Vorrang hat

Bei asymptomatischen Krankheitsverläufen fällt die Teststrategie deutlich komplexer aus. Grundsätzlich wird dabei unterschieden, ob jemand Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall hatte und in welchem beruflichen Umfeld sich eine Person bewegt. Zweithöchste Priorität für PCR-Tests haben demnach unter anderem Kontaktpersonen von bestätigten Covid-19-Fällen. Dazu zählen Mitglieder desselben Haushaltes, Menschen mit mindestens 15-minütigem Kontakt oder Personen, die über die Corona-Warn-App einen entsprechenden Hinweis erhalten haben. Auch Personal und Patienten von Krankenhäusern und Praxen sowie in Pflegeeinrichtungen haben hohe Priorität für einen PCR-Test, sobald in der jeweiligen Einrichtung ein Corona-Ausbruch bekannt ist. Medizinische Einrichtungen haben damit auch Vorrang vor anderen Einrichtungen mit einem Corona-Ausbruch.

An dritter Stelle der Priorisierung für PCR-Tests werden etwa Unternehmen sowie Kitas, Schulen und Asylbewerberheime genannt. Ebenso gilt bei knappen Testkapazitäten für medizinisches Personal ohne bekannten Covid-19-Fall in der jeweiligen Einrichtung Vorrang vor Patienten sowie vor Einreisenden aus Risikogebieten. Dagegen werden Antigentests insbesondere dort empfohlen, wo kein Verdacht auf einen Risikokontakt besteht, aber ein Ausbruch möglichst schon im Vorfeld ausgeschlossen werden soll. So sollen Schnelltests an Besuchern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen ein Einschleppen des Virus verhindern. Auch für Personal und Patienten beziehungsweise Bewohner werden regelmäßige Antigentests empfohlen, solange kein Covid-19-Fall bekannt ist.

Fragebogen der Berliner Charité gibt Orientierungshilfe

Ein Online-Fragebogen der Berliner Charité kann zudem erste Handlungsempfehlungen geben und vermittelt Ansprechpartner für jedes Bundesland. Dabei werden neben Symptomen auch mögliche Risikokontakte sowie Vorerkrankungen abgefragt, die im Fall einer Coronavirus-Infektion ein besonderes Risiko darstellen. Besteht der Verdacht, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte eine Arztpraxis oder das Gesundheitsamt in jedem Fall zunächst telefonisch kontaktiert werden.

Ansprechpartner in Mitteldeutschland Sachsen: Bürgertelefon des Sozialministeriums - montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr - 0351 56455855

Sachsen-Anhalt: Infotelefon vom Landesamt für Verbraucherschutz - montags bis freitags von 8-20 Uhr - 0391 2564222

Thüringen: Landesamt für Verbraucherschutz - montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 13:30 bis 15 Uhr - 0361 573815099

Was tun nach Kontakt mit einem Risikokontakt?

Während für die unmittelbaren Kontakte von bestätigten Covid-19-Fällen klare Quarantänevorschriften gelten, gibt es für sogenannte Sekundärkontakte lediglich Empfehlungen. Die Charité nennt dazu unter anderem, verstärkt auf die gängigen Präventionsmaßnahmen zu achten: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen, bei Treffen mit anderen in geschlossenen Räumen lüften und möglichst die Corona-Warn-App nutzen. Ausschlaggebend ist aber letztlich, ob meine eigene Kontaktperson positiv getestet wurde: Ist das nicht der Fall, muss die Person zwar weiterhin in Quarantäne bleiben, für mich gibt es dagegen Entwarnung. Ist der Test dagegen positiv, müssen erneut alle Kontaktpersonen in Quarantäne und nach Möglichkeit getestet werden.

Klar ist aber auch: bei dem Prozedere ist immer mit einem Zeitverzug zu rechnen. So muss eine Person nach Symptombeginn zunächst telefonisch mit dem Arzt oder Gesundheitsamt klären, wann sie sich testen lassen kann. Nach dem Test kann es bis zum Ergebnis erneut mehrere Tage dauern. Nach bisherigen Erkenntnissen kann eine Person aber bereits vor Symptombeginn ansteckend sein. Daher ist es durchaus möglich, dass noch vor dem Testergebnis der ersten Person bereits Sekundärkontakte angesteckt wurden oder sogar schon selbst infektiös sind. Fachleute verweisen daher immer wieder darauf, dass eine Reduzierung von Kontakten entscheidend ist, um ein exponentielles Wachstum und damit auch eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Kontaktreduzierung als Gebot der Stunde

So richtete nicht nur Kanzlerin Angela Merkel kürzlich einen dringenden Appell an die Bevölkerung, angesichts der steigenden Infektionszahlen auf Reisen und Feiern zu verzichten. Auch die Virologin und Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf, Isabella Eckerle, gab kürzlich Verhaltensempfehlungen für den Winter. In einem Gastbeitrag für die "Zeit" betont sie nicht nur, soziale Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts sollten auch in der kalten Jahreszeit noch möglichst draußen stattfinden - etwa bei einem Spaziergang. Ist doch mal ein Besuch im Lieblingsrestaurant geplant, empfiehlt sie dafür eine weniger gut besuchte Tageszeit zu wählen. Auch mit Blick auf Weihnachten hat Eckerle einen Tipp: so sei es sinnvoll, Familientreffen auf einen kleineren Kern zu begrenzen und eine Woche vor der Feier die eigenen Kontakte nochmals zu reduzieren. Wichtig sei zudem, im Blick zu behalten, wer aus dem eigenen Umfeld besonders gefährdet und schutzbedürftig ist.

Die Göttinger Forscherin Dr. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation weist darauf hin, dass die Bevölkerung die weitere Entwicklung in der Pandemie selbst in der Hand habe. Dem NDR sagte sie, wenn man sich jetzt eine bis allerhöchstens zwei Wochen "am Riemen reiße", seien "die Fallzahlen wieder so weit unten, dass die Gesundheitsämter hinterher kommen." Dazu gehörten allerdings eine freiwillige Isolation und eine Beschränkung der Kontakte über rechtliche Vorschriften hinaus. Werde das erfüllt, könnten derzeit geltende Kontaktbeschränkungen von der Politik schnell wieder gelockert werden.

Kontakttagebuch als Gedächtnisstütze

Tritt doch ein Covid-19-Fall auf, ist die schnelle Erkennung und Isolierung von sogenannten Clustern entscheidend. Der Berliner Virologe Christian Drosten hat bereits im Sommer empfohlen, ein Kontakttagebuch zu führen. Trägt man sich etwa jeden Tag ein, in welchen potenziell riskanten Situationen man war und wen man getroffen hat, kann das im Fall einer Infektion die Rückverfolgung von Risikokontakten ebenso wie von der möglichen Ansteckungsquelle deutlich erleichtern. Je mehr die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung an die Belastungsgrenze kommen, desto entscheidender kann auch die Eigeninitiative einzelner sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Oktober 2020 | 11:45 Uhr