Ein überfüllte Wertstofftonne mit geöffnetem Deckel, eine Mülltonne für Pappe und Papier und Tonnen für Buntglas stehen vor einem Zaun.
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Europäische Woche der Abfallvermeidung Müll vermeiden und trennen: So geht's!

Der beste Müll ist der, der gar nicht anfällt. Dann kommt der, der recycelt werden kann. Das Vermeiden liegt größtenteils in der Hand der Verbraucher, und auch beim Recycling kann man helfen. Wer richtig trennt, kann etwa verhindern, dass zu viel Müll verbrannt oder deponiert werden muss.

Ein überfüllte Wertstofftonne mit geöffnetem Deckel, eine Mülltonne für Pappe und Papier und Tonnen für Buntglas stehen vor einem Zaun.
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Seit 2009 findet immer in der letzten November-Woche die "Europäische Woche der Abfallvermeidung" statt. Europäische Klimaschutz-Initiative und Umweltbundesamt wollen dabei für den richtigen Umgang mit Müll sensibilisieren. Tatsächlich ist das Vermeiden von Müll die umweltfreundlichste Art, mit Müll umzugehen. Der Gesetzgeber beschreibt sogar eine Abfallhierarchie, an deren Spitze die Abfallvermeidung steht.

Gesetzlich verankerte Abfallhierarchie 1. Abfallvermeidung
2. Vorbereitung zur Wiederverwendung
3. Recycling
4. Andere Verwertungsverfahren, z.B. Verbrennen
5. Beseitigung bzw. Deponieren Quelle: § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz

In deutschen Haushalten fallen jedes Jahr durchschnittlich 37 Millionen Tonnen Abfall an, das sind 450 Kilogramm pro Einwohner im Jahr.

Tipps zum Vermeiden von Müll

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt zehn Tipps, wie mal als Verbraucher schon beim Einkauf Abfall vermeiden kann:

1. Statt mit Einmal-Plastiktüten solle man mit einem "Beutel, Rucksack oder Korb seine Einkäufe" erledigen, rät der BUND. Klar: Eine Tüte, die man weder gekauft noch benutzt hat, braucht man auch nicht zu entsorgen. Der Gesetzgeber unterstützt diese Maßnahme, indem er dem Handel vorschreibt, für Plastiktüten ein Entgelt zu kassieren. Seit einiger Zeit dürfen sie nicht mehr kostenlos über die Ladentheke gehen.

Eine Frau mit Sonnenbrille hält einen Kaffeebecher in der Hand.
Coffee-to-Go-Becher sind nicht gut für die Umwelt. Bildrechte: IMAGO

2. Sich den Coffee-to-Go in den mitgebrachten Becher abfüllen lassen. Tatsächlich lassen sich Kaffeebecher schlecht recyceln, da sie aus Verbundstoffen bestehen: Die Pappe der Becher ist an der Innenseite beschichtet.

Aber selbst wenn sie sich besser recyceln ließen - wer einen wiederverwendbaren, abwaschbaren Becher nutzt, vermeidet Müll. Wer doch mal zum Pappbecher greift: Vielleicht kann man ja wenigstens auf den Plastik-Deckel verzichten? Außerdem könne man, so der BUND, auf Brotdosen und andere wiederbefüllbare Flaschen und Becher zurückgreifen.

Selbst beim Kauf eines Getränks in einer Pfandflasche gibt es Unterschiede: Wer zu einer Einweg-Flasche greift, bezahlt dafür nicht nur den höheren Satz von 25 Cent Pfand, er entscheidet sich auch für die weniger nachhaltige Variante, denn Einwegflaschen werden direkt nach Abgabe an der Leergut-Annahmestelle entsorgt. Nicht so die Mehrweg-Pfandflaschen.

Eine Mehrwegkiste mit Gemüse.
Beim Markt-Einkauf oder in "Unverpackt-Läden" kann man verpackungsarm einkaufen. Auch die Bestellung einer Öko-Kiste hilft Verpackung zu sparen. Bildrechte: dpa

3. Unverpackte Lebensmittel einkaufen. In "Unverpackt-Läden" oder auf dem Wochenmarkt kann man frische Produkte in weniger Verpackung kaufen als im Supermarkt, wo - überspitzt formuliert - jede Scheibe Käse einzeln verpackt ist.

In manchen Städten erlauben es die Hygienevorschriften sogar, dass Wurst und Käse an der Theke direkt in mitgebrachten Boxen verstaut werden können. Hier müssen sich die Händler nur etwas einfallen lassen, wie Kunden-Box und Händler-Theke nicht direkt in Kontakt miteinander kommen - um zu vermeiden, dass hygienisch sensible Bereiche kontaminiert werden.

