Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Bildrechte: dpa

Pflegereport DAK fordert Eigenanteil bei Pflege zu deckeln

Kaum ist die Pflegereform von Gesundheitsminister Jens Spahn beschlossene Sache, meldet die erste gesetzliche Krankenkasse Bedenken an. DAK-Vorstandschef Storm forderte am Mittwoch eine weitere Pflegereform. Konkret soll der Eigenanteil bei der Pflege gedeckelt werden.

von Torben Lehning, MDR Aktuell

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Bildrechte: dpa

Die bestmögliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen hängt in Deutschland nach wie vor maßgeblich vom jeweiligen Wohnort ab. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in Berlin veröffentlichte Pflegereport der Krankenkasse DAK. DAK-Vorstandschef Andreas Storm mahnte bei der Vorstellung eine "solidarische Neuausrichtung der Pflege" an.

Pflege im Osten schlechter

Laut Pflegereport sind die regionalen Unterschiede in der Pflege gravierend. So zahlen Pflegebedürftige in manchen Bundesländern doppelt so viel dazu wie in anderen Regionen. Auch unterscheidet sich regional stark, wer die Bedürftigen pflegt.

So kümmern sich in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg überdurchschnittlich viele Familien privat um ihre pflegebedürftigen Angehörigen, oftmals auch weil vor Ort der Pflegedienst fehlt. Gleichzeitig müssen Pflegebedürftige in diesen Bundesländern viel häufiger ins Krankenhaus – ein Hinweis darauf, dass die Versorgung nicht optimal ist.

Pflege durch Angehörige
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Höhere Kosten für GKV im Osten

Eine weitere Benachteiligung sieht die DAK in der Höhe der Kosten für Pflegebedürftige, die auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zukommen. Der bundesdeutsche Schnitt liegt derzeit bei 13.500 Euro pro Jahr, in ostdeutschen Bundesländern kommt auf die GKV im Durchschnitt mehr als 15.000 Euro pro Jahr zu. Diese Umstände führt der Pflegereport auf eine schlechtere - und damit für Pflegebedürftige teurere - Pflege-Infrastruktur in Ostdeutschland zurück.

Sonderfall Sachsen

Andreas Storm
DAK-Vorstandschef Storm Bildrechte: DAK-Gesundheit/MDR

Im Ländervergleich schneidet Sachsen im DAK-Pflegereport überraschend gut ab. So weist das Bundesland mehr stationäre Pflegeeinrichtungen auf als andere ostdeutsche Bundesländer und hat demnach auch weniger Notfall-Krankenhausbesuche zu verzeichnen. Dies sei "ein sehr interessantes Ergebnis", so DAK-Vorstandschef Storm. Was die Sachsen besser machen, weiß die DAK noch nicht. Ein Sonderfall, den man gerne genauer untersuchen möchte.

DAK fordert Deckelung des Eigenanteils

Angesichts ihrer Studienergebnisse fordert die DAK eine Reform der Pflegefinanzierung. So sollten Pflegebedürftige oder Angehörige künftig einen einheitlichen Betrag zahlen – gestaffelt nach Pflegegraden. Alles was darüber hinausgehe, solle die Pflegeversicherung tragen. Bislang ist das in Deutschland genau umgekehrt geregelt. Um den Eigenanteil zu deckeln, benötige man 3,5 Milliarden Euro vom Bund, so DAK-Vorstandschef Storm.

Wege zur gerechten Pflege?

Die Forschungsergebnisse der DAK kommen für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Am vorigen Freitag beschloss der Bundestag das von ihm initiierte "Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz".  So sollen Pflegeeinrichtungen nur dann zusätzliche Patienten versorgen dürfen, wenn sie auch genügend Personal einstellen. Außerdem sollen zusätzliche Pflegekräfte vollständig durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. Das erklärt auch den Unmut der Studienmacher.

Dass eine gesetzliche Krankenkasse, wie die DAK, ihrerseits Steuergelder vom Bund fordert, scheint hier wenig überraschend. Der Pflegereport der DAK zeigt jedoch, dass egal mit welchen Mitteln, weiterhin ein großer Reformbedarf besteht, denn die Pflegebedingungen in Deutschland sind ungleich und verbesserungswürdig. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. November 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 22:13 Uhr

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1 Kommentar

14.11.2018 23:13 Johannes Bierfreund 1

Jetzt ist es offiziell, dass das Pflegstärkungsgesetz der lieben Frau Nahles im Gegensatz zu den großen Ankündigungen Nachteile für die Versicherten gebracht hat und die Pflegekassen schont. Aus solchen Gründen glaubt niemand mehr, dass die SPD etwas für die arbeitenden Bürger unternimmt.