IT-Sicherheit Cyberangriffe auf Smartphones nehmen weiter zu

Die Zahl der Cyberangriffe auf Smartphones nimmt zu, warnen IT-Experten. Dabei klauen Betrüger Daten und Geld, indem sie sich in die Smartphones hacken. Wie gehen Betrüger vor – und vor allem wie kann man sich davor schützen?

Symbolbild Online-Banking am Computer
Betrüger können mit verschiedensten Methoden leicht auf die Online-Banking-Daten auf dem Smartphone und damit auch auf das Geld zugreifen. Bildrechte: IMAGO

Was seit Jahren besonders zunimmt, sind zum Beispiel sogenannte Ping-Anrufe, erklärt Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur. Das Handy klingelt nur ein oder zwei Mal. Auf dem Display erscheint ein Anruf in Abwesenheit. Und wenn Sie dann zurückrufen, tappen Sie in die Kostenfalle.

Denn häufig handelt es sich dabei um kostenpflichtige Rückrufe, erklärt der IT-Experte. "Im Display erscheint eine Nummer, die sich häufig mit einer lokalen Vorwahl verwechseln lässt. Zum Beispiel ist die Vorwahl von Zwickau (0375) leicht zu verwechseln mit der Länderkennung von Weißrussland (00375)."

Kein Rückruf bei unbekannter Nummer

Häufig geht dann eine Stimme von einem Band ran – und versucht einen möglichst lang in der Leitung zu halten. Viele merken gar nicht sofort, dass sie abgezockt werden. Erst beim Blick auf die Handyabrechnung fällt der Betrug möglicherweise auf.

Die Bundesnetzagentur verzeichnete vor allem in den Jahren 2017 und 2018 eine starke Zunahme solcher Ping-Anrufe. Inzwischen müssen die Funknetzbetreiber vor dem Anruf Preisansagen schalten, wenn man beispielsweise jemanden in Weißrussland zurückruft. Dadurch ist die Zahl der Betrugsversuche wieder gesunken.

Doch soweit sollte es laut Wulff gar nicht kommen: "Wir empfehlen, dass man Nummern, die man nicht kennt, nicht zurückruft." Genaues Hinschauen schütze vor teuren Rückrufen ins Ausland.

Betrüger werden professioneller

Betrug über das Smartphone nimmt zu. Behörden wie die Bundesnetzagentur und das Bundeskriminalamt stellen dabei fest, dass die Täter immer professioneller werden: Zum Teil arbeiten sie in größeren Gruppen, über Ländergrenzen hinweg, entwickeln Apps und richten sogar Callcenter ein, um mit Kunden sprechen zu können.

In einem Fall vor einigen Jahren schwatzten sie zum Beispiel Anlegern in sozialen Netzwerken vermeintliche Finanzprodukte auf und verschwanden dann mit dem Geld. Danach würde dann ein groß angelegtes und aufwendiges Ermittlungsverfahren folgen, sagt Wulff. Aber: "Das ist wie eine Hydra, der man den Kopf abschlägt und dann wächst ein neuer."

Erpressung durch Sperrung des Smartphones

Verkehrsschild "Achtung Phishing"
Betrüger versuchen mit der Pishing-Methode zu erpressen. Bildrechte: IMAGO

Schon seit Jahren gehen die Täter dabei mit der Phishing-Methode vor. Relativ neu ist aber, dass sie dabei versuchen, ihre Opfer zu erpressen. Und zwar, indem sie das Smartphone oder andere Geräte sperren, die mit dem Smartphone gekoppelt sind – zum Beispiel das Auto. In einem Test konnten Forscher kürzlich zeigen, wie einfach es ist, über ein präpariertes Smartphone eine Erpressersoftware im Auto zu installieren. Das Auto konnte nicht mehr gestartet werden, außer der Fahrer überweise Bitcoins auf ein bestimmtes Konto.

Solche Erpressungsversuche gerade am Auto können richtig gefährlich werden, sagt Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes. "Das kann natürlich dazu führen, dass jemand Ihr Auto hackt und dann eine Vollbremsung auslöst oder die Lenkung blockiert, während sie mit 180 auf der Autobahn unterwegs sind."

Das seien natürlich sehr drastische Beispiele – aber indem man solche Vernetzungen herstelle, mache man sich angreifbar, da auch die Betrüger sich vernetzen und einklinken könnten, sagt Kramer.

Auch Stalking via Smartphone nimmt zu

Manchmal sind die Betrüger auch ganz nah: So ist beispielsweise Stalking ein ernst zu nehmendes Problem. So kann eine Spionage-Software heimlich auf dem Smartphone des Opfers installiert werden und die ermöglicht Betrügern, das Privatleben einer anderen Person auszuspionieren.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres nahmen in Deutschland solche Stalking-Versuche auf Smartphones um 79 Prozent zu, fand das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky heraus. Der Täter ist dann allerdings nicht der anonyme Betrüger in Weißrussland, sondern ein Bekannter oder vielleicht sogar der Ehemann oder die Ehefrau.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Dezember 2019 | 18:24 Uhr