4. Lebensmittel vor der Tonne retten. Indem man seine Einkäufe gut plant, konsequent Reste verwertet oder überschüssiges Essen mit Nachbarn oder Bedürftigen teilt.

5. Leitungswasser trinken. Für den BUND ist Leitungswasser das "am besten kontrollierte" Lebensmittel. Mit entsprechenden Zusätzen könne es zudem in nahezu jede Art Softdrink verwandelt werden.

6. Im Einzelhandel einkaufen und nicht im Online-Handel. Logisch - was quer durch die Republik geschickt wird, muss doppelt und dreifach eingepackt werden.

7. Reparieren statt Wegwerfen. Vieles lässt sich reparieren und für den weiteren Einsatz ertüchtigen, bevor es in den Müll wandern muss. Dieser Punkt ist auch den Organisatoren der Woche der Abfallvermeidung in diesem Jahr besonders wichtig. Sie haben die Kampagne 2017 unter das Motto "Gib Dingen ein zweites Leben - Reparatur in Deutschland stärken" gestellt. Und das aus gutem Grund: Mittlerweile ersetzen viele Menschen Elektro-Geräte gleich beim ersten Defekt - in der Annahme, dass sich die Reparatur meist nicht langfristig auszahlt.

Veraltete Computer-Technik etwa kann in vielen Fällen aufgerüstet werden, ohne dass gleich ganze Geräte ausgetauscht werden müssen. Bereits beim Kauf kann man darauf achten, dass Hersteller eine gute Infrastruktur für Reparaturen bereithalten oder - bei Computern - die Möglichkeit zur Aufrüstung vorgesehen ist.

Diesen Punkt beinhaltet auch das Prinzip der "Vorbereitung zur Wiederverwendung", das in der Abfallhierarchie an zweiter Stelle genannt wird.

8. Leihen und Tauschen statt selbst kaufen.

9. Dinge so lange wie möglich nutzen und sich vor jeder Neuanschaffung fragen: "Brauche ich das wirklich?"

10. Gebrauchte Dinge und Kleidung kaufen. Wer Kleidung oder Elektrogeräte Second Hand kauft, spart Ressourcen und vermeidet Müll.

Bringt Mülltrennung eigentlich etwas?

An dritter Stelle der Abfallhierarchie schließlich steht das Recycling. Die Deutschen gelten als Recycling-Weltmeister. Nach Angaben der Europäischen Union werden in Deutschland mehr als 66 Prozent aller Abfälle recycelt. Doch liegt dieser Erfolg auch an der speziellen Erfassung: In Deutschland wird dabei - grob gesagt - der Müll gemessen, der in Gelben oder in Wertstofftonnen und den entsprechenden Weiterverarbeitungsanlagen landet, unabhängig davon, ob er auch tatsächlich "stofflich verwertet" wird, ob etwa Plastik also tatsächlich wieder als Plastik in den Produktkreislauf zurückgelangt.

Ein Radlader fährt in einer Halle einer Sortieranlage für Verpackungsabfälle.
In Müll-Sortieranlagen wird bergeweise Verpackungsmüll zur "stofflichen" Verwertung vorsortiert. Bildrechte: dpa

Denn ein nicht unerheblicher Anteil der gesammelten Wertstoffe landet am Ende in Müllverbrennungsanlagen. Das gilt in Deutschland auch als Recycling, da die Ausgangsstoffe ja auch verwertet werden, und zwar "thermisch". Dieses Prinzip wird von vielen Seiten als Etikettenschwindel kritisiert. Der Gesetzgeber schreibt eine "stoffliche" Verwertungsquote von 36 Prozent vor. Experten bezweifeln, dass diese erreicht wird. Neben dieser Quote existieren noch weitere individuelle Quoten, die zwischen dem Dualen System und den Entsorgungsunternehmen, die von ihm engagiert werden, verabredet werden.

Aber nur wer Müll trennt, handelt umweltbewusst. Denn je besser der Müll getrennt wurde, umso leichter haben es Sortieranlagen, stoffgleichen Müll zu sortieren und einer Wiederverwendung zuzuführen, umso effizienter und ressourcenschonender können diese Anlagen arbeiten. "Die beste Trennungsanlage ist der Verbraucher", gibt auch René Ottlinger zu, stellvertretender Leiter Produktion und Technik bei der Leipziger Niederlassung des Entsorgungsunternehmens Alba. Müll, der schlecht vorgetrennt wurde und nicht eindeutig einer bestimmten Stoffgruppe zugeordnet werden kann, steht der stofflichen Wiederverwertung womöglich am Ende nicht zur Verfügung.

Tipps fürs Mülltrennen

1. Zunächst einmal: Müll trennen! Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. Die Restmüllentsorgung durch kommunale Betriebe kostet Geld, im Gegensatz zur Gelben Tonne, deren Abholung für die Verbraucher kostenlos ist. Restmüll sollte übrigens auch nicht in die Gelbe Tonne geworfen werden, denn dann kann die Abfuhr die Tonne nämlich einfach stehen lassen.

Mitarbeiter sortieren an einem Flieߟband in einer Sortieranlage für Verpackungsabfälle.
Tatsächlich gibt es kaum Arbeiter an den Bändern der Sortieranlagen. Einige wenige sortieren beispielsweise nur die größten "Fehlwürfe" aus. Bildrechte: dpa

In die Gelbe Tonne gehören Leichtverpackungen aus Plastik, Metall und Verbundverpackungen. An vielen Orten ist die Gelbe Tonne eine Wertstofftonne, in die auch "stoffgleiche Nichtverpackungen" geworfen werden können, wie Ottlinger sagt, in einer Größe von ungefähr 30 mal 30 Zentimetern. Ein Schneidebrett aus Plastik kann da also rein, eine kleine Metallschüssel und sogar kleine Haushaltsgeräte, wenn - das ist wichtig - das Kabel abgeschnitten wird. Besser ist es dennoch, Elektrogeräte auf Wertstoffhöfen abzugeben, denn dann gelangen sie nicht in die Müllpressen der Abfuhrunternehmen und können besser und einfacher verwertet werden.

Was nicht in die Gelbe Tonne gehört: Textilien beispielsweise oder benutzte Babywindeln - aber das sollte eigentlich klar sein. Textilien würden mit anderen "Fehlwürfen" geschreddert und verbrannt. Auch Feuerlöscher gehören nicht in die Gelbe Tonne, was laut Ottlinger aber schon vorgekommen sei. Es gebe sogar Leute, die schon Matratzen in die Gelbe Tonne gestopft haben oder eine Bowling-Kugel eingeworfen haben. Sowas ist sogar gefährlich, Bowlingkugeln oder Feuerlöscher können die Sortieranlagen beschädigen.

2. Verpackungen so gut es geht in ihre Bestandteile zerlegen. Trennen Sie beispielsweise Deckel vom Joghurtbecher. So können beide Komponenten automatisch sortiert und neuen Bestimmungen zugeführt werden. Zwar können das mittlerweile auch Sortieranlagen, es erhöht aber deren Aufwand und Energieverbrauch. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Plastik-Müll nicht zu sehr ineinander verkeilt zusammengeschnürt wird.

Pfandsiegel auf PET-Flasche
Flaschen mit diesem Siegel sind Einweg-Flaschen. Bildrechte: Pierre Gehmlich

3. Das trifft auch auf die Glasentsorgung zu: Deckel oder Korken werfen Sie bestenfalls in die Wertstofftonne (Deckel) bzw. den Restmüll (Korken). Auch hier gilt: Zwar können Sortieranlagen Deckel oder Korken aussortieren, wenn eine kritische Menge überschritten wird, ist der Aufwand dafür aber viel zu groß und es drohen Verunreinigungen des recycelten Glases, unter Umständen können ganze Altglas-Chargen dann nicht wiederverwendet werden.

4. Die Deckel von Einweg-Pfandflaschen abschrauben und entsorgen. Einweg-Flaschen werden nach der Rückgabe zerschreddert. Da die Deckel nicht aus dem gleichen Material gefertigt sind, erschweren Deckel, die fest auf die Flaschen geschraubt wurden, die Verwertung. Und den Pfand bekommt man auch für deckellose Flaschen.

5. Müll nicht auswaschen. In den 90er-Jahren haben das viele Menschen noch gemacht - Plastikverpackungen ausgewaschen, bevor sie sie in die Gelbe Tonne geworfen haben. René Ottlinger sagt, dass das überflüssig ist. Man solle die Verpackungen "löffelrein" sprich ausgelöffelt entsorgen. Plastikmüll, der der Verwertung zugeführt wird, wird von Industrieanlagen sowieso noch gewaschen - und das viel effizienter als der Verbraucher das leisten könnte.

Über dieses Thema berichtete auch: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2017, 07:59 Uhr